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«Die einzig wirklichen Feinde eines Menschen sind seine eigenen negativen Gedanken.» Das Zitat von Albert Einstein ist sinnstiftend für die ganze Serie «Feindbilder». Feindbilder sind nämlich nicht in Stein gemeisselt, sondern ein Konstrukt unserer eigenen Gedanken, Einstellungen und Ängste. Gewisse Feindbilder halten sich aber äusserst hartnäckig. Dazu gehören auch «Mann» und «Frau». Zwei unterschiedliche Modelle der gleichen Machart, seit Jahrhunderten miteinander im Clinch.

von Flavia Müller

Adam und Eva, gemäss der Bibel das erste Menschenpaar und somit Stammeltern der Menschheit, lebten glücklich im Paradies, im Garten Eden. Es mangelte ihnen an nichts. Und dann kam die Schlange. Eva konnte ihr nicht widerstehen und biss in den verbotenen Apfel vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Gott stellte sie zur Rede, woraufhin Adam die Schuld Eva zuschrieb und Eva der Schlange. Beide wurden in der Folge aus dem Paradies vertrieben.

Feindbild Frau
Genauso alt wie diese Geschichte sind auch der Hass und die Angst gegenüber Frauen. Die Frau wurde ihr zufolge aus einer Rippe des Mannes erschaffen. Damit wurde schon damals klar die Stellung der Frau definiert: Sie ist abhängig vom Mann, da sie ohne ihn ja nicht existierte. Sie trifft auch die Schuld am Sündenfall, an der Vertreibung aus dem Paradies. Bezeichnenderweise ist auch die Schlange mit einem weiblichen Pronomen versehen. Rein biologisch betrachtet ist die Frau aber nicht so anders als der Mann. Beide sind Homo sapiens, verfügen über dieselbe Anzahl Knochen und das gleiche Nervensystem. Einzig bei den Chromosomen und Hormonen gibt es Unterschiede, die dann auch dafür verantwortlich sind, ob wir uns als Mann oder Frau identifizieren.

Einer der grössten Unterschiede zwischen Mann und Frau ist die Kraft − und damit das männliche Sexualhormon Testosteron. Der Testosteron-Spiegel einer Frau ist nämlich um das Zehn- bis Zwanzigfache niedriger. Das Hormon ist beteiligt am Aufbau von Muskelgewebe und Muskelmasse, es lässt die Muskeln von Männern grösser und breiter werden, und mehr Muskelmasse bedeutet mehr Kraft. Die Muskeln einer Frau enthalten zudem weniger Mitochondrien als die eines Mannes – und produzieren somit weniger Energie. Weiter sind Frauen leichter als Männer, im Schnitt 14 bis 18 Kilogramm. Nebst der geringeren Muskelmasse sind die Knochen der Frauen weniger dicht und damit leichter.

Das schwache Geschlecht
Seit jeher rechtfertigen sich die Herren der Schöpfung mit diesem für sie gewichtigen Vorteil. Die Frau, das schwache Geschlecht, brauche den Mann an ihrer Seite, der sie beschütze. Schon bei den Neandertalern war der Mann der Jäger und die Frau die Sammlerin. Der Mann versorgte die Familie, die Frau schaute auf die Kinder und kümmerte sich ums Feuer. Der Mann definierte sich oftmals durch diese «Rolle».

Rund zwei Millionen Jahre später ist diese Weltanschauung aber noch immer tief in uns verankert, beim Mann wie auch bei der Frau.

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Wir Frauen kämpfen nach wie vor für die Gleichberechtigung in allen Situationen – gesellschaftlich, finanziell, rechtlich. Und genau dies triggert bei vielen Männern die urzeitliche Anmutung, der Mann sei überlegen und müsste den Ton angeben, sagen, wo es langgeht – weil es doch schon immer so war. Es schwingt dabei eine Angst mit. Angst, Schwäche zu zeigen. Angst, das Gesicht zu verlieren oder die Macht «abzugeben».

Seit Tausenden von Jahren zeigte der Mann der Frau klar auf, wo ihr Platz zu sein hatte. Frauen hatten – politisch gesehen – lange Zeit gar nichts zu sagen, standen allenfalls beratend zur Seite. Die Macht lag immer bei den Herren – beim König, beim Bischof, beim Bürgermeister. Frauen waren selten gleichberechtigte Partner. Geheiratet wurde nicht aus Liebe oder Respekt, sondern zu wirtschaftlichen Zwecken. Frauen, die aus diesen Mustern ausbrechen wollten, sich erlaubten, eine eigene Meinung zu haben, wurden als Hexen bezeichnet, gefoltert und getötet. Die letzte europäische Hexe, die Schweizerin Anna Göldin, wurde im Juni 1782 hingerichtet. Doch das letzte offizielle Urteil in einem Hexenprozess erfolgte während des Zweiten Weltkrieges.

