Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Eigenzeit, auch Me-Time genannt, ist für die emotionale Selbstfürsorge ganz entscheidend. Sie erweist sich als Ruheinsel zur Rekreation und ermöglicht Distanznahme für eine neue Sicht.

Viele Menschen meinen, Eigenzeit sei nur am Wochenende möglich und bestehe darin, sich der Faulheit hinzugeben. Bei Eigenzeit geht es jedoch um private Zeitinseln im Alltag. Zum Beispiel um die 30 Minuten am Morgen, die man früher aufsteht, um in einem Buch zu lesen, um sich gedanklich auf den Tag vorzubereiten oder um sich mit Liebe ein schönes Frühstück zuzubereiten. Eigenzeit ist auch ein kurzer Spaziergang von 15 Minuten, um Stressgefühle abklingen zu lassen und Gedanken zu ordnen. Eigenzeit kann man auch leicht als Routine in den Alltag integrieren. Ein Tasse Tee in Ruhe zu einer bestimmten Zeit am Morgen und am Nachmittag, ein Ritual für andere Gedanken. Laut Wissenschaft braucht es 21 Tage, um eine Gewohnheit zu entwickeln. Ist die Tee-Pause als Zeitinsel zur Gewohnheit geworden, werden auch die entspannenden Gefühle, die damit verbunden sind, zu einem Automatismus.

In der Eigenzeit sollte auch ab und zu etwas Neues unternommen werden. Eine Massage, ein Besuch einer neu eröffneten Bibliothek, eines Neubaus, eines Vortrags. Laut Neurowissenschaft verlangsamt sich die Zeitwahrnehmung des Gehirns, wenn man etwas Neues erlebt. Deshalb sind neue Erfahrungen intensiver und im Rückblick gewichtiger. Und Studien haben nachgewiesen, dass depressive und ängstliche Menschen bereits nach einer 30-minütigen Massage den Spiegel des Stresshormons Cortisol reduziert hatten. Die hohe Kunst der Eigenzeit besteht darin, Aufgaben, die erledigt werden müssen, zu Eigenzeit-Inseln zu machen. Mit etwas Fantasie fällt es leicht, Lästiges mit Schönem zu ergänzen. Das kann auch nur ein Bier an einem Ort sein, wo viele Zeitschriften aufliegen. Oder ein Saunabesuch vor dem Grosseinkauf.

Eine Studie der Universität Buffalo hat ergeben, dass Menschen, die einige Stunden in der Woche ganz allein verbringen, kreativer sind als Menschen, die darauf verzichten. Eigenzeit ist auch ein sehr aufschlussreicher Begriff der Physik: Man stellt sich die Zeit als etwas vor, das stetig und für alle Beobachter gleich vergeht. Die Relativitätstheorie kommt aber zu einem andern Schluss. Eine Uhr, die eine weite Reise hinter sich hat, misst vergleichsweise weniger Zeit als eine Uhr, die am selben Ort verweilt. Sie hat eine Eigenzeit. Etwas ganz für sich.

Anton Ladner