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Organisationsentwicklung von innen statt von aussen

Der Schule unserer mittelgrossen Gemeinde hat man «Organisationsentwicklung» verpasst. So berichtet es der Gemeinderat. Nicht er hat gewirkt, nicht die Schule selbst, sondern eine externe Firma wurde beauftragt. Sie stellte «Optimierungspotenzial» fest, sie machte aus dem Gemeinderat ein «exekutives Führungsorgan». Der Bürger allerdings stutzt. Ist eine Lehrerschaft selbst nicht mehr fähig, sich in den paar kleinen Schulhäusern der Gemeinde selbst zu organisieren? Unsere Lehrer damals, selbst in grossen städtischen Schulen, gingen in den Pausen auf und ab, besprachen Anstehendes, und die Schule war weitgehend «geleitet». Überblickt heute aber auch der zuständige Gemeinderat die Strukturen nicht? Kann die mit Akademikerinnen und Akademikern gut bestückte Erziehungsdirektion des Kantons dies nicht bieten,sodass schon von aussen eingewirkt werden muss? Und können die an Pädagogischen Hochschulen ausgebildeten Lehrpersonen diese «Organisationsentwicklung» nicht selbst machen?

Diese nun hoch aufgeputzte Dorfschule mit ihren «professionellen Schulleitungen» ist leider nur eine der vielen Verbürokratisierungen öffentlicher Aufgaben. Überall wirken externe Experten, stolpert man über Benchmarks, Akkreditierungen, Assessments, Mediationen, Leitbilder, Governance-Papiere. Das meiste ist unnötig, alles ist aufgeblasen, und die privaten Büros verkaufen ihre Organisationspapiere und Analysen dutzendfach den leichtgläubigen, sehr beeindruckbaren Verantwortlichen in den Amtsstellen. Der gesunde Menschenverstand und die direkte Kommunikation zwischen den Beteiligten entfallen, ebenso die Courage, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Alles wird outgesourct. Alles folgt vulgärem, betriebswirtschaftlichem Jargon.

Man hat vor Jahren in den Schulen aufgeheult, als «die Wirtschaft» ein bisschen mehr Ökonomie als Schulfach in den Lehrplänen vorschlug oder dies mit Wirtschaftswochen gleich selbst anbot. Die Bildung werde ökonomisiert, hiess es.

Das ist nicht geschehen. Aber die Schule selbst ist ökonomisiert, in ihren innersten Strukturen, Abläufen, Rollendefinitionen und Begriffen. Freiwillig. So sind landesweit die früher nebenamtlich geleisteten Koordinationen zu den erwähnten professionellen Schulleitungen geworden. Viele der Leiter geben kaum mehr Unterricht. Dafür müssen die tatsächlich noch Lehrenden laufend Berichte schreiben. Die Leitung der Berner Fachhochschulen sitzt nicht mehr in einem ihrer grossen Schulgebäude. Das Heft 2/18 der «schulpraxis» widmete sich in lyrischen Tönen der Führungsideologie der Schulleitungen. Und Jürg Frick, einer der Experten, bemerkte darin: «Geleitete Schulen sind Standard. Adaptive Akzeptanz ist hier angesagt. Kann man sie nicht akzeptieren, muss man eine Schule oder ein Land suchen, wo es keine Schulleitungen gibt, oder eine eigene Schule gründen.»

Da kommen zur Kompetenzanmassung noch die Arroganz und der Ausschluss aller, die nicht spuren. Die öffentliche Schule ist den Lehrenden entwunden worden und unter die Ägide der Berater gefallen.

Beat Kappeler, Sozialwissenschaftler und Professor für Sozialpolitik am Hochschulinstitut für offentliche Verwaltung in Lausanne.