Helen Duncan plauderte während einer Séance militärische Geheimnisse aus, die sie eigentlich nicht hätte haben dürfen. Obwohl das Anti-Hexerei-Gesetz seit 1735 in Grossbritannien nicht mehr praktiziert wurde, war es noch rechtsgültig. Der englische Geheimdienst nutzte dies und verurteilte Helen 1944 zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe. Erst sechs Jahre später wurde dann endlich dieses Gesetz abgeschafft. Andere Länder jedoch kennen noch immer solche Gesetze, teilweise aktiv, teilweise einfach noch nicht abgeschafft – ähnlich dem Gesetz über die Todesstrafe. 1996 wurden zum Beispiel in der Nordprovinz Südafrikas noch 300 Hexen vor lokale Tribunale gestellt und hingerichtet.

Die Angst vor der selbstständigen, unabhängigen Frau ist aber auch in unseren Breitengraden noch immer sehr präsent. Man nehme nur mal das Frauenstimmrecht. In der Schweiz – als eines der letzten europäischen Länder – erhielten die Frauen erst vor 50 Jahren das Recht, mitzubestimmen. Auch finanziell werden die Frauen noch immer weniger entlöhnt als Männer in der gleichen Position. Gerechtfertigt wird dies mit den möglichen Absenzen der Frau aufgrund einer Schwangerschaft. Der Mann aber ist bis Mitte, Ende 30 jedes Jahr ein bis zwei Wochen weg – im WK des Militärs oder Zivildienstes – bezahlt.

Seit rund zehn Jahren gesellen sich dazu Gruppen wie die «Männer, die ihren eigenen Weg gehen» (Men going their own way, MGTOW). Diese Männer halten sich häufig für stark, maskulin, diszipliniert und gutaussehend. Nach ihrem Verständnis sind Frauen grundsätzlich untreu, egoistisch und manipulativ – und würden ihre Rechte stets zu ihrem Vorteil ausüben. Sie sehen wenig Sinn in romantischen Beziehungen, sondern reduzieren Frauen nur auf das eine. Feminismus betrachten sie als die Ursache für den Geburtenrückgang und dieser ist somit für sie der Sündenbock für die ebenfalls ungeliebte Massenimmigration. So werden Frauenhass und Fremdenhass verknüpft und gegenseitig gerechtfertigt.

Dem stellen sich Männer entgegen, die sich stark machen für eine geschlechtergerechte Gesellschaft. Männer.ch, der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisation, setzt sich seit Jahren für eine Besserstellung der Väter und für eine Gleichberechtigung in der Sorgerechtsfrage ein. Denn hier liegt der Vorteil klar noch bei den Frauen. Auch der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub, den die Väter seit diesem Jahr beziehen können, ist ein Schritt in diese geschlechtergerechte Gesellschaft.

Feindbild Mann
Vonseiten der Frauen werden solche Bemühungen oft als «Imitieren der Emanzipationsbemühungen» abgetan. Es scheint, dass sich viele Frauen noch immer gerne in der «Opferrolle» sehen – denn so bleibt ihnen das «Recht», gegen die Männer vorzugehen. Aus politischer Sicht ist dies gar nicht so verkehrt – die Opposition hat meist mehr Möglichkeiten, etwas zu erreichen, als die regierende Partei. Im «Geschlechterkampf» verlieren aber oft beide Seiten.

Historisch betrachtet war die Frau stets das Opfer und weniger wert als der Mann. Sie – Eva – wurde aus einem Teil des Mannes «gefertigt».

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Sie war schuld an der Vertreibung aus dem Paradies. Die Männer liessen dies (und lassen teilweise noch immer) die Frauen durchaus spüren und spielten ihre Macht aus. Tatsache ist aber, dass die Frauen leider in den meisten Fällen noch immer das Opfer sind. Klar, es konnte viel erreicht werden in den letzten Jahren. Frauen haben sich zusammengetan und organisiert. Gleichberechtigung ist allen ein Begriff, wenn auch noch immer nicht Realität. Heutzutage verrennt man sich aber etwas mit den Details, mit Gendersternchen, mit politisch korrekter Ansprache und und und. Dies führt bei vielen Männern (aber auch bei Frauen) dazu, dass die ganzen Bemühungen für eine geschlechtergerechte Gesellschaft etwas ins Lächerliche abdriften.

