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Achtsamkeitsimpuls:

Wie viel Einbildungskraft lassen Sie in Ihrem Leben zu und wie viel fliesst davon in Ihre sozialen Beziehungen? Vielleicht zu wenig. Denn diese Kraft ist besser als ihr Ruf.

von Anton Ladner

 

 

Der Erkenntnis gehört die Welt. Ein Ei pro Woche, mehr ist ungesund wegen des Cholesterins. Oder keine Butter, sondern Margarine. Diese vermeintlichen Erkenntnisse von früher sind längst in sich zusammengefallen. Ein Ei enthält so viele Komponenten, dass es im Hinblick auf Cholesterin neutral ist. Und Butter ist nachgewiesenermassen gesünder als Margarine. Wer sich aber früher bei Butter und Ei auf seine Einbildungskraft verliess, dass ein Geschenk der Natur doch gesund sein müsse, wurde schnell belächelt. Die Einbildungskraft hat einen schlechten Ruf, weil man ihr misstraut. Sie wird als Kraft gesehen, die in die Irre führt. Als Fantasie, als Flucht aus der Realität, als Unfähigkeit, sich mit der Welt zu konfrontieren.

Verstand, Urteilskraft und Vernunft stehen deshalb ganz vorne, die Einbildungskraft derweil weit hinten. Aber nicht nur die Einbildungskraft führt zu Illusionen, Trugbildern, Wunschträumen. Auch der Verstand und das eigene Urteil sind von Ungewissheiten und einer gewissen Blindheit geprägt. Denn im Leben wird Unbekanntes immer auf Bekanntes zurückgeführt. Besonders in Beziehungen ist es manchmal hilfreich, die Einbildungskraft einzuschalten. Die Vorstellungskraft, dass es in diese oder jene Richtung weitergehen könnte, ermöglicht es, dass Erwartungen und Entsagungen in der Schwebe bleiben.

Was man schweben lässt, ist noch formbar, nicht definitiv. Darin liegt die Chance, dass Unbekanntes einfliesst, neue Wahrheiten, andere Empfindungen. Die Einbildungskraft wird dadurch zu einem Türöffner – im Gegensatz zum Verstand mit seinem Urteil. Wer sich mit der Einbildungskraft einlässt, kann offene Fragen in der Schwebe lassen, beobachten, überlegen, abwarten, bis die Sicht auf eine höhere Wahrheit frei wird. Die Einbildungskraft verhilft damit zur Entfaltung. Vielleicht liegt darin der Grund, dass die Einbildungskraft leicht Misstrauen erweckt. Im Gegensatz zu der Annahme, sie sei eine Wirklichkeitsverleugnung, ist sie eine schöpferische Kraft, um den Willen am vorschnellen Handeln und Urteilen zu hindern, was in Beziehungen oft toxische Wirkungen hat.

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