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Frau Holles Gehilfen

Eine zünftige Winterreise muss durch eine tief verschneite Landschaft führen. Aus Frau Holles Kissen kommen die weissen Flocken aber schon lange nicht mehr in ausreichendem Mass. Mit immensem Aufwand wird Schnee produziert, gelagert, verschoben und entsorgt – damit wir ihn dort finden, wo wir ihn haben wollen.

Die Inuit, so wird oft erzählt, würden über hundertverschiedene Wörter für Schnee kennen. Die hundert Wörter der Inuit – so viel weiss man heute – beruhen auf einer Fehleinschätzung des Ethnologen und Sprachwissenschaftlers Franz Boas nach seinem Besuch der Inuit auf der arktischen Baffininsel 1884. Die Inuitsprachen – denn es gibt mehrere – sind sogenannte polysynthetische Sprachen, das heisst, beinahe beliebige Wortbestandteile werden zu einem Wort zusammengeführt, sodass selbst Wendungen wie «feuchter Schnee, der nachts auf eine trockene Strasse fällt» in einem Wort zusammengefasst werden können. Natürlich ist es für die Inuit besonders wichtig, die genaue Beschaffenheit von Wasser, Schnee, Eis und deren Mischformen in ihrer Lebenswelt möglichst exakt bezeichnen zu können.

Aber das Wortfeld Schnee umfasst auch in anderen Sprachen viele Wörter: Im Deutschen unterscheidet man etwa sowohl nach Alter des Niederschlages (Neuschnee, maximal drei Tage alt, und Altschnee), nach seiner Konsistenz (zum Beispiel Pulverschnee, locker, unter null Grad gefallen), Harsch (überfrorener Pulverschnee), Bruchharsch (Eisschnee), Sulzschnee (nass und schwer), Faulschnee (gemischte Konsistenz ohne Zusammenhalt), Griesel körniger Schnee) und Firn (mindestens ein Jahr alt, wiederholt gefroren). Auch unsere Vorfahrenwaren darauf angewiesen, die Verhältnisse auf dem Feld genau beschreiben zu können oder sich umfassend vorzubereiten auf ihre Winterreise ...

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