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Glücklich sein ist ein Zustand, der auch stark vom Körpereinsatz abhängen kann. Das wird oft unterschätzt.

Ja, es gibt sie, die Angst vor dem Glücklichsein. Sie hat in der Fachwelt einen klaren Namen: Cherophobie. Die Angst vor dem Glücklichsein erfasst die Menschen in verschieden Formen, oft so verschlüsselt, dass sie sich gar nicht konkret bewusst werden, nicht glücklich sein zu dürfen oder zu wollen. Es ist eine Furcht vor Heiterkeit, vor Momenten der Freude, des Vergnügens. Wer Angst davor hat, vermeidet solche Gefühle präventiv. Liegt eine Cherophobie in krankhafter Ausprägung vor, wird im Glücklichsein sogar ein Vorbote kommenden Unheils gesehen. Um besser durchs Leben zu kommen, muss man sich auf Unzufriedenheit fokussieren. Als ob das Leben die Menschen bestrafe, wenn sie glücklich sind. Von diesem Eindruck waren ganze Generationen geprägt. Die Sätze «den Tag nicht vor dem Abend loben», «kein Baum wächst in den Himmel» bringen diese Grundhaltung zum Ausdruck.

In jedem Menschen ist die Cherophobie manchmal aktiv, natürlich in sehr unterschiedlichem Ausmass. Man weiss, dass man jeweils von einem Waldspaziergang zufrieden heimkehrt, dass man sich gut fühlt, wenn man das Pult aufgeräumt hat, erfüllt ist, wenn man den Balkon geputzt hat. Aber irgendwie scheut man vor diesen körperlichen Aktivitäten zurück. Es ist die Faulheit, hinter welcher Unzufriedenheit und Unlust stecken, die blockiert. Als ob man sich davor fürchte, sich besser zu fühlen. Jeder kennt diesen Mechanismus, besonders in Tagen von Krisen, Konflikten, Enttäuschungen. Dann gilt die Durchsage, man dürfe aufgrund der misslichen Lage nicht glücklich sein.

Das setzt jedoch nur eine Abwärtsspirale in Gang. Gute Gefühle trotz schwieriger Zeiten empfinden, erweist sich derweil als starke Kraftquelle, als Bremse der Abwärtsspirale.

Natürlich stellt es eine besondere Herausforderung dar, gute Gefühle zu generieren, wenn die Welt schwarz erscheint. Am einfachsten ist es mit einer körperlichen Aktivität: ein Waldspaziergang, eine Seeumrundung, ein Saunabesuch, Schwimmen im Thermalbad, eine Putzaktion, gleich ob Garten, Keller oder Schuhschrank. Die körperliche Aktivität ist eine Hinwendung und somit auch ein Ausstieg aus der Situation, die bedrückt.

Anton Ladner