Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Im Winter ziehen die Berge mit den Skifahrern Menschen an, die ihnen im Sommer fernbleiben. Doch die Berge lösen nicht nur durch das Pistenvergnügen eine tiefe Faszination aus. Eine ungewöhnliche Spurensuche nach den Gründen.

von Carl Meissen

Für die Faszination der Berge hat der Soziologe Hartmut Rosa, Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, eine beeindruckende Erklärung. «Die Berge werden für uns zu so etwas wie einem Resonanzraum, wo wir etwas Eigengesetzlichem, Anderem begegnen. Und in dieser Begegnung bildet sich so etwas wie eine Achse heraus zwischen unserem Innersten, von dem wir das Gefühl haben, das können wir da endlich wieder spüren, und diesem grossen weiten Raum der Berge, dem wir gegenüberstehen. Dieses Gegenüberstehen ist eben nicht nur ein reines Echo, sondern ist Resonanz, weil wir versuchen, auf die Natur, auf das Andere, auf die Berge oder vielleicht auch auf den Bach zu hören und dabei auch uns selber – sozusagen antwortend – ins Spiel zu bringen.» Führt man die Gedanken von Hartmut Rosa weiter, kommt man zum Schluss, dass bei dieser «Resonanz»-Erfahrung weitere Elemente hineinspielen, die auf diese oder jene Weise Menschen tief berühren.

Winterberge als Ort der Märchen:

Wohl jeder Mensch ist während der Kindheit Zwergen, Feen oder andern Fantasiewesen begegnet, die irgendein Schicksal in verschneiten Bergen erlebt haben. In den Bergen ist es leicht, sich an Märchen zu erinnern und vielleicht auch wieder an die Kraft der Fantasie zu glauben.

Winterberge schaffen Gemeinsamkeit:

Berge lösen Unterschiede in Status und sozialer Klasse auf. Man begrüsst sich, kommt hier und dort ins Gespräch, denn auf dem Skilift sind alle Menschen irgendwie gleich. Und während man an Tannen vorbei in die Höhe schwebt, wird ein Respekt gegenüber der prachtvollen Natur spürbar. Bei Wind und eisiger Kälte stärker als bei blauem Himmel mit praller Sonne.

Winterberge fordern das Maximum:

Winterberge fordern den Körper heraus. Die Höhe und die Kälte setzen der Leistungsfähigkeit zu. Man muss die Gegebenheiten respektieren, sonst gerät man in Not. Die eigenen Grenzen werden spürbar, sei es auf der steilen Piste nach unten fahrend, sei es nach einem heftigen Sturz, sei es allein durch Wind und Kälte. Man muss auf die Natur hören und sich unterordnen.

Winterberge zwingen zu wenigen Worten:

Die Bedingungen am Berg erlauben keine Wortschwalle. Vor allem, wenn kein gutes Wetter herrscht. Nur für das Wesentliche bleibt Zeit. Freundliche Worte klingen lange nach, Zuwendungen werden tiefer empfunden. Weniger wird mehr.

Winterberge zwingen zum Ich:

In den Bergen funktioniert das Mobiltelefon schlecht oder gar nicht. Man ist ganz auf sich selbst zurückgeworfen. Es gibt kein Entweichen aus der Bergpräsenz. Das ist die Essenz des Seins in den Winterbergen.

Winterberge eröffnen eine Naturbeziehung:

Es fällt schwer, die Natur in den Bergen nicht zu lieben. Man ist ihr in so einer intensiven Weise ausgesetzt, dass man sie nicht ignorieren kann. Man muss sich auf sie einlassen, was Beziehung schafft. Je höher man gelangt, desto ergreifender die Aussicht. Sie offenbart neue Perspektiven.

Winterberge entlassen glücklich:

Wer zurückkehrt aus der Höhe nach Skifahren oder Schneewandern, ist erfüllt von der Natur. Die Wärme, die in die Glieder zurückkehrt, wird als wunderbares Ereignis empfunden. Und am Abend macht sich im Körper eine Mattheit breit, die einen selig schlafen lässt.

Share This