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Trotz allgemeinem Insektensterben belebt die Klimaerwärmung die Mücken. Inzwischen leben 50 Stechmückenarten in der Schweiz. Und weitere aus dem wärmeren Ausland kommen hinzu.

von Anton Ladner
Von den rund 3600 Stechmückenarten, kommen in Europa nur gut 100 Arten vor, von denen sich immer mehr auch in Mitteleuropa heimisch fühlen. Die Klimaerwärmung macht das möglich. Sie haben alle gemeinsam, dass die Weibchen über ein spezialisiertes Mundwerkzeug verfügen, um an Blut zu kommen. Es handelt sich um einen raffinierten Rüssel, der stechen und auch saugen kann. In der Regel ernähren sich Stechmücken von Nektar, dem zuckerhaltigen Pflanzensaft. Für die Nachkommen, konkret die Produktion von Eiern, benötigt das Weibchen jedoch Proteine und Eisen. Diese Stoffe holt es sich mit dem Rüssel bei einem Wirt. Der Rüssel verfügt über zwei Kanäle: Durch den einen wird Speichel injiziert, durch den anderen das Blut herausgesaugt. Dieser Speichel sorgt für Schwellungen, Juckreiz und je nach Art auch für Krankheiten wie Malaria oder Denguefieber. Die Malaria ist mit etwa 200 Millionen Erkrankten pro Jahr die häufigste Infektionskrankheit der Welt. Auch heute noch sterben an Malaria über eine Million Menschen im Jahr. Im Jahr 2004 wurde mit 1,8 Millionen Todesopfern ein Höhepunkt registriert. Das Dengue-Virus wird ebenfalls durch den Stich einer Stechmücke übertragen und ist bisher in tropischen und subtropischen Gebieten verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass jährlich 50 bis 100 Millionen Menschen am Virus erkranken und von diesen 22 000 an Denguefieber sterben, vor allem Kinder. Stechmücken wählen ihre menschlichen Wirte aufgrund des ausgeatmeten Kohlenstoffdioxid-Gehalts, des Körperdufts nach Milchsäure und der Körperwärme aus. Für den Menschen in der Schweiz waren bisher nur fünf Stechmückenarten gefährlich.
Gemeine Stechmücke: Die Gemeine Stechmücke ist weit verbreitet und die bekannteste Mückenart. Das etwa fünf bis sieben Millimeter grosse Insekt ist dämmerungs- und nachtaktiv und fühlt sich vor allem in der Nähe von Gebäuden wohl.
Überschwemmungsmücke: Diese Mücken, die Überschwemmungsgebiete zur Brutablage nutzen, treten meist massenhaft auf.

Ringelmücke: Mit zehn bis 13 Millimetern ist sie deutlich grösser als die Gemeine Stechmücke. Die auch als grosse Hausmücke bezeichnete Art hat einen schwarzgrauen Körper mit hellen Querstreifen. Daher kann sie leicht mit der Asiatischen Tigermücke verwechselt werden. Im Frühling sind die stechenden Weibchen tagaktiv, später im Jahr sind sie in der Dämmerung unterwegs.

Gnitzen: Sie werden auch Bartmücken genannt, sind nur ein bis vier Millimeter klein und abends wie nachts aktiv. Die Stiche können schmerzen und zu dicken Quaddeln führen.

Kriebelmücke: Sie sind zwei bis sechs Millimeter gross, rötlich, gelb oder schwarz gefärbt und sehen wie Fliegen aus. Sie sind tagsüber unterwegs und ihre Stiche können allergische Reaktionen auslösen.

Während einheimische Stechmückenarten auf breite und tiefe Wasserflächen für die Eiablage angewiesen sind, reichen den Exoten aus dem warmen Ausland bereits kleine Gefässe mit wenig Wasser. Das gilt zum Beispiel für die Asiatische Tigermücke, die sich in der Schweiz breitmacht, und auch für die Asiatische Buschmücke. Über Schiffe und Flugzeuge schafften sie es, grosse Distanzen zu überwinden. Aufgrund der zunehmend milden Winter und heissen Sommer fühlen sie sich in der Schweiz dauerhaft wohl. Die Tigermücke kann Denguefieber oder das Zika-Virus übertragen, wobei in der Schweiz bisher keine Krankheitsübertragungen gemeldet wurden. Abgesehen davon reagiert etwa ein Prozent der Bevölkerung allergisch auf Insektenstiche, was sich durch starke Rötung, starkes Jucken und grosse Schwellungen anzeigt. Übelkeit, Frösteln und Schwindel können sich auch einstellen. In diesen Fällen muss ein Arzt aufgesucht werden. Adrenalin, Kortison und Antihistamin sorgen in schweren Fällen für Abhilfe. Und: Das Immunsystem reagiert auf die Stiche ungewohnter Mückenarten stärker.
Der Stichschmerz-Index
Der Schmidt-Stichschmerz-Index ist eine Skala für die Einordnung der durch Insektenstiche bewirkten Schmerzen. Der US-amerikanische Insektenforscher Justin Schmidt wurde im Laufe seines Arbeitslebens von 150 Insektenarten aus aller Welt gestochen. Er ordnete die empfundenen Schmerzen in vier Stufen ein.
Stufe Schmerz Insekt
1.0: Leicht, flüchtig, fast fruchtig. Als ob ein winziger Funke ein einziges Haar auf dem Arm ansengt. Blutbienen.
1.2: Scharf, plötzlich, etwas beunruhigend. Als ob man über einen Flokati-Teppich läuft, sich statisch auflädt und einen elektrischen Schlag bekommt. Feuerameisen.
1.8 Ein seltener, stechender, irgendwie hoher Schmerz. Als ob jemand eine Heftklammer in die Wange schiesst. Knotenameisen
2.0: Reichhaltig, herzhaft und heiss. Als ob W. C. Fields eine Zigarre auf deiner Zunge auslöscht. Kurzkopfwespen.
2.x Wie ein abgebrochener Streichholzkopf, der auf deiner Haut abbrennt. Honigbienen, Hornissen.
3.0: Ätzend, brennend und unerbittlich. Als ob jemand einen Bohrer benutzt, um einen eingewachsenen Zehennagel freizulegen, oder man einen Becher mit Salzsäure über eine Schnittwunde schüttet. Ameisenwespen.
4.0: Heftig, blendend, furchtbar elektrisch. Als ob jemand einen laufenden Haartrockner in dein Schaumbad fallen lässt. Pepsis formosa (Wegwespe).
4.x: Reiner, intensiver, strahlender Schmerz. Als ob man über glühende Kohlen läuft und dabei einen sieben Zentimeter langen rostigen Nagel in der Ferse stecken hat. 24-Stunden-Ameise.