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«In der Ruhe und im Vertrauen steckt Eure Kraft»

Wie kommen Sie zur Ruhe, liebe Leserin, lieber Leser?

In dem Chaos, in dem wir uns im Moment befinden, wo finden Sie da Ruhe? Wenn Sie im Wald spazieren, Ihre Muskeln brauchen und schwitzen? Wenn Sie einen warmen Pullover für den Winter stricken? Oder vielleicht, warum auch nicht, wenn Sie beten? Beten kann ich immer und überall – auch mit Maske. Ich lege meine Hand aufs Herz, atme ein, atme aus und atme auf. Ich richte mich auf Gott aus, lausche und warte.

 

Ruhe finden im Beten? Wozu soll das gut sein? Ab und zu brauche ich Ruhe, um Vertrauen in das Leben zu empfinden, so wie es heute ist. Wir leben in unruhigen Zeiten. Ein Virus dringt in unser Leben − verunsichert und macht Angst. Jeden Tag ein bisschen mehr. Das Eis im Polarmeer schmilzt, wird kleiner und kleiner. Die Berge geraten in Bewegung: Steine und Felsen donnern in die Täler. Millionen von Menschen sind auf der Flucht und suchen ein neues Zuhause. Wir leben in unruhigen Zeiten und laut sind sie auch.

 

Vom Anfang unseres Lebens bis zu seinem Ende werden wir überflutet von Geräuschen: Maschinen, Apparate und Mobiltelefone, Stimmen, Hintergrundmusik, Kommentare, Fahrzeuge … Und sogar auf dem schönen Piz Mezdi im Unterengadin saust mir ein Flugzeug über den Kopf.

 

Zur Ruhe zu kommen, das scheint mir, gerade in diesen Tagen, wesentlich. So wesentlich wie vor mehr als 2000 Jahren. Damals rief der Prophet Jesaja dem Volk Israel – mitten im Chaos – zu: «In der Ruhe und im Vertrauen steckt Eure Kraft» (Jesaja 29,15b). In der Ruhe halte ich Angst und Ohnmacht aus. In der Ruhe finde ich Kraft. Diese Erfahrung ist uralt. Sie ist biblisch. Die Bibel erzählt immer wieder von der Ruhe und der Stille als einem möglichen Ort für einen neuen, kraftvollen Anfang.

 

Kürzlich fuhr ich mit dem Zug von Landquart nach Zürich. Der Zug war gut besetzt. Es piepste und brummte, plauderte und schwatzte … Kein Ort der Stille. Aber was soll’s? So ist es nun einmal zurzeit. Wenn ich also im Aussen keine Ruhe finde, so vielleicht doch im Innern? Beten kann ich immer und überall – auch im überfüllten Zug und mit einer Maske im Gesicht. Ich kann meine Hand aufs Herz legen, einatmen, ausatmen, aufatmen, mich auf Gott ausrichten, lauschen und warten … Und dann packe ich die Herausforderungen an, derer im Moment gar viele sind.

 

Chatrina Gaudenz, Pfarrerin in Zürich Fluntern und Mitglied des Teams «Wort zum Sonntag» von Fernsehen SRF

 

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