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Sie transportieren Lasten, liefern Milch, Wolle, Fleisch und passen sich erst noch bestens dem Klima an. Ein Augenschein auf dem bedeutendsten Kamelmarkt von Ägypten.

von Kawkab Tawfiq

An der Mariutiya Road, 35 Kilometer ausserhalb von Kairo, in einer an Dattelpalmen und Zuckerrohr reichen Landschaft, findet in Birqasch der grösste Kamelmarkt Ägyptens statt. Seine Geschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Der Markt findet auf einem Hügel vor einer kürzlich erbauten Moschee statt. Jenseits einer gelblichen Wolke aus Sand und Staub kann man endlich die ersten Kameleauf den Ladeflächen der Pick-ups erkennen.

Kameltreiber mit Turbanen und Gallabiya, die traditionelle Tunika, verhandeln über die Preise der Tiere. Birqasch ist ein kosmopolitisches Handelszentrum. Hier kommen die Menschen aus ganz Ägypten, aber auch aus dem Sudan und den südlichen Ländern der Sahara zusammen. Männer und Kinder laufen Seite an Seite mit ihren Stöcken, Lastwagen kommen und fahren wieder ab. Keine Frauen weit und breit, der Markt ist eine Männerszene, abgesehen von der Frau, die an einem Kiosk Tee ausschenkt. Zahlreiche Kamele bewegen sich, stöhnen und springen auf drei Beinen, denn ihnen wurde ein Bein hochgebunden, damit sie nicht ausreissen.

Der Marktplatz ist in Hunderte von kleineren Höfen unterteilt, die jeweils einem Kamelhändler gehören, der den Platz auch untervermietet. Der Markt findet jeden Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Freitag, je nach Saison, bis 12 oder 13 Uhr statt. Bei den Verhandlungen um Preis und Qualität der Tiere geht es laut und leidenschaftlich zu. Ein Regierungsbeamter, der leicht zu erkennen ist, weil er Hose und Hemd trägt, notiert die erzielten Preise. Sobald ein Verkauf abgeschlossen ist, wird das Kamel mit den Initialen oder dem Symbol des Käufers besprüht. Im chaotischen Treiben ist das die einzige Möglichkeit, zu erkennen, wer Eigentümer der Tiere ist.

Die Zeichen auf den Kamelen dokumentieren die Herkunft der Tiere, die oft eine lange Reise durch mehrere Länder von Händler zu Händler hinter sich haben. Für die Kamele handelt es sich oft um eine qualvolle Erfahrung. Die Tiere werden über den Sudan, Eritrea und Somalia nach Südägypten getrieben. Über 1000 Kilometer in drei Monaten – vom Sudan und von Somalia aus über die berühmte Piste Darb al-Arba’in, die 40-Tage-Strasse. Diese alte Karawanenroute beginnt in Omdurman bei Khartoum im Sudan und endet in Birqasch. Die meisten Tiere werden danach als Fleischlieferanten verkauft. Im Altertum berichtete der berühmte arabische Historiker Ibn Khaldun, dass bis zu 12 000 Kamelkarawanen entlang der Darb al-Arba’in nach und von Kairo unterwegs waren. Vor Jahrhunderten befand sich der Markt nur wenige Schritte von der Al-Azhar-Moschee entfernt, bevor er in den nordwestlichen Teil der Hauptstadt verlegt wurde.

Der Umgang mit den Tieren ist oft brutal. Ein Käufer entfernt die gelbe Karte, die die ägyptische Regierung am Ohr des Kamels an der Grenze zum Sudan angebracht hatte. «Diese Karte am Ohr ist schmerzhaft und stört das Kamel», sagt er. «Ich mag die Tiere auch nicht festbinden. Wo können sie schon hingehen? Sie wollen nur das Gras fressen.»
Yaser Abdelaziz, ein 73-jähriger Kaufmann, spricht offen über den Kamelhandel. Er hat diese Tätigkeit von seinem Vater übernommen, der wiederum von dessen Vater. Er erinnert sich, dass der Markt früher näher bei Kairo stattfand, als König Faruk an der Macht war. «Das Leben war damals besser, es gab weniger Armut, und die Händler hatten früher mehr Respekt vor den Tieren.»

Ein Tier kostet je nach Grösse und Gewicht auf dem Markt bis 25 000 ägyptische Pfund, was 1500 Franken entspricht. Ein Kamel gilt als gute Investition, denn es kann 30 Jahre alt werden und leidet in der Regel kaum an Krankheiten. Es ist ein hervorragender Lastenträger, liefert Wolle und Milch und Fleisch. Ein männliches Kamel wiegt 400 bis 600 Kilogramm. Der Preis für ein Kilo Fleisch beträgt etwa 130 Eier. Bei Rindfleisch müssen pro Kilo 170 Eier aufgebracht werden.

«Ich verkaufe die meisten Kamele während des Ramadans und vor dem Opferfest. In diesen Zeiten haben wir eine grössere Nachfrage nach Kamlen durch die Metzger. Aber wegen der Wirtschaftskrise haben wir beim letzten Ramadan weniger verkauft», sagt Yaser Abdelaziz.
Nach muslimischer Überlieferung werden Tiere während des Ramadan-Monats geopfert. Ihr Fleisch wird an die Armen verteilt. Aufgrund gestiegener Preise bei Unterhalt und Futter und gleichzeitigem Rückgang der Nachfrage ist die Stimmung auf dem Markt schlecht.
Nach dem Mittagsgebet beginnen die Händler mit dem Verladen der Kamele. Kein einfaches Unterfangen. Die Tiere werden geschoben, gezogen und geschlagen. Sie stöhnen laut, protestieren, versuchen, sich zu widersetzen – vergeblich.