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Der Kampf um den Tabak

Heute sterben in der Schweiz jährlich 9500 Personen – jede Stunde eine – an den direkten Folgen des Rauchens. Das sind fast dreimal so viele Todesfälle wie durch Unfälle und Gewalttaten. Um dies zu ändern, haben diverse Gesundheitsorganisationen die Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung» lanciert. Ziel der Initiative ist es, Kinder und Jugendliche aus der Schusslinie des Tabakmarketings zu nehmen, vor allem durch Einschränkung der Werbung und des Sponsorings.

Jedes Jahr am 31. Mai macht die WHO mit dem Welttag ohne Tabak auf die sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums aufmerksam. Thema des diesjährigen Welttags war «Tabak und Lungengesundheit», denn Rauchen ist die Hauptursache für viele gravierende Lungenerkrankungen wie Lungenkrebs, Bronchitis und die chronisch obstruktive Lungenkrankheit COPD. Kinder, die Passivrauch ausgesetzt sind, leiden häufiger an Asthma, Lungenentzündung und Bronchitis. Dank den 2003 bis 2010 in der ganzen Schweiz eingeführten Rauchverboten in öffentlichen Räumen (z. B. Restaurants) hat sich zumindest die Zahl der Personen, die mindestens eine Stunde pro Tag unfreiwillig Tabakrauch ausgesetzt sind, von 35 Prozent im Jahr 2002 auf 6 Prozent im Jahr 2017 verringert.

Gleichzeitig stagniert der Anteil der Raucherinnen und Raucher in der Schweiz seit 2011 bei hohen 27 Prozent, viele beginnen im Jugendalter zu rauchen. Der letzte «grosse Erfolg», neben dem Passivrauchschutz, war 2010 die Einführung der Warnhinweise mit Text und Bild für Zigarettenschachteln. Krankheiten lassen sich nie mit Sicherheit verhindern. Doch der Verzicht auf das Rauchen ist die wirksamste vorbeugende Massnahme gegen Krebs, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen.

Die Tabaklobby und ihre Vertreter im Parlament betonen die Freiheit und die Selbstverantwortung der Konsumierenden. Gleichzeitig investieren die Konzerne Millionen in die Werbung, um junge Leute zum Rauchen zu animieren. Diese Doppelmoral darf nicht länger hingenommen werden. Wenn die hohe Zahl an Raucherinnen und Rauchern gesenkt werden soll, dann braucht es griffige gesetzliche Massnahmen im neuen Tabakproduktegesetz. Ursprünglich wollte der Bundesrat Werbeverbote für Tabakprodukte einführen, welche unter anderem Plakate, Print- und Onlinemedien miteinschloss. Doch die bürgerliche Mehrheit im National- und Ständerat sträubte sich gegen diese – im europäischen Vergleich – moderaten Vorschläge und wies den Entwurf 2016 zurück. In der neuen Vorlage, die 2018 dem Parlament überwiesen wurde, fehlen die meisten der einst vorgeschlagenen griffigen Massnahmen. Aus diesem Grund wurde die Volksinitiative lanciert.

Seit Jahren fordert die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz die Einführung eines umfassenden Werbe-, Sponsoring- und Promotionsverbots in der Schweiz. Sie wird dabei von zahlreichen Organisationen und Verbänden unterstützt – und auch von der Bevölkerung. Umfragen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ein Werbeverbot für Tabakprodukte befürwortet.

Bruno Meili ist Präsident der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz und ehem. Präsident der Eidgenössischen Kommission für Tabakprävention EKTP.