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Man kann einem Hilfswerk spenden, ohne etwas von seinem Besitz zu verlieren. Es handelt sich um ein zeitverschobenes Geben durch eine letztwillige Verfügung. Der Vermögensteil geht dann erst nach dem Tod an die Organisation.

von Anton Ladner

Der Tod kommt sehr selten rechtzeitig. Oft ist er viel zu früh, was bei den Hinterbliebenen grosse Schmerzen verursacht, oder er stellt sich einfach nicht ein, obschon er dringend erwartet wird. Aber sicher ist, früher oder später trifft es jeden Menschen. Einige davon wollen ihr Lebensende zum Glücksfall für eine wohltätige Institution machen. Sie berücksichtigen ein Hilfswerk in ihrem Testament. 2018 flossen so aus Legaten 151 Millionen Franken Schweizer Hilfswerken zu bei einem Spendenvolumen von 1,81 Milliarden Franken. Zuwendungen aus letztwilligen Verfügungen sind heute für humanitäre Organisationen eine fixe Einnahmequelle. Liegenschaften, Bilder, Schmuck, Bargeld, Sammlungen – alle Vermögenteile können Gegenstand eines Legates sein. Aber die Möglichkeiten des Gebens nach dem eigenen Tod sind noch vielfältiger. Eine Übersicht:

Die Schweiz gehört zu den Ländern mit der höchsten Versicherungsdichte. Die Absicherung gegen allfällige Schäden ist umfassend: Hausratversicherung, Gebäudeversicherung, Haftpflichtversicherung, Autovollkaskoversicherung, Krankenzusatzversicherung oder Rechtsschutzversicherungen. Das gilt auch für die Absicherung nach der Erwerbstätigkeit. Zwei obligatorische Versicherungen ermöglichen ein Altwerden auf mehr oder weniger gleichem Lebensstandard wie während der Berufstätigkeit. Die Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV) sowie die Pensionskassen sichern auch im Todesfall Partner und Kinder mit einer Witwen-, Witwer- und Halbwaisenrente ab.

Risikoversicherung
Stirbt der Versicherte bei einem Unfall, greifen in der Regel noch weitere Versicherungen. So haben Versicherer auch reine Lebensrisikoversicherungen im Angebot, die den Todesfall mit einer vorbestimmten Summe versichern. Im Gegensatz zur Lebensversicherung beinhaltet die Prämie für die Lebensrisikoversicherung keine Sparkomponente. Die Prämie ist somit eine reine Risikoprämie, weshalb die Versicherungsgesellschaft nur im Todesfall eine Leistung erbringt. Die Lebensversicherung beinhaltet neben der Lebensrisikoversicherung derweil auch einen Sparteil. Nach Ablauf der vorbestimmten Versicherungsdauer wird eine Summe ausbezahlt, die sich je nach der Ausgestaltung des Vertrages richtet (Zinssparen, Aktiensparen etc.) Stirbt der Versicherungsnehmer während der Vertragsdauer, wird die vorbestimmte Summe für den Todesfall ausbezahlt, unabhängig von der Dauer der Prämienzahlungen. Bezahlt man ein Ticket mit einer Kreditkarte, beinhaltet die Transaktion in der Regel auch eine Reiseunfallversicherung für Tod und Invalidität. Bei Tod während des Transports geht diese Pauschalsumme, die je nach Karteninstitut und Kartenvertrag variiert, an die Erben des Verstorbenen. Auch Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern eine ähnliche Zusatzversicherung für Unfalltod, deren Prämien sich nach der Höhe des Todesfallkapitals richten.

Vermächtnis für ein Hilfswerk
Im Rahmen der frei verfügbaren Quote kann im Testament oder im Erbvertrag über den nicht pflichtteilgeschützten Anteil frei zugunsten einer oder mehrerer humanitärer Organisationen verfügt werden. Mit einem Vermächtnis (auch Legat genannt) können die Bedachten am Nachlass des Verstorbenen beteiligt werden, ohne eine Erbenstelle einzunehmen. Denn ein Vermächtnis begründet keine Erbeneigenschaft des Begünstigten, sondern nur einen Anspruch gegenüber den Erben auf Herausgabe des Vermögensbestandteils. Ein Vermächtnis verletzt den Pflichtteil, wenn es der Höhe nach die verfügungsfreie Quote übersteigt. In diesem Fall müssen die Erben ihren Pflichtteil auf dem Rechtsweg geltend machen. Wer im Testament einen festen Betrag zugunsten einer Organisation einsetzt, geht das Risiko ein, durch einen Vermögensverzehr über die Jahre bei Nachlass allfällige Pflichtteile zu verletzen.

