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Bella Italia für Daheim

In diesem Jahr ist aufgrund der COVID-19-Pandemie alles anders. Die wieder steigende Zahl der Neuinfektionen durchkreuzen Reisepläne nach Italien, das bei Schweizerinnen und Schweizern sehr beliebt ist. Deshalb bieten wir Ihnen im September eine Italien-Reise für den Kopf. Wir stellen Ihnen kleinere Orte vor, die in Italien berühmt aber im Ausland wenig bekannt sind oder in Vergessenheit gerieten. Begeben Sie sich Daheim auf eine Reise!

Ravello – Italienische Romantik

Terracina – an der Via Appia

Noto bei Siracusa

Unsere nächsten Stationen:

Bordighera an der italienischen Riviera

Ravello an der amalfitanischen Küste

Das Liebesnet am Hang

Die amalfitanische Küste ist eine der beliebtesten Destinationen in Süditalien. Oben am Berg klebt Ravello, das von den grossen Touristenströmen verschont bleibt. Für Kenner ist es aber das Juwel der Küste. Das wusste Greta Garbo oder Jacqueline Kennedy genauso wie Gore Vidal.

von Anton Ladner

 

«Hier erlebte die göttliche Greta Garbo im Frühjahr 1938, dem Lärm Hollywoods entkommen, mit Leopold Stokowski Stunden heimlichen Glücks», steht auf einer Erinnerungstafel beim Eingang der Villa Cimbrone in Ravello. Diese Liaison mit dem polnischen Komponisten interessierte damals trotz internationaler Spannungen die ganze Welt. In der Abgeschiedenheit der magischen Villa auf einem Fels verbrachte das Künstlerpaar die «schönsten Momente ihrer Liebe», wie die Beilage der neapolitanischen Zeitung Il Mattino damals mit einer Fotomontage dokumentierte. Reporter aus der ganzen Welt strömten nach Ravello, um einige Bilder von dem Paar zu schiessen, das die Welt in Atem hielt.

Die Villa Cimbrone kehrte in den 1950er-Jahren in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zurück – als Schauplatz im dritten Teil der Sissi-Verfilmungen. In «Schicksalsjahre einer Kaiserin» musste Sissi (Romy Schneider) eine Kur auf Madeira verbringen. Die Szenen wurden auf der Terrasse der Villa Cimbrone gedreht.

Zehn Jahre später wiederholte sich in Ravello ein Wettlauf der Reporter um Schnappschüsse, auf die die Welt wartete. Es war im Sommer 1962, als Jacqueline Kennedy, die First Lady der USA, Ravello für ihren Italienurlaub wählte. Der US-amerikanische Schriftsteller Gore Vidal, Cousin des späteren US-Vizepräsidenten Al Gore, hatte ihr Ravello vorgeschlagen. Seine Mutter war die einzige Tochter von Senator Thomas Gore und heiratete nach der Scheidung von Eugen Vidal den Börsenhändler Hugh Auchincloss, der wiederum Jahre später nach einer weiteren Scheidung die Mutter von Jacqueline Kennedy, Janet Lee Bouvier, ehelichte. Klingt kompliziert, deshalb einfacher: Gore Vidal und Jacqueline Kennedy hatten zeitverschoben den gleichen Stiefvater. Und Gore Vidal sorgte mit seiner offen gelebten Homosexualität in den USA für entsprechende Polarisierung.

Jacky kam mit ihren Kindern John John und Caroline in einem strahlenden Ravello an, drei Tage nach dem Tod von Marilyn Monroe, und verbrachte im Palazzo Episcopio drei Wochen.

In Ravello erhielt sie die Ehrenbürgerschaft während ihres Aufenthalts, der auch Gianni Agnelli, der Herrscher über Fiat, nach Ravello lockte. Er zeigte ihr die ganze Amalfiküste während zahlreicher Ausflüge. Jacky war 30 Jahre alt, schön und fuhr mit dem begehrtesten Mann Italiens in einem Fiat-Cabriolet zum Meer runter nach Conca dei Marini zum Wasserskifahren – ein Fest für die Reporter aus aller Welt. Sie mit Agnelli in der Bar San Domingo auf der Piazza Duomo in Amalfi war für die US-Medien schnell der Stoff für eine Romanze. Die Meldung, Agnelli und Kennedy seien ein Liebespaar, lockte noch mehr Paparazzi an die amalfitanische Küste und machte aus Ravello einen magischen Ort der grossen Leidenschaft alla Italiana. US-Präsident John Kennedy setzte dem Spektakel ein Ende und befahl seiner Frau, nach Washington zurückzukehren. 2005 machte Gore Vidal öffentlich, dass es damals mehr als nur ein Flirt zwischen Gianni Agnelli und Jacqueline Kennedy gewesen sei. Sie kehrte nie mehr nach Ravello zurück, Gianni Agnelli aber jedes Jahr bis 2001; er verstarb im Januar 2003.

