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Das Licht der Weihnachten

 

Die Weihnachtsgeschichte handelt von einem einmaligen Ereignis, das von der wundersamen Geburt Jesu und deren Bedeutung für die Christen berichtet. Zugleich ist sie eine Geschichte, die sich immer wiederholt. Ein unverheiratetes Paar in finanziell schwieriger Situation und mit unsicherer Vaterschaft des Mannes erwartet in politisch turbulenten Zeiten sein erstes Kind. Dieses wird im beruflichen Umfeld von Hirten geboren, die sich als Tagelöhner durchschlagen müssen. Ähnlich geht es heute vielen Kurzarbeitenden und Arbeitslosen in der COVID-19-Pandemie.

 

Die drei Weisen aus dem Morgenland suchen auf ihrem Weg und Umweg nach dem Sinn ihres Lebens und der Welt. Dafür steht der Stern. Allen gemeinsam ist die Erkenntnis, dass unser Leben mehr als die Summe dessen ist, was wir planen, schaffen und tun können. Das macht auch die Faszination des Weihnachtsfestes aus meiner eigenen Erfahrung mit Nichtchristen aus. Man nimmt sich Zeit für das wirklich Wichtige im Leben. Fast alle Religionen kennen Lichterfeste zu dieser Jahreszeit.

 

Feste haben für die meisten Menschen, ob religiös oder säkular, eine wichtige Funktion im Leben. Feste sind sozusagen Fenster in eine Welt, wie sie sein könnte und sollte, verbunden mit Sehnsucht, Hoffnung und Zuversicht. Weihnachten hat deshalb eine Bedeutung über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg, gerade im Zeitalter der COVID-19-Pandemie, wo alles anders ist. Jede und jeder von uns ist besorgt um sich selbst, die Familie, Freunde, Mitmenschen, angesichts der persönlichen, gesundheitlichen und finanziellen Dimensionen der Pandemie. Das Bedürfnis nach Kontakt und danach, mit jemandem reden können, ist gross. Hier haben Kirchen und Religionen eine besondere Aufgabe. Sie suchen auf neuen Wegen die Menschen anzusprechen und zu unterstützen. Die Seelsorge wird wichtiger denn je. Diese sinnstiftende Rolle kann der Staat nicht leisten. Weihnachten ist ein interreligiöses Fest der Hoffnung und der Beziehungspflege.

 

Fast allen Religionen eigen ist auch der Glaube an die Ewigkeit. Geburt und Tod gehören zusammen. Wie eine Gesellschaft mit dem Tod und Sterben umgeht, ist von grosser Bedeutung. Weihnachten während einer Pandemie, die auf der ganzen Welt unzählige Todesopfer fordert, ist eine besondere Herausforderung. Vor und während eines Festes, mit dem wir eine Geburt feiern wollen, werden wir vom Tod überrollt, den wir sonst gerne verdrängen. Die meisten Religionen kennen den Brauch des Totengedenkens, der bei aller Trauer auch immer auf die Ewigkeit beziehungsweise das Licht hinweist. Wir können Kerzen aufstellen für die Menschen, die wir durch COVID-19 verloren haben. Weihnachten 2020 ist Weihnachten im Krisenmodus, aber trotzdem Licht.

 

Bischof Harald Rein, Vorsitzender des Schweizerischen Rates der Religionen.

 

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