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Wenn man sich ärgert, schadet man in erster Linie sich selbst. Derweil sind die Chancen klein, dass der ausgedrückte Ärger die Ursache des Ärgers beseitigt. Ärger kann eine Empörung, ein Groll oder eine Wut über ein Verhalten sein. Am Anfang steht die Situation, die eine Verstimmung auslöst. Häufig scheint diese Situation völlig klar zu sein, sie wird nicht hinterfragt.

Diese oft nur vermeintlich richtige Einschätzung löst ein Gefühl aus, auf das der Körper sofort reagiert – und schon steigt der Blutdruck und ballt sich die Faust. Diese Dynamik kann ein Überschiessen auslösen, eine zu scharfe und dadurch unangemessene Reaktion. Hinzu kommt, dass die Empfindung darüber, wie die auslösende Situation eingeschätzt wird, kaum mit der Realität zu tun hat. Man ärgert sich über eine Situation, die objektiv gar nicht so ist, wie man meint, dass sie sei. Ist der Ärger einmal im Blut, sind klare Gedanken schwierig. Die Muskeln spannen sich an, der Puls ist beschleunigt, das Alarmzentrum des Hirns wird zu einem schlechten Berater. Man schlägt zu, verbal, vielleicht auch körperlich und gerät leicht in ein Verhalten, das den eigenen ethischen Prinzipien widerspricht. Man duzt, zeigt den Stinkefinger oder setzt den andern mit Schimpfwörtern herab.

Das hat einen hohen Preis: Nach einem solchen Ärger-Erguss fühlt man sich nicht besonders, bereut die gefallenen Worte und leidet, dass man sich so gehen liess. Redford Williams, Leiter des Behavioral Medicine Research Center an der Duke University (USA), kam zum Schluss, dass es gesundheitsschädlicher sei, den Ärger auszudrücken, als ihn zu schlucken. Wer seinem Ärger Luft mache, hat laut Williams eine geringere Lebenserwartung. Ausgedrückter Ärger halte nämlich innerlich weiter an und steigere die Aggressivität, so der Arzt. Er rät in einer Ärger-Situation zu vier Fragen, die man sich stellen soll: «Ist das wichtig? Habe ich eine angemessene Reaktion? Ist diese Situation änderbar? Lohnt es sich, etwas dagegen zu tun?» Ein Nein auf eine dieser vier Fragen bedeute, anders als gewollt zu reagieren. Aber wie schafft man das innerhalb weniger Sekunden? Redford Williams schlägt vor, ein Selbstgespräch zu führen, tief ein- und auszuatmen oder ein Gebet zu sprechen.

Ziel sei, eine Reaktion zu stoppen und durch eine andere, angepasste Reaktion zu ersetzen. In allen Fällen von Ärger gibt es immer auch die Option, gar nicht zu reagieren. Oder mit einem lauten Zischen durch die Zähne den Dampf abzulassen. Das hat mit Feigheit nichts zu tun, sondern mit Selbstfürsorge, wie das gute Gefühl, das sich bald einstellt, beweist. Redford Williams räumt aber ein: «Wenn Sie auf alle vier Fragen mit Ja antworten, dann ist es an der Zeit, sich angemessen durchzusetzen.» Immerhin.