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Elektronische Patientendossier
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Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen, Behandlungssicherheit für Patientinnen und Patienten: Das elektronische Patientendossier (EPD) soll die Spirale der ständig wachsenden Gesundheitskosten durchbrechen, ohne dass Kranke auf Leistungen verzichten müssen.

Ein Jahr nach der vorgesehenen Einführung aber sind die Vorbereitungen immer noch nicht abgeschlossen. Schuld daran ist nicht nur die Pandemie. 

von John Micelli

Die Spitäler hätten derzeit andere Prioritäten, räumt Richard Patt, Geschäftsführer von eSanita, ein. Zum Verein mit seinen rund 140 Mitgliedern Spitäler, Psychiatrien und Rehabilitationskliniken, Alters- und Pflegeheime, Spitex-Organisationen, Apotheken, Ärzte und Therapeuten sowie Branchenverbände gehört die Stammgemeinschaft Südost, die in den Kantonen Graubünden, Glarus, St. Gallen sowie Appenzell Inner- und Ausserrhoden das EPD bereitstellt und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, insbesondere im Bereich des Datenschutzes und der Datensicherheit, garantiert.

Denn wie bei der E-ID, die die Stimmbevölkerung am 7. März wuchtig verworfen hat, obliegt es auch beim EPD nicht staatlichen Akteuren, die Infrastruktur zu betreiben, auf der sich Bürgerinnen und Bürger registrieren können, und wo Untersuchungsbefunde, Behandlungsberichte, Medikation und anamnestische Angaben von den behandelnden Fachkräften zentral erfasst und gespeichert werden. Sieben solcher Stammgemeinschaften warten derzeit auf den Abschluss ihrer Zertifizierung, zwei neben eSanita auch emedo im Kanton Aargau verfügen bereits über alle notwendigen Dokumente. Als weitere Hürde auf dem Weg zur konkreten Umsetzung aber erweist sich im Frühling 2021 die Einrichtung der Eröffnungsstellen für Patientinnen und Patienten.

Denn online eröffnen lassen wird sich das elektronische Patientendossier vorerst nicht. Wer seine Gesundheitsdaten Behandlerinnen und Behandlern elektronisch zur Verfügung stellen möchte, muss das analog und persönlich erledigen: Im Aargau beispielsweise (vorerst) in den Poststellen von Aarau oder Baden, in Graubünden neben den Poststellen auch in 25 Spitälern oder Kliniken, wo derzeit die entsprechenden Abläufe eingeübt werden, um von Anfang an eine reibungslose Dossiereröffnung gewährleisten zu können. Nicolai Lütschg, Geschäftsführer der Stammgemeinschaft eHealth Aargau, räumt gegenüber dem Fachportal Medinside ein, dass der Zeitbedarf für diese Vorbereitungen zu optimistisch eingeschätzt worden sei.

Noch im Dezember des vergangenen Jahres wurde ein Start des EPD im Aargau im Januar 2021 in Aussicht gestellt. Mittlerweile spricht Lütschg von «bald» − allerdings ohne ein genaues Datum zu nennen; er wolle nicht nochmals falsche Hoffnungen wecken. Patt von eSanita bestätigt auf Anfrage eine Meldung des Bündner Tagblatts, wonach im Südosten die Bevölkerung im Herbst 2021 ihr freiwilliges, persönliches EPD eröffnen könne. Eine konkrete Prognose für den Abschluss dieser Arbeiten bei weiteren Stammgemeinschaften sei dagegen nicht möglich, vermeldete die Kompetenz- und Koordinationsstelle eHealth Suisse im Auftrag von Bund und der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren in ihrer letzten Medienmitteilung.   

 

Ohne genaues Datum
Noch im Dezember des vergangenen Jahres wurde ein Start des EPD im Aargau im Januar 2021 in Aussicht gestellt. Mittlerweile spricht Lütschg von «bald» − allerdings ohne ein genaues Datum zu nennen; er wolle nicht nochmals falsche Hoffnungen wecken. Patt von eSanita bestätigt auf Anfrage eine Meldung des Bündner Tagblatts, wonach im Südosten die Bevölkerung im Herbst 2021 ihr freiwilliges, persönliches EPD eröffnen könne. Eine konkrete Prognose für den Abschluss dieser Arbeiten bei weiteren Stammgemeinschaften sei dagegen nicht möglich, vermeldete die Kompetenz- und Koordinationsstelle eHealth Suisse im Auftrag von Bund und der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren in ihrer letzten Medienmitteilung.   
Komplexe Strukturen
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Denn mit der Zertifizierung der Stammgesellschaften sind zwei Organisationen betraut: neben der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG auch die nicht gewinnorientierte Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme (SQS). Der KPMG wird nachgesagt, sie nehme es nach dem Postautoskandal, in dem sie als Revisionsgesellschaft keine gute Falle machte, etwas gar genau. Die SQS dagegen unter anderem zuständig für die Stammgesellschaft XAD wartet selbst noch auf ihre Akkreditierung durch die Schweizerische Akkreditierungsstelle (SAS), die beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO angesiedelte zuständige Bundesbehörde.

«Das Zertifikat ist gedruckt, befindet sich aber in der Schublade der SQS. Ich habe keine Ahnung, wann wir loslegen können», klagt Axsana-Geschäftsführer Samuel Eglin. Als Verwalterin der EPDs im Gebiet der XAD-Stammgesellschaft soll die Axsana AG dereinst die Daten von Patientinnen und Patienten aus 14 Kantonen betreuen von Schaffhausen bis Bern und von den beiden Basel bis Uri. In diesen Regionen wird in erster Linie in Apotheken ein Dossier eröffnet werden können. Bis zu einem flächendeckenden Netz aber ist es auch in der Nord- und Zentralschweiz noch ein langer Weg: Vorerst will die Axsana in Zürich, Biel, Solothurn und Liestal je einen Vertragspartner suchen.

Die Einrichtung von Eröffnungsstellen in allen beteiligten Kantonen und eine weitere Verdichtung des Netzes sollen anschliessend schrittweise erfolgen. Dass aber trotz abgeschlossener Zertifizierung noch nicht losgelegt werden konnte, liegt am unfallbedingten Ausfall des zuständigen Fachexperten bei der SAS, wie der Bundesrat in einer Stellungnahme am 24. Februar bestätigte. Der SVP-Nationalrat und vormalige Parteipräsident Albert Rösti hatte sich in einer Interpellation nach den Gründen für den «auch heute noch schleppenden und komplizierten Verlauf der Zertifizierungsverfahren» erkundigt, worauf die Landesregierung «eine geringe Verzögerung von vier Wochen» einräumte.

Zertifizierung
Auf ihrer Website h
ält eHealth Suisse den Abschluss der Zertifizierung «im Frühjahr 2021» für zwei weitere Stammgesellschaften Cara in den Kantonen Fribourg, Genf, Jura, Waadt und Wallis sowie Dossier électronique du patient Neuchâtel im Kanton Neuenburg weiterhin für möglich.

Tessinerinnen und Tessiner aber drohen zum Schlusslicht zu verkommen: Zwar verkündete der Verein eHealth Ticino schon 2019 erfreut den Abschluss eines Zusammenarbeitsvertrags mit der Schweizerischen Post. 2021 aber wagt niemand eine Voraussage über den Projektstart südlich der Alpen.  

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