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Der Sonntag ist auch heute noch für viele ein ganz besonderer Tag. Wie man ihn verbringt, sagt einiges über die eigene Haltung aus. Das drängt zur Frage, wie geht man mit dem Sonntag um, damit er guttut?

Wohl kein Tag in der Woche vereinigt so viele Emotionen auf sich wie der Sonntag. Das beginnt schon damit, ob der Sonntag der siebte Tag der Woche ist oder der erste. Der Tag der Sonne oder Tag des Herrn ist im internationalen Standard ISO 8601 als der letzte Wochentag festgelegt, gilt aber im jüdischen und christlichen Kontext als erster Tag der Woche. Viele freuen sich auf den Sonntag, weil damit ausschlafen, entspannen, gemeinsam frühstücken oder gemeinsames Mittagessen, Beisammensein, Familienbesuche, Ausflüge und vieles mehr verbunden sind. Andere fürchten sich davor, weil all das bei ihnen am Sonntag nicht stattfindet. Der Sonntag ist dann Freizeit mit sich selber, oft lange Stunden, die die Einsamkeit spürbar machen. Deshalb ist er der Seelentag der Woche – im Guten wie im Schlechten. Was sonst unter der Oberfläche bleibt, aus Zeitmangel oder aus Ablenkung, kommt am Sonntag hoch, Freudiges wie Schmerzliches.

Die meisten Menschen haben aber für den Seelentag der Woche kein Konzept. Sie lassen es mehr oder weniger darauf ankommen, setzen sich dem Sonntag aus und lassen sich von ihm überwältigen. Der Abend vor dem Fernseher mit «Tatort» wird dann zum Höhepunkt des Sonntags. Ist es krank, dass ein Ruhetag Unbehagen, ja Unruhe auslöst?

Nur auf den ersten Blick. Wenn man akzeptiert, dass der Sonntag der Seelentag ist, dann darf sich die Seele melden, was zugegebenermassen nicht immer angenehm ist, aber eine heilende Wirkung hat. Denn ein Sonntag kann auch die geheimen Ängste spürbar machen, die Sicht aufs Leben verschieben, vor allem dann, wenn man aus dem Sonntag keinen Tag der Rituale mit fixem Ablauf von Ablenkungen macht, um das Innere nicht zu hören. Über einen grösseren Zeitraum gesehen kann es sehr guttun, am Sonntag etwas zu leiden. Deshalb liegen zwischen zwei Sonntagen jeweils sechs Tage. Er tanzt eindeutig aus der Reihe, und zwar mit der Seele. Wenn man das akzeptiert, beginnt die Seele im wahrsten Sinne des Wortes zu tanzen. Das ist das Beste, was einem geschehen kann.

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