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Um erfolgreich zu sein, braucht es ein hohes Selbstwertgefühl. Und das setzt wiederum klare Vorstellungen darüber voraus, wie die Welt funktioniert. So lautet eine weitverbreitete Annahme. Das führt jedoch zu einer Tragödie.

In den 1990er-Jahren machte sich in den Vereinigten Staaten die Vorstellung breit, dass ein hohes So kam eine umfangreiche Ratgeberliteratur samt Erziehungsprogrammen auf den Markt, die das Selbstwertgefühl ankurbeln sollten.

Ein starkes Selbstbewusstsein wurde zur wichtigen Voraussetzung bei der Stellensuche, bei der Aufnahme in ein Sportteam oder bei der Zulassung zur Universität. Aber wie bringt man ein hohes Selbstwertgefühl zum Ausdruck? Ein einfacher Weg besteht darin, eine feste Annahme darüber zu haben, wie die Welt funktioniert. Dabei handelt es sich um holzschnittartige Bilder der Welt, ohne Grautöne, ohne Differenzierungen. In der politischen Polarisierung, die sich derzeit zuspitzt, sind diese Holzschnitte wieder sehr beliebt. Wer eine klare Annahme hat, wie die Welt funktioniert, mag es natürlich nicht, wenn man diese Auffassung hinterfragt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Es schwächt den selbstsicheren Auftritt und kratzt am Selbstwertgefühl. Deshalb weichen Menschen mit klaren Weltvorstellungen einer Hinterfragung aus und bewegen sich gern in Kreisen, wo sie mit ihren Annahmen Bestätigung finden. Das ist jedoch eine Tragödie, weil dadurch die Fortschritte im Denken und Entwicklungen in der Wahrnehmung verhindert bleiben. Nur wer staunt, vor Fragen steht und den Mut findet, einzugestehen, dass er auf etwas derzeit keine Antwort hat, öffnet sich für eine Entwicklung. Das hat viel mit spiritueller Selbstfürsorge zu tun, weil dadurch dem Geist neue Erfahrungen in neuen Dimensionen ermöglicht werden. Wer feste Annahmen, wie die Welt funktioniert, aufgibt, wird toleranter und empfänglicher. Man kann das auch als Wandel zum angenehmeren Menschen bezeichnen. Denn die Zelebranten von Selbstbewusstsein mit ihren klaren Vorstellungen, behalten in der Regel ihre fixen Annahmen nicht für sich. Sie sind Wanderprediger, weil sie mit ihrer Überzeugungsarbeit sich selbst bestätigt sehen wollen. In der Regel sind das unangenehme Gesprächspartner, die man gerne wieder loswird. Spiritualität im Alltag besteht auch im Staunen, im Ringen um Erklärungen und im Eingestehen, keine Ahnung zu haben.