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Das ist eigenartig. Die Frau an der Kasse ist höflich, fragt dies und jenes, bedankt sich und wünscht einen schönen Abend. Der Kunde aber bleibt stumm. Es ist wirklich eigenartig, wie viele Menschen Mühe bekunden, sich zu bedanken. Wer nicht auf einen Dank reagiert, bringt sich um die Wahrnehmung eines positiven Gefühls. Eine herzliche Reaktion löst wiederum eine Reaktion aus, die angenehm ist und die Laune hebt. Paradoxerweise geht es bei der Dankbarkeit weniger um den andern, für den der Dank bestimmt ist, als um sich selbst.

«Dankbarkeit ist das Gefühl des Staunens», schrieb Robert A. Emmons, Psychologieprofessor der University of California. Unabhängig davon, ob man einem anderen Menschen dankbar sei, dem Schicksal oder einer höheren Macht, die Wirkung sei positiv. Dankbare Menschen sind glücklicher, optimistischer, hilfsbereiter, einfühlsamer und spiritueller. Robert A. Emmons stützt diese Erkenntnis auf zahlreiche Versuche. Eine Versuchsgruppe hat zum Beispiel während zehn Wochen am Abend fünf Ereignisse des Tages aufgeschrieben, für die sie dankbar war. Die zweite Versuchsgruppe notierte fünf Ärgernisse des Tages, und die Kontrollgruppe schrieb fünf wichtige Dinge auf, die an diesem Tag geschehen waren. Die Teilnehmer der Dankbarkeitsgruppe fühlten sich nach zehn Wochen optimistischer und zufriedener, fühlten sich gesünder und betrieben mehr Sport als die Teilnehmer der Ärgernis-Versuchsgruppe und der Kontrollgruppe. Dankbarkeit ist somit eine Art spirituelles Fitnessprogramm fürs Leben. Aber auch eine Haltung, die vor den Wirren des Lebens schützt: «Für alles, was ihm begegnet, soll der Mensch dankbar sein, weil er die Chance hat, daraus Leben zu formen und zu gestalten», sagt der Priester und Psychoanalytiker Jürgen Heinen. «Das fordert aber manchmal viel, nämlich sich in der gegebenen Situation aufzurichten und den Auftrag zu sehen, diese Situation zu bewältigen und zu gestalten. Wenn ich mit Kraft an diese schwierige Aufgabe herangehe und sie mehr oder weniger meistere, dann kann ich Dankbarkeit empfinden, es geschafft zu haben.» Dankbarkeit ist somit eine Haltung, die dem Menschen auch geistiges Wachstum ermöglicht, um mit sich und dem Leben besser umzugehen. Für Jürgen Heinen steht fest: Ein positiver Tagesrückblick, in dem man sich – wie in der Versuchsgruppe von Robert A. Emmons – bewusstmacht, für was man dankbar ist, kann ein guter Anfang sein. Das Dankeschön an der Kasse stellt sich dann früher oder später automatisch ein.