Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Der Griff zum Handy, um schnell zu schauen, was los ist, ist heute überall zu beobachten. Smartphone-freie Stunden erscheinen deshalb als Anachronismus. Der rasche Sprung in andere Welten hat jedoch einen hohen Preis.

Werner stand im Supermarkt vor dem reichen Gemüseangebot. «Blumenkohl oder Aubergine? Vielleicht wieder einmal gefüllte Tomaten», überlegt er sich. Es macht ihm Spass, am Wochenende für seine Familie zu kochen und sich vom Angebot im Laden das Menü schreiben zu lassen. Er legte die Aubergine zurück, weil es in seiner Hosentasche vibrierte. Eine SMS von Peter: «Hochstrasser hat geantwortet. Eine klare Absage, ruf mich an.» Die Mitteilung setzte Werners Kochüberlegungen ein jähes Ende. Sie riss ihn gedanklich aus dem Supermarkt. Er beendete den Einkauf fast mechanisch und fühlte ich gestresst, weil er Peter anzurufen hatte. Er tat das draussen vor dem Laden und vereinbarte mit Peter, nach dem Wochenende am Montagmorgen, die Gründe der Absage Hochstrassers gemeinsam gründlich zu analysieren. Auf einen Kaffee im Bistro gegenüber, um die Samstagausgabe einer deutschen Zeitung zu lesen, hatte Werner keine Lust mehr. Das Gespräch mit Peter bedrückte ihn, die gute Samstag-Stimmung war überschattet.

Das ist der Preis der ständigen Erreichbarkeit – im Fall von Werner ist er hoch: Stress, Stimmungsumschwung, Anspannung. Hätte er sein Handy zu Hause gelassen oder ausgeschaltet, wäre ihm diese negative Dynamik erspart geblieben, ohne dass sich an der neuen Problemlage irgendetwas verändert hätte. Die Meinung, erreichbar bleiben zu müssen, um jederzeit in andere Welten einzutauchen, hat ihn um einen harmonischen Einkauf mit konkreter Vorfreude auf das bevorstehende Essen gebracht. Aber auch um kreative Momente im Bistro, die je nach Lektüre zu neuen Inspirationen oder neuen Sichtweisen auf einzelne Aspekte des Lebens führen können. Er hätte an diesem Samstagmorgen seinen Körper auftanken lassen – eine Voraussetzung, um am Montagmorgen kreativ wirken zu können.

Die meisten Menschen überschätzen den Zeitpunkt, ab dem eine Information verfügbar sein muss. Die Wirkung aber, wenn vermeintlich wichtige Informationen am falschen Ort zur falschen Zeit zur Kenntnis genommen werden, wird derweil massiv unterschätzt. Überspitzt formuliert sind solche Mitteilungen richtige Verschmutzer des Hier und Jetzt. Wer umsichtig mit sich umgehen möchte, kann sich leicht davor schützen, indem er Prioritäten setzt und dann in der gewählten Priorität gedanklich ganz aufgeht. Kurz: Sich während einer Aktivität nicht vom Smartphone in andere Welten entführen zu lassen, das hat viel mit einer klugen körperlichen Selbstfürsorge zu tun.

 Anton Ladner