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Man muss sich Selbstfürsorge gedanklich vornehmen, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn mit Selbstfürsorge übernimmt man Verantwortung für sich und seinen Alltag. Dem entzieht man sich allerdings oft gern.

Kann man am Morgen aufstehen und sagen: Heute gilt Selbstfürsorge. Ja, man muss es sogar. Die echte Selbstfürsorge setzt nämlich Bewusstsein und auch etwas Mut zur Wahrheit voraus. Das sind gedankliche Herausforderungen. Denn bei der Selbstfürsorge geht es um einen fürsorglichen Teil und um einen bedürftigen Teil. Es braucht in dieser Sorge um sich eine Seite, die sich dem eigenen Ich wohlwollend zuwendet und schaut, wo Anspannung, Angst oder Enttäuschung herrschen. Bei der kognitiven Selbstfürsorge geht es nicht darum, sich etwas zu gönnen, um für zwei, drei Stunden zu einem guten Gefühl zu kommen. Es geht darum, sich wohlwollend um eine Krise im eigenen System zu kümmern. Und hier beginnt die Schwierigkeit: Wie kann man sich um etwas kümmern, das man als Ursache nicht wahrnehmen will? Bei einer echten Selbstfürsorge muss es um den bedürftigen Teil gehen, der Wahrnehmung und fürsorgliche Zuneigung benötigt. Da ist ehrliche Selbstprüfung gefordert, was unangenehm und oft auch schmerzlich ist. Wenn diese gedankliche Arbeit geleistet ist, folgt die zweite Schwierigkeit. Selbstfürsorge funktioniert nur, wenn der fürsorgliche Teil mit viel Wohlwollen der eigenen Bedürftigkeit begegnet. Hand aufs Herz: Wie viel Wohlwollen haben Sie für sich, wenn es bei Ihnen schiefläuft? Gesellschaftlich ist ein liebevoller Blick auf sich selbst verpönt. Die Nächstenliebe ist das grosse Gebot, ohne zu betonen, dass Nächstenliebe – auch im christlichen Sinne – Selbstliebe voraussetzt. Oder in den Worten des Dalai Lama: «Damit jemand imstande ist, wahrhaft Mitgefühl gegenüber anderen zu entwickeln, benötigt er oder sie zunächst eine Grundlage, auf der Mitgefühl kultiviert werden kann. Diese Grundlage ist die Fähigkeit, mit seinen eigenen Gefühlen verbunden zu sein und für sein eigenes Wohlergehen zu sorgen.» Für den Dalai Lama steht ausser Frage: Fürsorge für andere setzt Fürsorge für sich selbst voraus.

Selbstfürsorge basiert darauf, dass verschiedene Persönlichkeitsanteile miteinander in Beziehung treten. Das geschieht nicht automatisch. Im Gegenteil: Bei Schwierigkeiten wird diese Beziehung oft auf Eis gelegt, vor allem der fürsorgliche Anteil. Die Hilfe wird dann von aussen erwartet. Meist vergeblich.