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Ein Probleme kommen oft nicht allein, sondern in einer Häufung von Schwierigkeiten – der Druck steigt und entsprechend auch die Belastung. Aber Probleme lassen sich nicht in einem Aufwasch lösen. Deshalb hilft ein Tunnelblick – eine kognitive Selbstfürsorge.

Die Tochter hat die Aufnahmeprüfung nicht bestanden, der Prüfungstermin der Motorfahrzeugkontrolle für den Roller ging vergessen und der Hund hat Nierenprobleme. Für Marianne B. ist die Grenze der Belastbarkeit überschritten. Denn neben den neuen Problemen ziehen auch die alten ihre Kreise: die Spannungen an ihrem Arbeitsplatz und die unglückliche Mutter im suboptimalen Pflegeheim. Marianne neigt dazu, diese Probleme vor ihrem geistigen Auge aufzureihen, um dann mutlos in sich zusammenzusacken. Die Alarmzentrale in ihrem Gehirn, die Amygdala setzt ihr heftig zu. Die Amygdala – den Namen hat sie von ihrem Aussehen, das an einen Mandelkern erinnert – verarbeitet nämlich externe Impulse und leitet die Reaktionen dazu ein. Sie löst also Furcht und Angst aus, was früher ganz zentral war, damit der Mensch vor Feuer und Wasser flüchten konnte. Menschen mit einer Schädigung der Amygdala – dem sogenannten Urbach-Wiethe-Syndrom – zeigen keine Furchtreaktionen, auch nicht in lebensbedrohlichen Situationen. Weil die Amygdala sich noch nicht an die tägliche Informationsflut angepasst hat, ist der Mensch heute häufiger Wechselbädern der Gefühle ausgesetzt. Früher trafen schlechte Nachrichten per Brief mit einer zeitlichen Verzögerung ein. Reaktionen darauf erfolgten mit einem zeitlichen Abstand. Mit Mail, SMS und Whatsapp-Mitteilungen ist alles unmittelbarer geworden, schneller, direkter und dadurch heftiger, was Gefühlsausschläge potenziert. Heute ist es leicht möglich, in Überbelastung und gar Panik zu geraten. Wer sich über diese Mechanismen Klarheit verschafft, bringt mit kognitiver Selbstfürsorge etwas Ruhe in den Problemalltag. Die erste Massnahme besteht darin, dass man sich einen Tunnelblick erlaubt. Dieser Blick besteht in einer disziplinierten Fokussierung auf das dringendste Problem. Alle andern Sorgenkreise müssen ausgeblendet werden. Der aktive Zuspruch «Ich denke jetzt nur an die eine Sache und an alles andere später» schafft den Raum, sich effizient um das dringendste Problem kümmern zu können. Denn dadurch fliesst die Energie wirkungsvoll in eine Richtung und springt nicht mehr von Problem zu Problem. Mit dem Tunnelblick kommt man auch etwas zur Ruhe und gewinnt zu anderen Problemen Distanz, was die Voraussetzung für eine gute Lösung ist. Auch folgende Erkenntnis hilft dabei: Von morgen aus gesehen ist heute schon gestern.

Anton Ladner