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Buddha hatte kein Smartphone

Übernervöse Kinder, lärmende Jugendliche, erschöpfte Arbeitnehmer, orientierungslose Menschen und der Verfall der Sprache – auf neue Medien wird oft die Schuld für alles geschoben, woran wir leiden. Nachdenken über die Sündenbockfunktion der Medien.

Mit Problemen, Spannungen oder Konflikten beschäftigen wir uns meist nur, wenn eine schnelle Lösung in Sicht ist. Andernfalls greift ein uralter Mechanismus: Man sucht nach Schuldigen. Vielleicht kann man dem menschlichen Gehirn unterstellen, dass es sich zu gern mit «Beschuldigungsspielen» beschäftigt, wie sie der Psychologe Andreas Knuf beschrieb. Wie alt dieser Vorgang ist, lässt sich in der Bibel nachlesen (Lev 16,5ff.). In dieser alttestamentlichen Geschichte wird empfohlen, die Sünden auf einen Ziegenbock zu «übertragen» und diesen in die Wüste zu schicken – um so beides loszuwerden. Zwischen den Untaten und dem Bock existiert zwar kein kausaler Zusammenhang, aber die Vertreibung stabilisiert dennoch die Gemeinschaft, die das Ritual vollzieht. Irgendwas ist immer und irgendwer ist immer daran schuld. Heute allerdings glauben Menschen oft an die tatsächliche Schuld des Opfers; in der biblischen Variante hingegen wird betont, dass der Bock natürlich nicht die Sünden begangen haben kann, er wird ausgelost. Die Sündenbockfunktion scheint generell eine der Formen zu sein, in der unüberschaubare Komplexität, gegen die man nicht direkt protestieren kann, aushaltbar gemacht wird.

Wiederkehrende Ängste

Ein Blick in die Historie zeigt, dass neue Medien oft als Bedrohung galten. Als die Schrift in die Welt kam, beklagten sich die Alten, die Möglichkeit des Aufschreibens führe dazu, dass ein untrainiertes Gedächtnis alles vergesse. Als Romane geschrieben und gedruckt wurden, galt die Lektüre lange als moralisch verwerflich. Die Schallplatte war dann manchem Philosophen nur noch ein Instrument von Kulturindustrie und Massenverdummung. Schaut man in die pädagogischen Lexika der 1950er-Jahre, dann findet man unter dem Stichwort «Jazz» Einträge und Warnungen, die in ihrer Drastik verblüffen – heute hingegen hält man ...

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