Das Testament
Das Testament ist eine Verfügung, die den Erbfall regelt und deshalb als Verfügung von Todes wegen bezeichnet wird. Es handelt sich um eine einseitige, formbedürftige, jederzeit widerrufbare Willenserklärung des Erblassers über sein Vermögen. Diese Willenserklärung entfaltet erst nach dem Tode des Erblassers ihre Wirkung. Eine andere Form der Verfügung von Todes wegen ist der Erbvertrag. Der Schweizer Gesetzgeber hat drei Arten von Testament verankert: öffentliches Testament mit Errichtung vor einer Urkundsperson unter Mitwirkung zweier Zeugen (ZGB 499 ff.), eigenhändiges Testament (handschriftliche Niederschrift mit Datum und Unterschrift des Erblassers, ZGB 505) und Nottestament aufgrund ausserordentlicher Umstände wie Todesgefahr vor Zeugen (ZGB 506 ff.).

Im Testament frei verfügbares Geld
Bei diesen Versicherungen fliesst also Geld nach dem Tod. Was viele aber nicht wissen: Bis auf die Lebensversicherung mit Sparanteil kann man über diese Summen bei einer letztwilligen Verfügung, also im Testament, frei verfügen. Der Grund: Der Gesetzgeber geht davon aus, dass solche Leistungen nicht zur Erbmasse gehören. Denn nur ein Unfalltod generiert dieses Kapital. Bei der Lebensversicherung mit einem Sparteil und Risikoteil (deshalb gemischte Lebensversicherung genannt) entsteht auf den Sparteil ein Rückkaufswert. Dieser Rückkaufswert ist zu ermitteln und der Erbmasse anzurechnen, um den Pflichtteilen zu entsprechen. Die Differenz zwischen Versicherungsleistung minus Rückkaufswert fällt aber nicht in die Erbmasse und ist wiederum frei verfügbar. Aber das funktioniert natürlich nur, wenn entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Zum Beispiel ein datiertes und unterzeichnetes Schreiben an das Kreditkarteninstitut, die Krankenkasse oder die Versicherungsgesellschaft mit dem Wunsch, dass bei einem Todesfall die Versicherungsleistung oder ein Teil davon an die Organisation X oder Y zu überweisen sei. Einzelne Versicherungsgesellschaften haben dafür spezielle Formulare. Oder man verfügt in einem Testament für diese Eventualität zugunsten der Organisation X oder Y.

AHV und Pensionskasse
Bei AHV und Pensionskasse besteht im Todesfall keine Verfügungsmöglichkeit. Überlebende Ehepartner sowie minderjährige oder studierende Kinder bis 25 Jahre erhalten eine Rente. Ebenso von dem oder der Versicherten in erheblichem Masse unterstützte Personen oder Personen, mit denen er/sie in den letzten fünf Jahren bis zum Tod eine Lebensgemeinschaft geführt hat, oder die Person, die für eines oder mehrere gemeinsame Kinder aufkommen muss. Bei der überobligatorischen beruflichen Vorsorge, es handelt sich dabei um eine Zusatzversicherung meist für überdurchschnittlich verdienende Arbeitnehmer, gilt das ebenso.Anders sieht es aber bei der gebundenen Vorsorge 3 a aus. Stirbt der Inhaber eines 3a-Kontos vor seiner Pensionierung, wird die Leistung gemäss Erbrecht ausbezahlt. Sind keine Pflichtteile geschützten Erben vorhanden, kann darüber frei verfügt werden.

Immobilien und bewegliche Vermögen
Wer stirbt und über eine Wohnung oder ein Haus verfügt, in dem eine nahestehende Person weiterwohnen soll, kann dennoch nach dem Ableben dieser Person über die Immobilie verfügen. Man kann im Grundbuch ein Hilfswerk als Nacherben eintragen, so kann die nahestehende Person das ganze Leben lang die Liegenschaft nutzen (aber nicht verkaufen oder vererben). Bestehen allerdings Ansprüche pflichtteilsgeschützter Erben, kann über die Immobilie nur frei verfügt werden, wenn die Pflichtteile dadurch nicht tangiert werden. Denn wer zu Lebzeiten über sein Vermögen verfügt und einen Ehepartner und/oder Kinder hat, bleibt in seiner Verfügungsfreiheit eingeschränkt. Sie soll aber mit der anstehenden Erbrechtsrevision voraussichtlich ab 2021 gelockert werden (vgl. Kasten). Bei einer Pflichtteilsverletzung geschieht direkt nichts, pflichtteilsgeschützte Erben können jedoch die Verfügung anfechten und ihre Ansprüche gerichtlich durchsetzen.

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