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Seit 2014 reichen die Lohnbeiträge und die Beiträge der öffentlichen Hand nicht mehr aus, um die laufenden Renten der AHV zu finanzieren. Das sorgt für Verunsicherung und bei jüngeren Generationen für Resignation. Gibt es noch einen Ausweg? Und welche Rolle spielen jetzt die COVID-19-Verstorbenen für die Zukunft der AHV?

von Anton Ladner

Daran gibt es keinen Zweifel: Die AHV ist die wichtigste soziale Einrichtung in der Schweiz. Lanciert mit viel Schwung und Zuversicht, ist sie heute zunehmend Gegenstand von Sorgen. Die Versicherten leben zu lange, für die Renten fehlen zunehmend junge Menschen im Arbeitsprozess. Denn finanziert wird die AHV hauptsächlich aus den Beiträgen der beschäftigten Bevölkerung und deren Arbeitgebern. Vor diesem Hintergrund sind Schreckensszenarien leicht zur Hand. Und Junge sagen gerne: «Für uns wird es dann nicht mehr reichen.» Wie sieht es tatsächlich aus? Die Beiträge der Versicherten und deren Arbeitgebern haben in den vergangen fünf Jahren zugenommen. Sie stiegen von 30,41 Milliarden Franken auf 32, 5 Milliarden an. Der Kapitalertrag verbesserte sich trotz eines furchtbaren Jahres 2018 in den vergangenen fünf Jahren von 20 Millionen auf 2,85 Milliarden Franken im Jahr 2019. Bei der Umlage, was also eingenommen und an Renten ausbezahlt wurde, sieht es aber düster aus: Da wurden auf dem Papier 1,2 Milliarden Franken mehr ausgegeben als eingenommen.

Auf dem Papier, denn bei dieser Zahl werden die Kapitalerträge nicht eingerechnet, weil sie jedes Jahr stark schwanken können. 2019 lagen sie bei 2,85 Milliarden Franken. Die Beurteilung hängt somit stark vom Betrachtungswinkel ab, gleich wie bei einem halbgefüllten Glas Wasser. Was bedeutet das nun für die Zukunft? Im vergangenen August hat der Bund die Perspektiven bis 2030 veröffentlicht. Bis dann sollen die Beiträge pro Jahr zugunsten der AHV auf 39,5 Milliarden Franken und die Gesamteinnahmen (aus Steuern, Spielbanken usw.) auf 55,17 Milliarden anwachsen. Ab 2025 werden die Fehlbeträge bei der Umlage der Einnahmen in Renten stark ansteigen, auch bei Mitberücksichtigung der Kapitalerträge. Aus diesem Grund werden die AHV-Reserven von 45 auf 34 Milliarden Franken abnehmen, was aber nicht dramatisch ist. In seinem AHV-Szenarienbericht vom 31. August 2020 geht der Bund davon aus, dass die Todesfälle aufgrund der COVID-19-Pandemie leicht ansteigen und somit das Rentenvolumen zusätzlich vergrössern werden. Der Bund rechnet bei jährlich 60 000 Verstorbenen mit zusätzlichen 3000 Todesfällen, betont aber: «Diese Annahme ist zu relativieren, da einige der Personen, die an COVID-19 sterben, insbesondere ältere Menschen, möglicherweise im Jahr 2020 aus einem anderen Grund verstorben wären. Die vorübergehende Erhöhung der Zahl der Todesfälle dürfte somit die künftige Bevölkerungsentwicklung nicht sehr stark beeinflussen.» Dennoch hinterlässt die Corona-Pandemie klare Spuren. Der Bund schreibt in seinem AHV-Zukunftsszenario vom 31. August: «Infolge der COVID-19-Pandemie und der getroffenen Annahmen bezüglich der Erholung der Wirtschaft bleibt das Umlageergebnis negativ. Dadurch kann der IV-Fonds über Jahre nicht weiter geäufnet werden und die Schuld gegenüber dem AHV-Fonds bleibt bestehen.»

Bei der Lebenserwartung geht der Bund von einer langsamen Angleichung der Geschlechter aus − bei Frauen wird sie kürzer, bei Männern länger. Das könnte eine leichte Entlastung für die AHV bedeuten. Der Bund rechnet zudem ab 2035 mit höheren Beiträgen «infolge des stärkeren Wachstums der Erwerbsbevölkerung». Mit anderen Worten, wenn die Schweiz für Immigration attraktiv bleibt, werden ausländische Arbeitnehmer die AHV-Kasse stärker alimentieren. Im Jahr 2029 wird die Zahl der Personen, die vom Erwerbsleben in Renten geht, am höchsten sein. Die Zuwachsraten der Erwerbstätigen bleiben derweil aber sehr klein. Auch die Geburtsrate wird in der Schweiz laut Szenario nicht zunehmen. «Erst nach 2035 werden die Beitragseinnahmen infolge des stärkeren Wachstums der Erwerbsbevölkerung höher geschätzt», steht in der Prognose. Gemeint ist damit auch eine wieder ansteigende Migration. Die Hypothesen zur Lebenserwartung, zur Migration und zur Erwerbstätigkeit bieten keinen Anlass, schwarz zu malen. Denn in der Abstimmung vom Mai 2019 wurde die Vorlage Steuerreform und AHV-Finanzierung angenommen. Mit dieser Reform fliessen ab 2020 jährlich zwei Milliarden Franken zusätzlich in die AHV. Und Mitte September hat die zuständige Kommission des Nationalrates beschlossen, zur Stabilisierung der AHV das Rentenalter der Frauen, neu Referenzalter, auf 65 Jahre anzuheben, wie der Bundesrat vorgeschlagen hat. Zudem soll ab 2021 die Mehrwertsteuer zugunsten der AHV angehoben werden, was ein substanzieller Beitrag zur Leistungsfähigkeit des bedeutendsten Sozialwerkes der Schweiz sein wird.

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