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Viel Vertrautes hat sich in der Corona-Krise in Luft aufgelöst. Dadurch wird aber auch bewusst, wie viel des Vertrauten sich verändert hat, besonders im sozialen Leben, wo alles immer temporeicher zu werden scheint.

 Zeit ist Geld. Der Grundsatz aus dem Frühkapitalismus spitzt sich zu. Zeit scheint immer wertvoller zu werden. Wer keine Zeit hat, gilt gesellschaftlich irgendwie als Gewinner. Wer jedoch über viel Zeit verfügt, hat den Beigeschmack eines Verlierers. Die Klage über den Zeitmangel ist zu einer Prestigeangelegenheit geworden. Aber jetzt in der Corona-Krise mit den Zwangsschliessungen wird den Menschen vor Augen geführt, dass bei dieser Betriebsamkeit und Hektik viele Illusionen im Spiel sind. Nun ist viel Zeit da, aber man weiss mit ihr oft nichts anzufangen. Die Medien sind voll mit Tipps, wie das plötzlich grosse Zeitbudget zu bewältigen sei. Eine gute Gelegenheit, über die selbstverordnete Beschleunigung in seinem sozialen Leben nachzudenken. Wozu diese rastlose Beschäftigung? Warum dieses ständige Optimieren des Optimums? Aber was soll da besser werden, wenn man sich zwanghaft in ein Hamsterrad begibt? Die Menschen arbeiten heute weniger als früher, haben durch technische Errungenschaften enorme Zeiteinsparungen gewonnen, zum Beispiel dank der Waschmaschine und der Abwaschmaschine. Und die Menschen leben bedeutend länger als früher, haben übers Ganze mehr Zeit zur Verfügung als je zuvor. Dennoch scheint die Zeit im sozialen Leben knapper denn je. Ausser jetzt während der Corona-Krise. Die Erfahrung, dass sich das Vertraute immer schneller verändert, gehört zum Menschsein. In den vergangenen Jahrhunderten wurde gleich empfunden, wie die Literatur dokumentiert. Da wird die Beschleunigung beklagt und der alten Ordnung nachgetrauert. Das zwingt zu dem Schluss, dass es sich nicht um die zur Verfügung stehende Zeit an sich handeln muss, sondern um den Umgang mit ihr, konkret um die Gewichtung. Es sind nicht die Rahmenbedingungen, die uns durch den Tag hetzen, sondern es sind die Bedeutungen, die wir ihnen beimessen. Jetzt, in der Corona-Krise, ist bei dieser Bedeutungsbeimessung viel durcheinandergeraten. Und da und dort erscheint es einem lächerlich, welches Gewicht man diesem und jenem bisher beigemessen hat. Denn jetzt macht man die Erfahrung, dass es ja auch ganz anders geht – ohne Verlust von guten Gefühlen. Im Gegenteil. Das ist die Chance der Massnahmen gegen die Verbreitung von COVID-19.