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Um das Kleine, Konkrete zu verstehen, das Sorgen, Angst oder Trauer verursacht, hilft es oft, zuerst das Grosse ins Auge zu fassen. Mit dieser Art von kognitiver Selbstfürsorge, kann sich einiges ändern. Es braucht allerdings etwas Selbstdisziplin.

Bei den Neurowissenschaften geht es um die Funktionsweisen und den Aufbau von Nervensystemen. Die Neurowissenschaften, die sich hauptsächlich mit der Leistung des Gehirns befassen, werden in der Umgangssprache als Gehirnforschung bezeichnet. Dazu gehören zum Beispiel die gedankliche Informationsverarbeitung sowie die Entstehung und der Ablauf von emotionalen Reaktionen. Letztere leiten oft das Handeln in Form von impulsiven Handlungen: «Du warst schon immer nie da, wenn ich dich brauchte», «Du hast mir nie geholfen», «Du hast dich nie wirklich für mich interessiert». Wohl jeder kann diese Liste aufgrund seiner persönlichen Erfahrung mit zahlreichen Beispielen fortsetzen. Bei solchen Nie-Formulierungen scheinen Bewusstsein und Gedächtnis ausgeschaltet zu sein. Diese Tatsache verursacht auch den Ärger beim Adressaten dieser Anklagen. Denn wenn Gedächtnis und Erinnerungen eingeschaltet wären, würden konkrete Ereignisse in der Vergangenheit die Behauptungen widerlegen.

Die Neurowissenschaften tendieren dazu, das menschliche Erleben und Verhalten in verschiedenen Gehirnregionen zu verorten. Die daraus resultierenden Erkenntnisse helfen aber dem Menschen in psychischer Not konkret nicht weiter, einen besseren Umgang mit sich zu finden. Aber die Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften können mit einer kognitiven Selbstfürsorge helfen, eine neue Haltung gegenüber den Phänomenen im Gehirn zu finden. Dazu braucht es allerdings einige Informationen. Das Gehirn kann in jedem Moment eine Trillion unterschiedliche Zustände einnehmen, die der Mensch in ihrer Summe als Gefühl, Stimmung, Zustand wahrnimmt. Bis heute gibt es kein klares Modell, das menschliches Denken, Empfinden und Handeln erklärt. Die Ursachen von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen sind auch heute noch weitgehend unverstanden. Die weitverbreiteten Psychopharmaka haben nur zwei Wirkungsweisen: hemmen oder anregen. Bei den einen Patienten funktionieren sie, bei den andern nicht. Warum dies so ist, weiss man nicht. Und ob eine Gesprächstherapie bei einem Psychologen oder einer Psychiaterin das Gehirn strukturell und funktionell verändert, konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. Auch mit bildgebenden technischen Verfahren ist es bislang nicht möglich, einen solchen Nachweis zu erbringen – auch deswegen, weil man nicht weiss, in welcher Gehirnregion man danach suchen soll. Fazit: Das Gehirn ist ein Phänomen, und wenn man das akzeptiert, kann man in Beziehungen vieles gelassener angehen. Ganz wichtig dabei ist: Zwischen Aktion und Reaktion hat man immer Zeit. Man muss nur ganz selten sofort reagieren.