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Lächeln ist zum Symbol einer Seins- und Lebensweise geworden. Aber das Lächeln ist auch angeboren und bleibt ein grosses Phänomen in der Kommunikation.

von Anton Ladner

In einer Legende der Apachen-Indianer ist Gott mit der Schöpfung der Menschen erst zufrieden, nachdem er sie das Lächeln gelehrt hat. Dante Alighieri schrieb: «Das Lachen ist ein wetterleuchtendes Aufblitzen der Seelenfreude, ein Aufzucken des Lichtes nach draussen, so wie es innen strahlt.» Und Leonardo da Vinci sorgte mit den leicht gekräuselten Lippen seiner Mona Lisa für ein andauerndes Rätsel. Lächelt sie oder ist sie verbittert?

In der jüngeren Vergangenheit hat Hollywood zur Bedeutung des Lächelns Entscheidendes beigetragen: Seit Beginn des Films hat es nämlich unterschiedliche Lächeln konstruiert. Das Grinsen des bösen Jungen, das gewinnende Lächeln des Selfmademan, der dank gutem Willen ein aussergewöhnliches Leben verdient, und dann alle Nuancen des süssen, bitteren, sauren, hoffenden Lächelns der Darstellerinnen. Am Anfang waren die Damen des Stummfilms, nach ihnen die Emanzipierten, die Blondinen, die Sinnlichen, die Neorealisten: Am Lächeln einer jeden hing das Schicksal der erzählten Geschichten. Das Gleiche galt für die Helden und Heldinnen in Comics. Denn selbst wenn sie gegen den dunkelsten aller Bösen kämpften, musste ihr Gesicht eine klare Botschaft der Positivität vermitteln. Auch die Mode verkaufte sich in den 1950er- und 1960er-Jahren nur mit einem strahlenden Lächeln. Heute müssen die anorektischen Models schmollen oder abgelöscht in die Leere starren, wenn sie über Laufstege stelzen oder für eine Werbekampagne abgelichtet werden. Das ist ein Paradox, denn die Menschheit sehnt sich offensichtlich nach Lächeln. Wer fotografiert wird, kennt das. Engländer und Deutsche bekommen dann «cheese» (Käse) zu hören, Dänen «appelsin» (Orange), Finnen «muikku» (eine Fischsorte) und die Koreaner «kim chi» (Chinakohl). Von dieser Sehnsucht zeugen auch die Smiley-Emoticons in Mails, SMS und WhatsApp. 1996 meldete der französische Journalist Franklin Loufrani das stilisierte Lächeln an. Er hatte die Smiley-Grafik als Auflockerung eines Zeitungsartikels erfunden. Inzwischen ist Loufrani Einkommensmillionär, weil er für den Smiley in über 80 Ländern die Nutzungsrechte hat. 

Die Wissenschaft hat derweil entdeckt, dass ein Lächeln ausreicht, um die Produktion von Endorphinen im Gehirn zu aktivieren, was ein gutes Gefühl auslöst. Und die Psychologie hat den Aspekt hervorgehoben, der zum animalischen Teil der DNA zurückführt und das Lächeln als soziale Waffe, als Verteidigung beim Begrüssen erklärt. Denn Tiere zeigen Zähne als Zeichen der Drohung oder der Unterwerfung. «Unser wichtigstes freundliches Signal ist das Lächeln. Mit dieser angeborenen Verhaltensweise sind wir in der Lage, uns mit völlig Unbekannten anzufreunden. Ein Lächeln entwaffnet», schrieb der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt 1970 dazu in seinem Buch «Liebe und Hass».

Aber was ist ein Lächeln? Und was bedeutet es? Das Lächeln ist in der Physiologie ein Gesichtsausdruck, ein Ausdruck der Freude, des guten Willens und dient der Kommunikation. Aber jeder kennt auch das nervöse Lächeln, die gute Miene zum bösen Spiel, das Verbergen einer Ängstlichkeit. Studien haben gezeigt, dass Lächeln als normale Reaktion auf bestimmte Stimulationen folgt ­– unabhängig von der jeweiligen Kultur.

Der Philosoph Helmuth Plessner hat dem Lächeln eine Sonderstellung innerhalb der mimischen Ausdrucksformen eingeräumt. Das Lächeln sei vieldeutig sowie unterschiedlichsten Anlässen zuzuordnen und besitze eine breite Mannigfaltigkeit in affektiver Tönung. Denn jeder Mensch verfügt über ein Repertoire an Lächeln: Ein Lächeln, um sich zu bedanken, ein Lächeln, um etwas zu erhalten, das Begrüssungslächeln, das Versöhnungslächeln, das Zustimmungslächeln usw. Bei einem guten Service, sei es am Hotelempfang, beim Zahnarzt oder im Flugzeug, wird ein Lächeln erwartet, weil es für Freundlichkeit steht. Die Basis davon ist das soziale Lächeln, das eben angeboren ist. Lächeln wird schon von Geburt an mitgegeben. Bei Babys spricht man deshalb vom Engelslächeln. Ausgelöst wird es in den ersten Lebenswochen durch einen Reflex beim Schlafen. Wer aber ständig lächeln muss, obschon es ihm nicht danach steht, wird krank. Der Emotionsforscher Dieter Zapf konnte 2006 nachweisen, dass zwangsweises Lächeln, bei dem man seine tatsächlichen Emotionen unterdrückt, zu Stress und Depressionen führt. Japan galt lange als Land des Lächelns, weil man sich immer zu einem Lächeln zwang, um andere nicht mit dem eigenen Kummer in Verlegenheit zu bringen. Das Lächeln war Ausdruck von Gesichtswahrung und Haltung, was zu einem enormen gesellschaftlichen Druck führte.

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