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«Gehweg» oder «Geh weg»?

Anfang Jahr war ich in Berlin. Es war eine besondere Erfahrung – immerhin hatte ich in dieser Stadt einmal gelebt. Zum ersten Mal nach 14 Jahren begab ich mich wieder in die Stadt, in der ich damals während meines einjährigen Aufenthaltes als 25-Jährige neue Freundschaften geschlossen hatte. Eben diese alten Freunde ging ich besuchen. Es war sehr beruhigend zu sehen, dass man sich auch nach 14 Jahren noch gut versteht. Alles war wie früher – nur dass selbstverständlich alle etwas älter und reifer geworden sind. Abgesehen davon fühlte es sich an, als wäre ich gar nie fort gewesen.

Das galt nicht nur für meine Freunde. Es gab auch sonst so viele Dinge in Berlin, an die ich lange nicht gedacht hatte und an die mich nun wieder erinnerte. Zum Beispiel gibt es da dieses Schild mit der Aufschrift: «Gehweg». Bei uns in der Schweiz heisst das Trottoir. Und eigentlich ist an «Gehweg» auch nichts auszusetzen. Aber in Berlin – der Stadt, aus der die berüchtigte Berliner Schnauze stammt und deren Bewohner dafür bekannt sind, unfreundlich zu sein – in dieser Stadt, bekommt ein solches Schild, finde ich, eine ganz andere Bedeutung. Man könnte es nämlich auch als «Geh weg!» verstehen – und irgendwie passt das doch viel besser zum Ruf von Berlin.


Florencia Figueroa

 

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