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Wenn ein Problem alles überschattet und einen zur Geisel nimmt, hilft die Einsicht, was konkret im Gehirn abläuft. Es handelt sich um eine Art Machtkampf zwischen jüngeren und alten Gehirnstrukturen. Wer das versteht, lebt leichter.

 von Anton Ladner

 

Alle kennen das Gefühl: Angst, Befürchtung, Sorge – wie immer man es nennen will – nehmen überhand. Entscheidend ist nicht, dass man überwältigt wird, sondern wie lange man in einem solchen Gefühl verharrt. Zuständig für die Panik ist die Amygdala im Gehirn. Sie hat die Menschheit vor dem Aussterben bewahrt. Sie war die Retterin vor Feuer, Wasser und Raubtieren. Die Amygdala bewertet emotional Gefahren, steht dabei aber in Konkurrenz mit dem präfrontalen Cortex. Dieses Gehirnareal hat sich im Vergleich zur Amygdala später entwickelt und ist für das rationale Denken zuständig. Es besteht somit ein Spannungsbogen zwischen emotionalen Impulsen, die von der Amygdala ausgelöst werden, und rationalen Überlegungen, die im präfrontalen Cortex erfolgen. Bei einem Problem übernimmt jedoch der instinktive Handlungsreflex schnell das Kommando: Man schreit einen fehlbaren Autofahrer an oder kündigt dem widerspenstigen Sohn die Liebe auf. In solchen Augenblicken fallen dann auch die Formulierungen, die man danach bereut: «Ich helfe dir nie mehr», «Ich komme nie mehr», «Das war das letzte Mal.» Später sagt man, das sei nicht so gemeint gewesen. Das stimmt auch. Die Amygdala im älteren Hirnbereich hat rasch schützend reagiert. Aber zu schnell, sodass der präfrontale Cortex nicht mehr reagieren konnte. Wer das versteht, gönnt sich zwischen Reiz und Reaktion Zeit, um überlegt und somit angemessen zu reagieren. Damit der präfrontale Cortex dafür fit ist, muss er aber umsorgt werden. Rationales Denken ist nur nach genügend Schlaf möglich, wie zahlreiche Studien dokumentieren. Und gut denken kann man auch nur, wenn man sich Pausen gönnt und aus Stress hinausfindet. Wer das mit Alkohol versucht, erreicht jedoch das Gegenteil. Alkohol reduziert die Leistung des präfrontalen Cortex, was man am Stammtisch bestens erleben kann. Das erklärt die Handlungen jenseits der eigenen Werte. Wer sich das Funktionieren von Amygdala und präfrontalem Cortex vor Augen hält, lebt somit leichter. Und je besser einem das gelingt, desto ruhiger kann man im Sinne einer kognitiven Selbstfürsorge reagieren.