Demgegenüber stehen die lapidar als «Emanzen» abgestempelten Frauen, die sich mit etwas mehr Tatkraft zur Wehr setzen. Sie sind Organisatorinnen des Frauenstreiks, färben Brunnen rot ein, um auf Frauenthemen aufmerksam zu machen, oder schneiden den Männern die Krawatten ab. Alice Schwarzer war damals eine der Ersten, die sich lauthals bemerkbar machte. Die wohl bekannteste Feministin Europas verortet das Genderproblem in der Sexualität. Damit hat sie wohl nicht unrecht, denn auch heute noch ist dies das zentrale Thema. Man denke nur an die (sehr nötige) #metoo-Aktion, bei der Frauen weltweit erzählen, was ihnen widerfahren ist. Dies reicht von (für Frauen) Banalem und Alltäglichem wie «nicht in die Augen, sondern woandershin schauen» bis hin zu Vergewaltigungen. Aus Scham wurden und werden viele dieser Taten nicht angezeigt. Dass dies nun so öffentlich diskutiert wird, ist aber wichtig und richtig.

Jede Frau kennt das. Ihnen wird die Opferrolle eingeimpft. «Geh nachts nicht alleine durch die Strassen», hat uns schon unsere Mutter nahegelegt. Pfefferspray, Handy oder Schlüssel sind auch stets griffbereit, ist man doch mal alleine unterwegs. Und jede Frau kennt das Gefühl, «verfolgt» zu werden, wechselt die Strassenseite, sollte jemand hinter ihr laufen. Nennen wir sie hier Vera. Vera hatte einen Interimschef, der ihr nicht in die Augen schaute, sondern stets weiter unten hin, und der sie auch tatsächlich mal in die Backe gekniffen hat. Vera meldete dies umgehend bei der Personalchefin, die ihr lapidar mit einem «Du provozierst das halt» antwortete und Vera gleichzeitig die Kündigung überreichte.

Auch wenn solche Dinge leider noch immer häufiger vorkommen als allgemein angenommen, sind sie nicht korrekt und die Frauen tun gut daran, offen darüber zu sprechen. Da ist nichts, wofür sich eine Frau schämen müsste – im Gegenteil, der Mann als Täter muss sich dafür schämen – tut dies aber oft nicht. Im Zuge der #metoo-Bewegung kam auch sonst einiges ins Rollen. Die Frauen sind mutiger geworden und bringen auch Frauenthemen auf den Tisch, die man früher einfach mit «Igitt» abgetan hätte. Es wird über (notwendige) kostenlose Hygieneprodukte diskutiert, über die Übernahme von Verhütungsmitteln seitens der Krankenkasse (während z.B. Viagra den Männern bezahlt wird) und über monatliche freie Tage während den Tagen.

So werden drei freie Tage pro Monat gefordert, wenn man wegen starker Regelschmerzen nicht arbeiten kann. Was grundsätzlich eine schöne Idee ist, birgt aber auch viel Potenzial für weitere Diskriminierung. Zum einen leidet nicht jede Frau an solchen Schmerzen, Schwangere hätten während der Schwangerschaft auch kein Anrecht darauf und Frauen hätten vermutlich wieder massiv schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt – wer stellt schon jemanden ein, der jeden Monat drei Tage fehlen könnte? Vermutlich wird aus diesem Grund das Anliegen scheitern, dass das Thema aber breit diskutiert und damit Aufmerksamkeit geschaffen wird, ist aber ein grosser Erfolg.

Erfolg würden auch eine gleichberechtigte Erziehung und Ausbildung bringen. Dass man nicht den Mädchen beibringt, wie man durch das richtige Verhalten oder unauffällige Kleidung mögliche sexuelle Übergriffe verhindert, sondern dass man den Jungs schon von klein auf Respekt und Achtung gegenüber Frauen beibringt.

Ein Erfolg wäre es auch, wenn wir endlich lernen, dass weder der Mann noch die Frau der «Feind» ist, dass sich der Mann durch die Unabhängigkeit der Frau und ihre Fruchtbarkeit nicht bedroht fühlt und dementsprechend handelt und dass die Frau den Mann nicht generell nur als potenziellen Gewalttäter sieht. Denn eines ist gewiss, trotz aller Unterschiede sind wir alle eines: Menschen.

 

 

 

 

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