Die nur zu Fuss oder per Esel zugängliche Villa Cimbrone, die 1904 auf den Mauern eines Palazzo aus dem 12. Jahrhundert von dem Briten Ernest Beckett, Baron Grimthorpe, auf dem Felsvorsprung errichtet wurde, ist heute ein kleines Luxushotel, das – wen wundert es – für Hochzeiten sehr beliebt ist. Die Tochter des Barons baute 1930 unterhalb am Felsen die Villa La Rondinaia. Gore Vidal und sein Lebenspartner Howard Austen kauften später das Anwesen. Nach Austens Tod verkaufte Vidal für 14 Millionen Euro die Villa an Vincenzo Palumbo, Spross der lokalen Hotelier-Familie, die zuvor Richard Branson, dem Gründer von Virgin, ihren Palazzo Sasso verkauft hatte. Zur Familie Palumbo gehört der Zweig Vuielleumier aus der Schweiz, der heute die Villa Cimbrone leitet.

Auch Branson hatte sich in Ravello verliebt und beschlossen, das baufällige Hotel Palazzo Sasso zu renovieren, wo in den 1950er-Jahren Ingrid Bergman und Roberto Rossellini ihren Rückzugsort hatten. Branson baute mit grossem Aufwand um und eröffnete 1997 ein Fünf-Sterne-Haus, das heute unter dem Namen Palazzo Avino betrieben wird. Ein Liebhaberobjekt und kaum ein Renditehotel.

Auch die berühmte Villa Rufolo mit ihren wunderbaren Gärten und einer atemberaubenden Sicht aufs Meer hatte einen Sponsor. Der Schotte Francis Neville Reid verliebte sich in den zauberhaften Ort und kaufte die halbverfallene Villa Rufolo 1851, um sie umfassend zu erneuern. 1880 fand Richard Wagner in den prächtigen Gärten der Villa Rufolo die Inspiration für das Bühnenbild des 2. Aktes seiner Oper Parsifal (Klingsors Zaubergarten). Seit 1953 findet jährlich das Ravello Festival zu Ehren von Richard Wagner statt, ein Anlass mit viel Prestige in Italiens Musikwelt. Dass Ravello einen einzigartigen Zauber hat, erklären auch die vielen Spuren von Adelsfamilien, die dort zeitweise lebten und Palazzi hinterliessen.

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Video-Stadtrundgang durch Ravello

Küstenstadt Terracina an der Via Appia

Unverdorben und verschont

Bei Terracina, an der Küste zwischen Rom und Neapel, liegt die grösste Düne von Italien im Nationalpark Circeo, der erste des Landes. Die wunderbare Gegend hatte Mussolini so fasziniert, dass er die Pontinische Ebene hinter der Düne trockenlegen liess, um die Retortenstadt Sabaudia, die faschistische Idealstadt, zu errichten.

von Anton Ladner

 

Römer wie Neapolitaner haben das gleiche Problem. In den heissen Monaten können sie im Meer vor ihrer Haustür keine Abkühlung finden. Während sich die Wasserqualität entlang der Panoramastrasse von Neapel verbessert hat, musste die Umweltorganisation Legambiente vergangenen Juli für die Küste von Rom erneut eine Warnung veröffentlichen: «Das Wasser in Fregene und Fiumicino ist stark verschmutzt.» 120 Kilometer südlich von Rom und 100 Kilometer nördlich von Neapel präsentiert sich ein ganz anderes Bild. Seit vier Jahren in Folge wird Terracina eine gute Badewasserqualität attestiert. Die Wasserprobe hat in dieser kleinen Küstenstadt ebenfalls die Legambiente entnommen und ausgewertet.

