Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Die Unterstützer der Konzernverantwortungsinitiative haben sich schweizweit in Lokalkomitees zusammengefunden. Auffallend daran ist, dass diese Gremien die Schweiz «abbilden». Das dokumentieren zwei Stimmen aus dem Lokalkomitee Hottingen-Fluntern, zwei der privilegiertesten Quartiere der Stadt Zürich.

 von Anton Ladner

Robin Weisser, 22 Jahre alt, sitzt im Wohnzimmer eines Herrschaftshauses am Zürichberg. Vor wenigen Wochen hat er den Bachelor in Politikwissenschaften und Recht im Nebenfach an der Universität Zürich abgeschlossen. Seit zwei Jahren wohnt er in einem Studentenhaus am Zürichberg. Eingeladen hat an diesem Morgen Katharina Hürlimann, die sich zusammen mit ihrem Mann seit Jahren für das Quartier stark engagiert. So jetzt auch im Lokalkomitee für die Konzernverantwortungsinitiative. An diesem Morgen geht es um die Kommunikation einer Filmvorführung im Quartier. Gezeigt wird der Dokumentarfilm «Der Konzern-Report» mit Dick Marty, der ehemalige Tessiner FDP-Ständerat und Mitglied der OSZE-Kommission für Menschenrechte. Es gilt, mit geschickter Kommunikation möglichst viele Zuschauerinnen und Zuschauer zu mobilisieren. Katharina Hürlimann, Mutter von Kindern, die älter als Robin Weisser sind, ist ein Profi in solchen Belangen. Sie und der Student dokumentieren, dass die Konzernverantwortungsinitiative verschiedene Generationen und Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen zusammenbringt. Das im Frühjahr 2015 von zahlreichen humanitären Organisationen lancierte Volksbegehren verlangt, dass Konzerne mit Sitz in der Schweiz nicht mehr länger die Augen davor verschliessen, was ihre Tochterfirmen im Ausland anrichten. Wenn Glencore beispielsweise in Kolumbien einen Fluss vergiftet oder Indigene mit Gewalt von ihrem Land vertreibt, dann soll der Konzern in Zukunft in der Schweiz dafür geradestehen und für die angerichteten Schäden haften. Warum engagiert sich ein junger Mann mitten im Studium dafür? «Weil ich es unanständig finde, wie Glencore oder Syngenta im Ausland Menschenrechte verletzen und die Umwelt zerstören», sagt Robin Weisser. Schweizer Unternehmen könnten dank des guten Wirtschaftsstandortes Schweiz mit innovativen Technologien weltweit für ökologischen und sozialen Fortschritt sorgen. «Heutzutage ist es aber für grosse Konzerne leider immer noch rentabler, Menschen auszubeuten oder die Umwelt zu verschmutzen.» Er ist überzeugt, dass die Initiative dieser Realität ein Ende setzen würde, vorausgesetzt, sie wird angenommen. «Es sind lediglich ein paar grosse Konzerne, die davon betroffen wären. Die Schweiz hat einen grossen Wohlstand, der auch Verantwortung mit sich bringt. Das Fundament dieses Wohlstandes darf nicht die Verletzung von Menschenrechten und Umweltstandards sein», sagt er voller Idealismus. Obschon zwischen ihm und Katharina Hürlimann Welten liegen, gibt es bei der Motivation für das Engagement für diese Initiative keine Unterschiede. «Wir leben in einer extrem gespaltenen Welt. Auf der einen Seite sind die sich rasant entwickelnden Industrieländer, auf der anderen Seite gibt es eine weitaus grössere Zahl Regionen mit Menschen ohne Perspektiven mit dem nachvollziehbaren Bedürfnis, dieser Misere zu entkommen», sagt Katharina Hürlimann. «Dass international agierende Konzerne von diesem Gefälle und solchen Nöten profitieren, sich systematisch am Raubbau von Naturressourcen und Bodenschätzen beteiligen, ist nicht akzeptabel. Ich finde es geradezu skandalös, wenn z. B. eine Glencore-Mine in Cerro de Pasco (Peru) Kinder mit Schwermetallen vergiftet und das Unternehmen dafür nicht einmal Konsequenzen befürchten muss oder Nestlé durch den Aufkauf von Wasserrechten armen, von Dürrekatastrophen und Kriegen geplagten Ländern das Wasser abgräbt und anschliessend den dortigen Menschen teuer verkauft.» Für Katharina Hürlimann ist das keine politische Frage, sondern eine der Ethik. «Es braucht dringend Regeln und Massnahmen, die unfaires und unsauberes Wirtschaften haftbar sanktionieren.» Und sie spannt bei ihrer Begründung den Bogen zu Kausalzusammenhängen: «Sonst zahlen wehrlose Betroffene und auch wir als Zielländer von Flüchtlingsströmen die Zeche!»

Die Initiative kommt voraussichtlich noch in diesem Jahr zur Abstimmung. Dass Konzerne mit Sitz in der Schweiz immer wieder im Ausland Menschenrechte oder Umweltstandards ignorieren, wird heute kaum mehr bestritten. Umstritten ist aber, ob ein rechtlicher Mechanismus der richtige Weg ist. Die Maxime der Sozialethik heisst: Erkennen, Beurteilen und Handeln. Die zentrale Frage lautet somit: Wie kann man Konzerne zu einem ethischen Handeln anregen, wenn nicht mit rechtlichen Massnahmen? Freiwillig geschieht es ja offensichtlich nicht.

Share This