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Wie Pellworm zu meiner Insel wurde

Wenn der Autor, seit vielen Jahren in der Schweiz zu Hause, überm Zürichsee die Möwen ihre Runden ziehen sieht, denkt er an die Möwen, die unter dem weiten Himmel der nordfriesischen Insel Pellworm ihre Runden ziehen. Einmal, vor vielen Jahren, hat er viele Wochen dort verbracht, um zu schreiben – und ist unverhofft und unversehens runderneuert worden.

Mein letzter Tag war sonnig, fast schon warm und zeitweise windstill. Am Mittag bin ich noch einmal ein Stück über die Insel geradelt. Am Hafen hatte der Fischimbiss zum ersten Mal in der Frühjahrssaison geöffnet. Ich sass draussen, ein Krabbenbrötchen, ein Kaffee, eine Zigarette. Der Himmel war blau, Möwen schrien, Fahnenstangen klirrten.

Auf der Fähre

Als ich am nächsten Morgen an Deck der Fähre stand und auf Pellworm schaute, wie es sich langsam wegschob, getragen von den Rotorblättern seiner Windmaschinen, kam mir zum ersten Mal zu Bewusstsein, was ich schon oft empfunden hatte, ohne es je als Gedanken zu fassen: dass Inseln die letzten Orte sind, von denen man nicht überstürzt aufbrechen kann, sondern im Herztempo Abschied nimmt. Die Überfahrt ist eine Zeitreise vom Nichtmehr ins Nochnicht, wunderbar geeignet zur inneren Sammlung. Man zieht die Summe, und sind es zumeist auch nur Halbgedanken, denen man nachhängt, so schweifen sie doch vom festen Port einer Grundsatzentscheidung aus: der, ob man wiederkommt oder nicht. Im ersten Fall setzt das Heimweh oft unmittelbar ein und verleitet zum Trotz gegen alles Bisherige:

«Noch könntest du», spricht man sich zu, und meint: mit der Fähre gleich wieder zurückfahren. Aber natürlich könnte man nicht. Es ist einfach ein Satz, um sich Trost zuzufächeln. «Noch könntest du», sprach ich mir zu. Erst als die Rotorblätter, der Leuchtturm und der geborstene Campanile der Alten Kirche aus dem Blickfeld verschwunden waren, wusste ich: Eine Rückkehr würde mich von mir entfernen und meiner Insel nicht näherbringen. Ich musste sie anderswo finden ...

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