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Der Wunsch nach Veränderung hat am Anfang oft kurze Beine. Das Risiko, mit diesem Wunsch nicht weit zu kommen, verringert sich erheblich, wenn man Freunde zu Wegbegleitern macht.

Ritas Auswahl an Kleidern hat sich seit einiger Zeit drastisch dezimiert. Ihr passen nur noch wenige Stücke. Denn sie hat erheblich zugenommen. Für die zusätzlichen Kilos hatte sie in den vergangenen Monaten ganz unterschiedliche Erklärungen: «Die Nerven, ich esse gleich viel wie immer», «Gestörter Metabolismus, ich esse ja weniger als sonst» usw. Aber das Schönreden liess die zusätzlichen Kilos nicht schmelzen. Rita konnte sich nur in ihrem tiefsten Inneren eingestehen, dass sie eine Frustrationsesserin geworden ist und sich kaum bewegt. Die körperliche Veränderung tangiert auch ihr Selbstbewusstsein. Immer wieder fasste sie den Beschluss, eine Diät zu machen – ab nächster Woche. Aber sie schaffte es nicht. Deshalb schämt sie sich auch, darüber in ihrer Familie zu sprechen.

Neue Ziele, die Kraft und Wille erfordern, sind mit Unterstützung aus dem Umfeld leichter erreichbar. Diese Form der sozialen Selbstfürsorge kommt aber heute viel zu wenig zum Zug – aus Scham, Stolz, Geringschätzung. Die Gefühle, die dafür verantwortlich sind, dass sich Menschen anderen nicht öffnen, sind vielfältig und zahlreich. Ein Vorhaben wird jedoch verbindlicher, wenn das eigene Umfeld davon erfährt. Familienmitglieder und Freunde werden dadurch zu Leitplanken, was zur Eigenkontrolle motiviert. Die Organisationen «Weight Watchers» oder «Anonyme Alkoholiker» leben zum Teil von diesem Effekt. Nur handelt es sich bei diesen Treffen unter Gleichgesinnten um Parallelwelten. Sie finden nur stundenweise in der Woche statt, ausserhalb der eigenen Welt. Der Miteinbezug von Familienmitgliedern, Freunden und Arbeitskollegen, kurz der ganzen eigenen Welt, hat eine viel stärkere Wirkung. Natürlich ist es sinnvoll, in erster Linie wohlgesinnte Menschen einzubinden. Wenn man dann auch noch zu thematisieren beginnt, wie die Unterstützung aus dem Umfeld hilft, dem gesetzten Ziel näher zu kommen, entsteht eine externe Kontrolle, die stark motiviert. Man will jetzt nämlich definitiv nicht mehr als schwach dastehen und einfach aufgeben. Und wenn man doch schwach wird, kann man Unterstützung abrufen. Der Wille der Umgebung, dass das gesetzte Ziel erreicht wird, vermittelt nämlich erstaunliche Kraft und unterstützt den eigenen Willen.

Anton Ladner