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Im Gestüt Lipica leben 350 Lipizzaner-Stuten und -Fohlen auf 230 Hektaren. Die Habsburger brachten dort im 18. Jahrhundert die lernfreudige Pferderasse hervor. Heute sind die Lipizzaner von Lipica nach einer bewegten Geschichte der Nationalstolz von Slowenien.

von Anton Ladner

Bei der Eröffnung der Hofreithalle in Wien 1735 traten 54 Hengste aus Lipica, dem Gestüt der kaiserlichen und königlichen Monarchie Österreich -Ungarn, auf und lösten eine so grosse Begeisterung aus, dass das Gestüt gleich erweitert wurde. Unter Kaiserin Maria Theresia entwickelten sich die Pferde in Lipica zu den Lipizzanern, wie sie heute bekannt sind. Die Lipizzaner sind der Inbegriff von athletischer Eleganz. Denn die Pferde sind kräftig, verfügen über eine grosse Ausdauer, wirken aber mit ihrem federnden Gang dennoch graziös. Es kommen noch weitere Qualitäten hinzu: Lipizzaner sind geduldig, kontaktfreudig, intelligent, von schneller Auffassung, mutig, langlebig. Aus den schwarzen und braunen Fohlen werden nach sechs bis zehn Jahren fast weisse Hengste und Stuten. Ihre Eigenschaften haben die Lipizzaner an der Spanischen Hofreitschule mit der im 16. Jahrhundert begründeten Dressur weltberühmt gemacht. Sie sorgten am kaiserlichen Hof in Wien für Glanz und kamen bei der Kutsche bis hin zum Karussell zum Einsatz. In der inzwischen 453 Jahre alten Spanischen Hofreitschule in Wienwerden die Künste der Pferde noch heute vorgeführt: die Sprünge Courbette und Kapriole am Zügel und mit Reiter in Uniform. Diese Dressuren können auch in Lipica in einer grossen Halle in kunstvoller Beleuchtung bestaunt werden. Wirklich beeindruckend ist aber ein Spaziergang durch das Gelände mit den historischen Bauten und weitläufigen Wiesen, auf denen Stutenherden mit Fohlen weiden. Die jungen Hengste werden nach zwölf Monaten auf ein 50 Kilometer entferntes Gestüt gebracht, weil sie in diesem Alter beginnen, Unruhe in die Herde zu bringen. Dort werden sie dann auch langsam getrennt, weil sie sich sonst bei Kämpfen verletzen.

Starke Knochen, harte Hufe

Die Bodenbeschaffenheit und das Klima in Lipica haben dazu beigetragen, dass die Lipizzaner starke Knochen, harte Hufe und eine grosse Widerstandsfähigkeit entwickelten. Als Österreich-Ungarn Ende Juli 1914 Serbien den Krieg erklärte, führte das in der Folge in Lipica zu einer Evakuierung der Lipizzaner. Sie wurden nach Kladrub und Laxenburg gebracht. Nach dem Ersten Welt krieg war Lipica italienisch und hiess Lipizza. Als Gewinner des Krieges bestand Italien darauf, dass Österreich die Lipizzaner wieder nach Lipizza brachte. Schliesslich wurden 107 Pferde aus Laxenburg übergeben. Im Zweiten Weltkriege wiederholte sich die Geschichte auch in Lipizza. Alle Tiere wurden von der deutschen Wehrmacht nach Hostau im Sudetengebirge gebracht, wo sie nach dem Vormarsch der Sowjetarmee sich selbst überlassen blieben. Oberst Reed, Leiter des Nachrichtendienstes der US Kavallerie, und Panzer­General Patton, ein Pferdeliebhaber, brachten die Herde – entgegen dem Befehl des US­Oberkommandos – nach Wien. Im November 1947 wurde die Herde zwischen Italien und Österreich aufgeteilt. Das Gestüt in Lipica, das Teil der Volksrepublik Jugoslawien wurde, erhielt nur elf Pferde. Die Lipizzaner­ Zucht blühte dadurch in verschiedenen europäischen Gestüten auf.

Aber Lipica ist das älteste europäische Gestüt, das seit seiner Gründung die gleiche Pferderasse züchtet, die ab 1786 Lipizzaner genannt wurden. Deshalb sind die Pferde, die Weiden und Gebäude seit 1996 gesetzlich zum Kulturdenkmal von Slowenien proklamiert worden. Das geschützte Gebiet umfasst die kultivierte Karstlandschaft des Gestüts mit prächtigen Eichenhainen und Alleen, die in Kutschen mit Lipizzanern abgefahren werden können. 40 Angestellte kümmern sich allein um die Pferde, die abends von der Weide in Laufställe gerufen werden. Die Dressurhengste sind derweil in grosszügigen Einzelboxen, teilweise im Wölbstall von 1703 untergebracht. Das sorgt für eine einzigartige Atmosphäre, die zunehmend ausländische Besucher anzieht, denn das einheitliche Erscheinungsbild des Gestüts geht auf 1817 zurück.