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Der Wert der Schule

Ich sitze im Homeoffice – ist ja auch gerade nicht viel anderes möglich: Wir befinden uns nämlich mitten im nationalen Lockdown der aktuellen Covid-19-Krise. Veranstaltungen, Meetings, Sitzungen sind abgesagt, Coiffeursalons, Geschäfte und Restaurants sind geschlossen – die Schulen übrigens auch.

Nein, ich habe nicht vor, über das Coronavirus zu schreiben, das wurde und wird bereits zur Genüge getan, aber ich kann den jetzigen (Ausnahme-)Zustand, der uns Schweizerinnen und Schweizer zurzeit vorwiegend beschäftigt, als Anlass nutzen, um über den Wert unserer Volksschule und der Bildung in unserem Land nachzudenken.

Die Schweiz kann sich glücklich schätzen, über ein hervorragendes, qualitativ hochstehendes und durchlässiges Bildungssystem zu verfügen, in welchem Lehrerinnen und Lehrer den Auftrag haben, junge Menschen ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechend zu fördern. Kinder mit unterschiedlicher Herkunft, Leistungsstärke, Kultur und Religion kommen in der Schule zusammen, um gemeinsam und auch miteinander fürs Leben zu lernen. Unsere Schule ist also auch – nebst dem Erlernen von Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen – eine Vorbereitung auf das spätere soziale Leben. Denn die Schule vermittelt laufend Werte wie Toleranz und Rücksichtnahme gegenüber anderen, das Üben von Verantwortlichkeit und Sich-Einfügen in eine Gruppe, Hilfsbereitschaft, Gemeinschaft, Miteinander, Spontaneität und, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen. Werte also, die auch im späteren Leben eine zentrale Rolle spielen, deren Erlernen unsere Kinder und Jugendlichen auch für ihre Zukunft stark macht und ohne die man in einer Gesellschaft nur schlecht bestehen kann.

Als Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz ist es mir ein grosses Anliegen, dass diese zentralen Aufgaben der Schule wieder vermehrt ins Bewusstsein unserer Gesellschaft rücken, um die Schule nicht nur als obligatorische Station der Wissensvermittlung zu sehen, sondern auch als einen Ort, wo soziale Intelligenz im Einklang mit dem Wissenserwerb gelebt wird.

Und auch wenn man den Auswirkungen, die das Coronavirus mit sich gebracht hat, nichts Gutes abgewinnen kann, wird die Erfahrung der flächendeckenden Schulschliessungen – so hoffe ich jedenfalls – doch einen nachhaltigen Effekt mit sich gebracht haben: die Erkenntnis nämlich, welch wichtige Funktionen die Schule in unserer Gesellschaft übernimmt, die per Videochat oder Online-Plattform nicht vermittelt werden können. Und auch wenn die oben beschriebenen Werte in vielen Familien bereits einen hohen Stellenwert haben, fehlen in «Coronavirus-Zeiten» den Kindern und Jugendlichen trotzdem eine wichtige Struktur und ein elementarer Inhalt in ihrem Leben, die nicht so einfach ersetzt werden können.

 

Dagmar Rösler ist Zentralpräsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Daneben unterrichtet sie an einer Primarschule.