Terracina bietet nicht nur ein sauberes Meer, sondern auch einen breiten Strand und eine äusserst malerische Altstadt, durch die seit 312 v.Chr. die Via Appia führt. Terracina ist in Italien bekannt, aber im Ausland sonderbarerweise kaum, obschon sie neben ihrer wunderbaren Lage gleich um die Ecke ein Naturspektakel bietet. Dadurch blieb Terracina vom internationalen Massentourismus verschont und hat heute noch den ursprünglichen Charme. Oben auf dem Hausberg Sant’Angelo ragt der Tempel des Jupiter Anxur, der über die einzigartige Natur dieser Gegend zu wachen scheint. Denn hinter dem Lido di Ulisse und dem Lido Azzurro beginnt der 1934 begründete Nationalpark Circeo, der erste Italiens. Hier soll Odysseus auf seiner Irrfahrt der Magierin Kirke, italienisch Circe, begegnet sein. Daher rührt der Name des Nationalparks Circeo. Doch ihre Gastfreundschaft war vorgetäuscht, denn sie vergiftete Odysseus‘ Begleiter und verwandelte sie in Schweine. Hermes aber griff ein, das Schweineleben blieb ihnen erspart. Vom Picco di Circe, mit 541 Meter der höchste Punkt im Nationalpark Circeo, offenbart sich im Norden die einzigartige Landschaft dieses Küstenstreifens.

Man blickt herunter auf die Sanddüne von Sabaudia, die längste von Italien, hinter der sich fünf Seen gebildet haben. In dieser wunderbaren Dünenlandschaft stehen zwei hübsche Hotels ganz in Weiss, was man noch nachvollziehen kann. Weniger jedoch die Villen von Filmproduzenten, Schauspielern und Grössen aus dem Modebusiness wie Giorgio Armani oder Intellektuellen wie früher Alberto Moravia und Pier Paolo Pasolini. Wie ist das möglich in einem Nationalpark? Ein italienisches Rätsel. Aber auf der Düne finden jeden Sommer «Blitz dei Carabinieri» statt, Razzien wegen illegaler Bauaktivitäten. Da wird ein Geräteschuppen, der zu einem luxuriösen Studio mit Bad und Küche umgebaut wurde, versiegelt, ein illegaler Swimmingpool hinter den Oleanderbüschen als Tatbestand protokolliert, eine illegale Terrasse mit freier Sicht aufs Meer gesperrt. Die Zeitungen berichten jeweils genüsslich über die Verstösse der Reichen aus Rom, Mailand und Turin. Die Düne ist immer wieder Gegenstand von Missbräuchen, was natürlich mit der Einzigartigkeit der Natur zusammenhängt. Wer hier im Sand der Wasserlinie entlangspaziert, fühlt sich nicht in Italien, sondern irgendwo in der Karibik oder in Australien. Am Abend darf jedoch nach dieser Einsamkeit gerne die Italianità zurückkehren, die gleich um die Ecke das unverdorbene Terracina bietet. Denn die Retortenstadt Sabaudia hinter der langen Düne lockt nur Architekturbegeisterte an.

Die Stadt wurde unter der Regie von Benito Mussolini kompromisslos im Stile des italienischen Rationalismus geplant und nach nur 13 Monaten Bauzeit 1934 eingeweiht. Sabaudia galt deshalb als faschistische Idealstadt, was damals mit propagandistischem Aufwand gefeiert wurde. Zuvor hatte Mussolini die Paludi Pontine, das riesige Sumpfgebiet, trockenlegen lassen, was ein nationales Prestigevorhaben war. Da die Römer früher die Wälder in den Berge schonungslos abholzen liessen, wurde die Pontinische Ebene geflutet und als Sumpfgebiet während Jahrhunderten unbewohnbar. Zahlreiche Absichten, das Gebiet trockenzulegen, blieben ohne konkrete Taten – bis der Duce die Macht übernahm.

Das Retorten-Ensemble von Rathaus, Kirche, Busbahnhof und Wasserturm ist in Sabaudia fast unverändert bis heute erhalten geblieben, was Tagestouristen anzieht. Aber nur das Postamt von Angelo Mazzoni, ein Paradebeispiel der italienischen Moderne, weckt auch bei Betrachtern Interesse, die sich nicht für Architektur interessieren. Abends gehört Sabaudia jedoch wieder ganz den Einheimischen. Da wandeln sich die schmucklosen Bauten des Faschismus zu einer unheimlichen Kulisse, der man als Tourist gerne nach Terracina entflieht.

