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Christoph Kamber
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Mein achtsamer Blick:

 

Christoph Kamber
Präsident von EXPO EVENT

Über den Wert des echten Zusammenkommens

Vor rund einem Jahr liess der Bundesrat die Bombe platzen Verbot von Grossveranstaltungen waren Realität. Ein bisher nur in Wuhan bekanntes Virus klopfte an die Tür der Schweiz. Der anfängliche Unglauben schlug um in die Frage, was das Virus effektiv bedeutet und welche Auswirkungen es für die Branche haben könnte. Ein noch nie dagewesenes Szenario lähmte die Veranstaltungsbranche und traf sie völlig unvorbereitet. Noch nie in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte musste zu solchen Mitteln gegriffen werden. Die Ausrufung der «ausserordentlichen Lage» und die damit einhergehenden Restriktionen mussten in einem ersten Schritt eingeordnet werden. Die Medien überboten sich mit Hiobsbotschaften und mit der Teilmobilmachung der Armee wähnte man sich im Film Armageddon mit Bruce Willis. Katastrophe total!  

In der Folge wurden Selbstverständlichkeiten wie der Gang ins Restaurant, der Kino– oder Konzertbesuch, der Einkauf und viele weitere Tätigkeiten rigide eingeschränkt oder verboten. Die Angst vor dem unbekannten Virus und einer möglichen Ansteckung dominierte die Gedanken und ermöglichte es, dass sich die ganze Gesellschaft solidarisch an die strikten Verbote hielt.  

Nach dem ersten Schock begann man in der Veranstaltungsbranche langsam zu verstehen, was die neue Situation für die eigenen Unternehmen bedeuten könnte. Waren die Auftragsbücher Anfang Januar 2020 noch prall gefüllt, trudelte beinahe im Tagesrhythmus Absage um Absage ins Haus. In Rekordzeit lösten sich beinahe alle, hart erarbeiteten Aufträge in Luft auf und die ganze Branche stand vor dem Nichts. Jahrelange Aufbauarbeit war gefühlt in zwei Monaten zunichtegemacht worden. Ein Tempo, welches alle überfordert hat. Pure Verzweiflung machte sich breit.  

Wie sehr hat sich doch unser Leben verändert. Einige gewinnen der erzwungenen Entschleunigung auch Positives ab. Sie geniessen die Stille und sehen den Bruch als Chance für einen neuen, anderen Lebensstil. ZOOM und Co. gehen durch die Decke und machen einen dreissigfach (!) höheren Gewinn als geplant. Home-Office, von vielen Chefs bisher verpönt, wird quasi zur Pflicht und funktioniert. Alles spricht von der Digitalisierung und neue Angebote fluten den Markt. Das Nachsehen hat die Branche, welche sich um das echte (live) Zusammenkommen der Menschen gekümmert hat. Das ist verboten und nicht erwünscht. 

Aber sind wir doch mal ehrlich. Ich kenne persönlich niemanden, der sich das «neue Normal» nur noch mit digitalen Kontakten wünschen würde. Die echte Begegnung bietet so viel mehr als ein Meeting vor dem Computer. Die Serendipität, also das Finden oder Erleben von eigentlich nicht Gesuchtem, ist im Netz gesteuert durch Algorithmen aufgrund der digitalen Datenspur, die wir hinterlassen. An einem Live-Event ist sie gesteuert von Intuition und Bauchgefühl und macht das Erlebnis echt und selbstgesteuert und somit viel wertvoller 

Die «digital fatigue» ist das neue Schlagwort und bezeichnet die Müdigkeit der Gesellschaft, sich nur über die digitalen Kanäle auszutauschen. Viele erkennen den Wert der echten Begegnung erst jetzt, wo sie verboten ist, und sehnen sich nach dem echten Austausch in der realen Welt. Zum Glück …!

Homeoffice
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Christoph Kamber ist Präsident der EXPO EVENT Swiss Livecom Association.  

 

 

*In dieser Rubrik wirft jede Woche eine prominente Persönlichkeit einen achtsamen Blick auf die Schweiz und beschreibt aus ihrer Sicht, was zählt. Diese Meinung muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.

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