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Die Zwangsschliessungen machen nicht nur die Menschen traurig. Mehrere Fische im Aquarium von Cairns in Australien zeigen Anzeichen einer echten Depression, nachdem die Anlage Mitte März wegen der COVID-19-Pandemie für die Öffentlichkeit geschlossen wurde.

 von Florian Fink

Lethargisch und desinteressiert, lautet der Befund der Meeresbiologen, die sich um die Fische im Aquarium von Cairns kümmern. Den Grund sehen die Experten in den fehlenden Interaktionen mit den Besuchern, die nun seit Wochen fehlen. In der Folge haben sich einige der Fische in die dunklen Ecken zurückgezogen. Sie haben sich verkrochen. Der Zackenbarsch mit dem Namen Chang hat nach der Schliessung fürs Publikum sogar mehrere Wochen nichts mehr gefressen. Paul Barnes, Meeresbiologe und Kurator des Cairns-Aquariums, erklärte gegenüber dem australischen Fernsehsender ABC News, dass Fische neugierige Tiere seien, die es schätzen würden, zu beobachten und zu erforschen. Schon die blosse Anwesenheit von Menschen, die vor ihren Becken passieren, sei für die Fische eine Form der Anregung. «Selbst wenn die Menschen es nicht realisieren, sehen die Fische aus dem Aquarium heraus die Menschen, die sie auch beobachten.» Fische, so Barnes weiter, würden sich an den Farben der Kleidung, aber auch an den Gesichtern der Menschen erfreuen.

Deshalb beschloss er, einen Taucher zu beauftragen, mit den Fischen in den Becken zu schwimmen. Als Animator leistet er den Fischen Gesellschaft, um ihnen zu helfen, die Depression zu überwinden. Denn wie lange die Aquariumsbesucher noch ausbleiben, ist derzeit noch ungewiss. Julian Pittman von der Universität Troy hat bereits vor drei Jahren in der New York Times die Erkenntnis publiziert, dass die Neurochemie der Fische jener der Menschen sehr ähnlich sei. So wie Menschen depressiv werden, würden auch bei Fischen der Serotonin- und Dopaminspiegel schwanken und die Stimmungen beeinflussen. Ein depressiver Zustand ist bei Tieren mit der Abnahme des Interesses an angenehmen Aktivitäten messbar. Wissenschaftler beurteilen Depressionen bei Tieren auch danach, wie sehr sie das Fressen schätzen und wie sehr sie an sexueller Aktivität interessiert sind. Sie beobachten zudem deren sozialen Interaktionen und Schlaf. Nach Ansicht von Meeresbiologen können vor allem die grösseren Fischarten soziale Bindungen mit Menschen eingehen, was ihre Stimmung beeinflusse. «Im Gehirn eines Fisches steckt viel mehr», sagt Richard Fitzpatrick, Meeresbiologe an der James-Cook-Universität in Cairns, «als die meisten Menschen erwarten würden.»

 

Erstes Gezeitenbecken der Welt

Das Cairns-Aquarium wurde 2017 eröffnet und beherbergt mehr als 16 000 Tiere in zehn unterschiedlichen Ökosystemen. Die 33 Millionen Franken teure, 7800 Quadratmeter grosse, dreistöckige Anlage in Queensland umfasst 71 Becken. Darunter befinden sich Australiens grösstes Süsswasserbecken mit 400 000 Liter Wasser, ein Tiefseebecken und das erste echte Gezeitenbecken der Welt. Es ist das einzige Aquarium seiner Art, in dem gefährdete oder selten gesehene endemische Arten gezeigt werden.

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