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Video-Stadtrundgang durch Terracina

Noto bei Siracusa

Spätbarock, wohin das Auge blickt

Das Val di Noto auf Sizilien ist kein Tal, sondern ein ehemaliger Verwaltungsbezirk der Sarazenen und seit 2002 UNESCO-Weltkulturerbe. Es vereinigt einzigartige Barockstädte, eine davon ist Noto. Der Reichtum an Kirchen und Palazzi ist in Noto so gross, dass sich jeder Besucher fragt, wie das möglich wurde.

von Anton Ladner

In Italien liebt man Superlative. Im Falle von Noto kann man aber nur zustimmend nicken, wenn von «extremer Schönheit» die Rede ist. Das Staunen erfährt eine Steigerung, wenn man erfährt, dass die Kleinstadt trotz schwieriger Topografie nach dem Erdbeben von 1693 noch schöner in acht Kilometer Entfernung wiederaufgebaut wurde – offensichtlich von Superlativen getrieben. Für die Rekonstruktion holte der Duca di Camastra Giuseppe Lanza berühmte Architekten, die fast alle in Rom ausgebildet wurden und einen honigfarbigen römischen Barock im südsizilischen Städtchen aufleben liessen. Von den Sizilianern Neas, von den Griechen Neaton und von den Römern Netum genannt, gaben die Araber dem Ort den Namen Noto. Im Arabischen hat er die gleiche Bedeutung wie im Italienischen – bekannt, berühmt, und dabei blieb es bis heute.

Entlang dem Corso Emanuele reiht sich in Noto ein Prachtbau an den anderen. Jedes Mal, wenn sich am Corso ein Platz öffnet, denkt man als Besucher, das sei es nun gewesen. Aber es geht weiter mit den Prachtbauten am Corso und dabei kommt der Eindruck auf, sich irgendwie in einer Theaterkulisse zu bewegen. Nach der Kathedrale, dem Palazzo Ducezio, dem Palazzo Landolina, der Chiesa di San Carlo öffnet sich eine weitere Piazza mit der Fontana d‘Ercole, dem Teatro Comunale, der Chiesa San Domenico. Geht man rechts eine Seitengasse hoch, kommt man in die Parallele zum Corso Emanuele, wo es auch im gleichen Stil weitergeht. Giovanni Battista Landolina hat die Stadt mit drei parallel verlaufenden Hauptstrassen konzipiert, die mit Querstrassen verbunden sind. In diesem Strassennetz befinden sich 31 Kirchen, was natürlich mit einer Vielzahl von prächtigen Klöstern in Verbindung steht. Am Benediktinerkloster San Salvatore wurde zum Beispiel das ganze 18. Jahrhundert hindurch gebaut.

 

Um zu verstehen, wie ein solcher architektonischer Reichtum entstehen konnte, ist ein kurzer Blick auf die Geschichte Siziliens notwendig. Sizilien war damals von Spaniens Bourbonen regiert, aber arg vernachlässigt. 1713 ging Sizilien aufgrund des Spanischen Erbfolgekrieges an Savoyen über, das nach sieben Jahren Sizilien den Österreichern im Tausch gegen Sardinien überliess. 1735 übernahmen die Spanier wieder die Macht und machten Neapel zur Residenzhauptstadt. Nach der Eroberung Neapels durch Napoleon zog sich König Ferdinand nach Sizilien zurück, um sich 1815 Neapel wiederzuholen und 1816 das Königreich beider Sizilien zu schaffen. Im Windschatten dieser ständigen Machtwechsel wurde der Süden Siziliens von einer aristokratischen Oberschicht beherrscht. Die sizilianischen Adelsfamilien lebten gut von der reichen Landwirtschaft und unternahmen alles, um ihrer Macht mit reichen Schaufassaden ihrer Bauten Ausdruck zu verleihen. Dazu gehörten natürlich auch die Förderung religiöser Orden und die Unterstützung der Kirche. Der Spätbarock von Noto spiegelt die soziale Machtstruktur von damals. Die lokale Oberschicht baute sich ihre eigene Stadt mit jeweils prunkvollen Fassaden und einem noblen Theater, um sich zu zeigen und vor allem gesehen zu werden. Gleiches gilt für die benachbarten Städtchen Modica, Scicli und Ragusa, die alle beim Erdbeben 1693 ebenfalls zerstört wurden und aufgrund des Wiederaufbaus im Spätbarock auch zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. In Ragusa entstand im Rahmen des Wiederaufbaus ein zweiter Stadtteil auf einem etwas höher gelegenen Felsplateau im Westen, der heute das wirtschaftliche Zentrum bildet und in alten Palazzi über romantische Hotels verfügt (zum Beispiel das Antica Badia Relais mit intakten Salons von damals). Da man die Bezeichnung Ragusa superiore und Ragusa inferiore nicht ertrug, nannten die Einwohner den historischen Teil fortan Ibla, weil ursprünglich die von den Sikelern gegründete Siedlung Hybla hier lag. In Ragusa Ibla führt der Corso zur prachtvollen Chiesa San Giorgio, die alles überragt. In der Nacht versinkt der Corso mit den zahlreichen Restaurants in einen Goldschimmer, der die Besucher in eine andere Welt entrückt. Diese Gefühle stellen sich auch in der Nachtkulisse von Modica und Scicli ein.

