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Psychologen und Psychotherapeuten diskutieren seit einiger Zeit über die Folgen der Corona-Massnahmen. Denn die Umwälzung im Alltagsleben hinterlässt tiefe Spuren beim Wohlbefinden. In Japan haben sich im vergangenen Monat mehr Menschen umgebracht, als im ganzen Jahr am Coronavirus gestorben sind.

von Sara Huber

Experten haben davor gewarnt, dass die Pandemie zu einer Krise der psychischen Gesundheit führen könnte: Massenarbeitslosigkeit, soziale Isolation und Angstzustände belasten die Menschen – vor allem in Japan. Im Oktober hat die Zahl der Selbstmorde in Japan die Zahl aller Corona-Todesfälle seit Beginn der Pandemie übertroffen. Laut Statistiken haben sich im vergangenen Oktober 2153 Menschen das Leben genommen. Das sind mehr, als seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie am Coronavirus gestorben sind.

 

Bisher sind nach den neuesten Daten der Johns Hopkins University in Japan 2087 Menschen am Virus gestorben. «Menschen, die in die Isolation gezwungen werden, wünschen sich soziale Interaktionen in ähnlicher Weise wie ein hungriger Mensch, der Nahrung sucht», erklärt Rebecca Saxe, Professorin für Kognitions- und Gehirnwissenschaften am Massachusetts Institute of Technology in Boston (MIT). Sie ist Koautorin einer Studie über die Folgen von Isolation im Gehirn. «Unsere Ergebnisse bestätigen die intuitive Vorstellung, dass positive soziale Interaktionen ein menschliches Grundbedürfnis sind. Die akute Einsamkeit motiviert den Menschen dazu, das, was ihm fehlt, nachzuholen, ähnlich wie wenn man hungrig ist.» Die MIT-Forscher fanden heraus, dass nach einem Tag völliger Isolation der Anblick von Menschen, die gemeinsam Spass haben, dieselben Hirnregionen im Gehirn aktiviert, die aktiv werden, wenn jemand, der den ganzen Tag nichts gegessen hat, ein Nudelgericht sieht.

 

Diese Forschungsdaten wurden zwischen 2018 und 2019 gesammelt, bevor die Pandemie ausbrach. Sie sind Teil eines Programms, das untersucht, wie sozialer Stress die Einstellungen und Motivationen von Menschen beeinflusst. Viele Studien haben bereits die emotionale und psychologische Belastung durch die Isolation dokumentiert, doch fehlten bisher weitgehend die neurologischen Grundlagen. Getestet wurden Hochschulstudenten, die zehn Stunden lang in einem fensterlosen Raum auf dem MIT-Campus eingeschlossen waren. Sie konnten ihre Smartphones nicht benutzen, aber es gab einen Computer im Raum, mit dem sie die Forscher im Notfall kontaktieren konnten.

 

Das Essen wurde an die Tür geliefert. Am Ende der zehnstündigen Isolationsperiode unterzog sich jeder Teilnehmer einer tomografischen Untersuchung. Als Vergleichsanalyse wurde jede der 40 Testpersonen mit Personen verglichen, die zehn Stunden gefastet haben. Das Interesse der Wissenschaftler konzentrierte sich auf den Teil des Gehirns, der Substantia nigra genannt wird, ein Kernbereich im Mittelhirn. Dieses Gebiet wird mit dem Verlangen nach Nahrung und Drogen in Zusammenhang gebracht. In beiden Fällen waren die Testpersonen hungrig nach Ernährung oder sozialen Interaktionen.

 

Diejenigen, die zum Beispiel erklärten, dass sie sich vor der Studie monatelang chronisch isoliert gefühlt hätten, zeigten eine geringere Aktivierung als diejenigen, die ein besonders reiches und befriedigendes Sozialleben dokumentiert hatten. Erstere waren irgendwie weniger hungrig als diejenigen, die plötzlich in die Isolation katapultiert wurden.

 

Hunger und Isolation aktivierten auch andere Bereiche des Gehirns. Dies deutet darauf hin, dass diese Hirnregionen stärker darauf spezialisiert sind, auf verschiedene Arten von Isolation zu reagieren, während die Substantia nigra alle zusammenzufassen scheint. Das könnte ein Weckruf für verschiedene Arten von Mängeln, physiologischer oder sozialer Art, sein, die in Bezug auf die menschlichen Bedürfnisse gleich wichtig sind. Die Substantia nigra könnte somit auch Kurzschlussreaktionen auslösen.

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