Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Der Weinhandel ist heute ein grosses Geschäft. Aufstrebende Märkte wie China oder Russland werden die leicht rückgängige Nachfrage in Europa kompensieren. Derweil sollen neue Trends in den alten Märkten die Nachfrage beleben.

von Anton Ladner

Extreme Weine, auch Raw Wines genannt, gelten neu als besonders interessant. Es handelt sich um naturbelassene Gärungen, die zum Beispiel orange leuchten. Das Reizvolle an den extremen Weinen ist, abgesehen vom hohen Preis, laut Weinexperten der Erklärungsbedarf. In der Weinwelt trägt die Preisgestaltung immer noch viel zum Image bei. Die extremen Weine profitieren so von einem gezielten Marketing. Ein Wein der als «orange-vegan» angeboten wird, findet leicht Beachtung. Auch der Hinweis «ungefiltert» löst im Unterbewusstsein der Konsumenten Reinheitsvorstellung aus. Man glaubt dann gerne, dass solche Weine über eine besondere «Energie» verfügen. Neu daran ist: Extreme Weine überzeugen nicht im Gaumen, sie sind eine intellektuelle Herausforderung. Sie gewinnen durch Erklärungen, Vergleiche, Bilder. Deshalb haben extreme Weine auch viele Kritiker. Sie bezeichnen sie als Marketinghülsen. Aber sie dokumentieren klar, in Europa sind neue Ideen gesucht, um den Weinkonsum in Schwung zu halten. Denn in Ländern mit eigener Weinproduktion ist der Konsum seit einigen Jahren leicht rückläufig. In Spanien liegt der Pro-Kopf-Verbrauch nur noch bei 26,4 Litern, in Portugal derweil noch bei 58,8 Litern. Heute wird fast jede zweite Flasche Wein ausserhalb des Produzentenlandes konsumiert. In China mit einem Jahreskonsum von nur 1,5 Litern pro Kopf oder in Russland mit 7,5 Litern pro Kopf werden deshalb grosse Wachstumsmärkte gesehen.

In der Schweiz ist der Weinkonsum pro Kopf seit 1994 von 44,2 auf zurzeit 32,3 Liter gefallen. Ein Grund für den Rückgang des Weinkonsums in der Schweiz aber liegt in der Konkurrenz durch Bier. Die vielen Mikrobrauereien haben dazu geführt, dass sich heute bei den 18- bis 29-Jährigen Bier- und Weinkonsum mengenmässig die Waage halten. Es gilt deshalb, vor allem jüngere Generationen mit neuen Weintrends zu erreichen. Einer lautet «neue Frische».

Darunter sind leichtere und lebhaftere Weine zu verstehen. Dieser Weinstil ist von einem geringeren Alkoholgehalt und mehr Säure geprägt. Er ist eine Reaktion auf die wuchtigen Weine mit starken Barrique-Noten, die von Mendoza, aber auch von Chile und Spanien aus die Welt eroberten. Diese Opulenz ist für Junge heute passé, auch das ganze Getue darum. So wurde vergangenen März an der Fachmesse Prowein in Düsseldorf verkündet, der Wein werde lässiger, was mit jungen, stark tätowierten Sommeliers dokumentiert wurde. Weg von Ritualen, hin zum entspannten Spass mit leichten und frischen Weinen, lautet die Stossrichtung. Beliebt sind Weine von jungen Winzern, die ihre Produkte mit einem lockeren Umgang anbieten. Damit wird ein neues Phänomen beim Weinkonsum sichtbar: Eine gute Geschichte, die das Produkt besonders erscheinen lässt. Autochthone Rebsorten, die biodynamisch angebaut werden, eignen sich besonders für diese Art von Marketing mit Storytelling.