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Christoph Adrian Schneider
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Mein achtsamer Blick:

 

Christoph Adrian Schneider,
Psychologe und Präsident
Schweizerischer Berufsverband für Angewandte Psychologie 

 

Eines meiner Lieblingsrestaurants in Bern wirbt mit grossen Lettern sein «Valentines-Day Sterne-Dinner» an, zum Abholen. Es sei mit wenigen Handgriffen in 20 Minuten zu Hause genussfertig. Kein Zweifel, etwas muss man einigen Gastrobetrieben in diesen bewegenden Monaten lassen: Sie stecken ihre Köpfe nicht in den Sand, sondern überlegen sich innovative Lösungen mit angepassten Angeboten. Doch ganz ehrlich: Ist ein vorfabriziertes «Home-Dinner» wirklich des grossen Freudentags der Liebe würdig? 

Viele unter uns, die sich den 14. Februar dick in der Agenda eingetragen haben, ob als Überraschung oder geplant mit ihren Liebsten, stehen dieses Jahr vor einer leider schon bekannt gewordenen Herausforderung. Wo und wie wollen wir diesen Tag, der für die Liebe zwischen zwei Menschen steht, denn feiern? Oder fällt der Valentinstag wie so vieles dieses Jahr einfach ins Wasser? 

In diesen Monaten sind wiederkehrende und bekannte Rituale für viele Menschen in unserer Gesellschaft ganz wichtig geworden und haben an Bedeutung gewonnen. Die Erinnerung an vergangen Jahre, an damals, als noch alles möglich war. Zusammen während eines romantischen Abends bei Kerzenlicht mit Vier-Gang-Dinner die ewige Liebe schwörend – ja, damals war das noch möglich. Die Gedanken an solch einen Moment brennen sich tief in unser Gedächtnis ein, da sie oft mit positiven wie starken Emotionen verbunden sind. Die persönliche Erfahrung durch dieses Ereignis kann sich für ein Individuum wie eine Belohnung anfühlen, etwas Zusätzliches im Alltag, das sich frühzeitig ankündigt und herbeigesehnt wird. Alle diese Umstände lassen die Feierlichkeiten rund um solch einen Tag verstärkt im Erleben wahrnehmen und man freut sich insgeheim auf eine Wiederholung dieser wohlwollenden Gefühlsreise.  

In diesem Jahr wird es durch die Corona-Pandemie zu einer weiteren Verstärkung kommen, wenn man unter den geltenden Schutzmassnahmen diesen Tag zu einem einmaligen Erlebnis machen will. Kreativität wird gefragt sein. Die Liebespaare oder solche, die es noch werden wollen werden sich überlegen müssen, wie sie diesen Tag der Liebe für sich zu einem stimmigen wie genussvollen Moment machen wollen. Sich auf die Take-away-Angebote stürzen oder in eigener Regie zu Hause ein Lieblingsgericht herzaubern? Der Umstand der doch winterlichen Temperaturen wird sicherlich einige Verliebte nicht davon abbringen, die Freiluft-Variante zu wählen und irgendwo draussen auf das Glück anzustossen. 

Wahre Liebe kennt bekanntlich keine Grenzen. So bin ich überzeugt, dass viele Paare diesen Tag – mit den und gerade wegen der aktuellen Umstände für sich stimmig und freudig erleben werden. Dieses Teilen und Ausprobieren von neuen Ideen und das Finden von gemeinsamen kreativen Lösungen können für das weitere Beziehungsglück sicherlich auch zu vielen positiven Impulsen führen. Happy Valentine’s Day! 

 

*In dieser Rubrik wirft jede Woche eine prominente Persönlichkeit einen achtsamen Blick auf die Schweiz und beschreibt aus ihrer Sicht, was zählt. Diese Meinung muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.

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