Scicli und Ragusa bringen Italien aber auch aus einem andern Grund zum Träumen. Die Städtchen bilden den Hintergrund zur Fernsehserie «Montalbano», in der ein unermüdlicher Commissario Salvo Montalbano mit viel Sinn für Psychologie im Fantasieort Vigàta die zahlreichen Mordfälle löst. Im Rathaus von Scicli, das in der Fernsehserie als Kommissariat dient, ist eine fixe Kulisse aufgebaut, die besichtigt werden kann, was sich zu einem lukrativen Geschäft für die Gemeinde entwickelt hat. Commissario Montalbano, ein schwieriger Typ, der mit seiner Freundin in Genua eine konfliktbeladene Beziehung pflegt, wohnt direkt am Sandstrand mit einer Terrasse, auf der er in jeder Serie Kaffee trinkt, das Abendessen einnimmt oder einfach auf das herrliche Meer blickt und auf eine Eingebung wartet. Das Haus ist in Wirklichkeit eine Pension in Punta Secca, das von Montalbano-Touristen ziemlich belagert wird. Im benachbarten Donnalucata, wo für die Serie jeweils auch regelmässig Szenen gedreht werden, ist es bedeutend ruhiger (im Hotel Acquamarina auf einem Fels am Wasser kann man wie Montalbano zum Wellengang schlafen und von der Terrasse aus übers Meer blicken). Das Meer ist hier teilweise karibikartig schön, unverbaut und irgendwie wie vor 50 Jahren. Manchmal kommt in dieser Serie auch das Castello di Donnafugata vor, ein Sommerschloss zwischen Ragusa und Marina di Ragusa, das auch Kulisse für den grossartigen Visconti-Film Il Gattopardo mit Claudia Cardinale, Alain Delon und Burt Lancaster war. Der Commissario Montalbano ist in Italien so beliebt, dass Ragusa, Scicli, Punta Secca, das Castello Donnafugata etc. zu jeder Jahreszeit italienische Besucher anziehen. Im Sommer in Punta Secca im Meer zu schwimmen, auf das Montalbano jeweils blickt, ist in Italien eine Art Leistungsausweis geworden. Denn Montalbano ist heute Teil der sizilianischen Kultur, wohl auch weil ihm das Essen fast so wichtig ist wie die Arbeit. Er liebt neben Pasta und Fritto misto besonders die Arancini di riso, panierte und frittierte Reiskugeln gefüllt mit Köstlichkeiten, die es im Süden Siziliens überall zu kaufen gibt. Sie schmecken tatsächlich immer fantastisch, zum Beispiel mit einem Glas Nero d’Avola, ein Wein aus einem Gebiet zehn Kilometer von Noto entfernt. Geschaffen hat die Figur Montalbano der Schriftsteller Andrea Camilleri, der 1925 etwa 60 Kilomater westlich von Punta Secca geboren wurde. Camilleri ist vor einem Jahr verstorben und zählt zu den ganz grossen Schriftstellern Italiens. Seine Kriminalromane mit Commissario Montalbano wurden in 30 Sprachen übersetzt und machten ihn international bekannt. An den Fernsehserien hat er jeweils persönlich mitgewirkt, da sie sich teilweise von den Büchern unterscheiden. Die Fernsehserien sind besonders in Japan beliebt, was erklärt, warum auch Japaner das entfernte Scicli aufsuchen. Camilleri hat mehr als 100 Bücher geschrieben und ist eine kritische Stimme in der italienischen Gegenwartsliteratur. Seine Krimis heben sich deutlich ab von anderen, weil er immer unterscheidet zwischen Recht haben, Recht bekommen und moralischer Gerechtigkeit. Und sie unterscheiden sich auch dadurch, dass in seinen Werken eine grosse Liebe für Sizilien mitschwingt. Das vermag auch die Fernsehserie Montalbano gut zu vermitteln. Wer das Val di Noto besucht hat, kann diese Liebe bestens nachvollziehen. Denn auch er hat sich in diese Gegend verliebt.

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Video-Stadtrundgang durch Noto 

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