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Die Politik hats noch nicht begriffen, Teile von Kultur und Gesellschaft sind da schon weiter. Wenn der Klimawandel gestoppt werden und die Energiewende gelingen soll, dann ist heute und nicht irgendwann Engagement gefragt. Deshalb ist der Themenbereich Natur, Nachhaltigkeit und sparsamer Umgang mit Ressourcen ein Themenschwerpunkt an den Solothurner Filmtagen vom 24. bis 31. Januar.

Folgende Filme setzen sich schwerpunktmässig mit diesen Themen auseinander. Bleibt zu hoffen, dass auch ein paar Politiker im Publikum sitzen.

von Christine Schnapp

Legen Sie wieder mal Ihr Smartphone zur Seite. Gehen Sie in den Wald – am besten nachts. Dort hören Sie einfach nur zu und atmen. Spüren Sie, dass Sie und Ihr Körper ein Teil des Ganzen sind? Dass Sie wieder zum Tier werden in seinem natürlichen Umfeld? Falls Sie Angst haben nachts im Wald, dann ist Kino für Sie eine Alternative. Im Film «Becoming Animal» von Peter Mettler und Emma Davie erledigt nämlich die Kamera diese Aufgabe. Mal in der Dunkelheit, mal aus der Vogelperspektive und manchmal von ganz nah zeigt sie grasende Bisons, kommunizierende Raben, kriechende Schnecken und viel Natur. Es sind Aufnahmen, die einem nur vergönnt sind, wenn man geduldig auf spezielle Momente warten mag. Wer sich auf den Sog einlässt, den die Bilder und die Worte des Philosophen David Abram im Film entfalten, der wird daran erinnert, dass auch die Menschen nur ein gleichberechtigter Teil des grossen Ganzen sind und abhängig von den anderen Teilen.

Sinnvoller und fairer Handel

Eine Einladung zum stillen Schauen ist auch «Walden» von David Zimmermann. In Spielfilmlänge begleitet seine Kamera wortlos einen Stapel Holz vom österreichischen Wald in den Regenwald von Brasilien. Mit Lastwagen und Schiffen reist das Holz in diesem «slow down road movie», so der Untertitel, den der Regisseur seinem Werk gab, von einem holzreichen Ort der Erde rund um den halben Erdball zu einem anderen holzreichen Ort der Erde. Zimmermanns filmische Kritik am globalisierten Handel ist nichts für schwache Nerven. Diese Perversion 106 endlose Minuten lang auszuhalten und nicht wie sonst wegzuschauen, verlangt Durchhaltevermögen.

Kritisch mit Handel und Wirtschaft setzt sich auch der hoffnungsfrohe Film «Fair Traders» auseinander. Anhand von drei Unternehmerporträts zeigt Nino Jacusso, dass zukunftsträchtiges Wirtschaften möglich, aber nicht immer einfach ist, weil der Markt rundherum nach den alten Spielregeln spielt.

Dass es Menschen gibt, die im normalen Arbeitsmarkt keine Chance haben, machte die Inhaberin einer Marketing-Agentur, Sina Trinkwalder, so wütend, dass sie ihr prosperierendes Geschäft kurzerhand verkaufte und eine Schneiderei aufgebaut hat, in der Menschen mit wenig Bildung einen Arbeitsplatz auf Lebenszeit erhalten. Schon lange in der Textilbranche tätig ist der Garnhändler Patrick Hohmann, der bereits seit den 1990er-Jahren in Indien und Tansania gemeinsam mit der dortigen Bevölkerung faire Bio-Baumwolle produziert. Bio ist auch für Claudia Zimmermann wichtig. Die ehemalige Kindergärtnerin wollte mehr vom Leben und hat deshalb begonnen, mit ihrem Lebenspartner einen Bio-Bauernhof zu bewirtschaften. Daneben hat sie einen Bio-Hofladen aufgebaut, in dem die Bauern ihre Produkte zu anständigen Preisen verkaufen können und die Dorfbevölkerung einen neuen Treffpunkt gefunden hat.

Neue Technologien braucht das Land!

Die Energiepioniere im gleichnamigen Film von Samuel Stefan sind leider noch nicht so weit, dass sie ihre ambitionierten Ideen realisieren können. Sie sind im Gegenteil das fassungslos machende Beispiel dafür, dass es gute, machbare Ideen gibt für die Energiewende, diese es aber unglaublich schwer haben, Aufmerksamkeit und Geld zu erhalten. Gerade im Bereich erneuerbare Energien, in dem die beiden Pioniere tätig sind, ist der Kampf gegen die etablierten Technologien und ihre fossilen Brennstoffe einer gegen Windmühlen (haha). Dabei ist die Idee von ETH-Professor Hansjürg Leibundgut nun wirklich kein Hochrisikogeschäft. Leibundgut hat zusammen mit seinem Team ein Solarenergieheizsystem entwickelt, das Sonnenenergie in der Erde speichern kann. Eigentlich das, worauf man sehr so lange gewartet hat. Trotzdem erweist sich die Suche nach Geldgebern für diese Technologie als äusserst mühsam. Das Projekt von James Ehrlich, Professor an der Universität Stanford in den USA, der zweite Pionier, ist eine Nummer grösser. Er hat mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbstversorgende, energieautarke kleine Dörfer mit neuartiger Architektur entwickelt, von denen er gerne eines in Dänemark realisieren würde. Dass es für ein solches Projekt schwierig ist, Kapitalgeber zu finden, ist nachvollziehbar. Schade ist es trotzdem.

Den Balken im Auge nicht vergessen

Wieder ein bisschen fröhlicher geht es bei «Zwitscherland» von Marc Tschudin zu und her. Auf einer Rundreise durch die Schweiz, auf den Spuren von Schweizer Eigenheiten lernt man eine Fülle von – zumindest temporär – in diesem Land lebenden Vögeln und ihre Lebensumstände kennen. Dass es in der Schweiz (noch) so viele verschiedene Vögel in annähernd intakter Natur gibt und es möglich ist, all die flattrigen Gesellen mit einer Filmkamera einzufangen, überrascht und erfreut gleichermassen.

Eine Zerreissprobe für die Natur ist hingegen «Genesis 2.0» des Regisseurs Christian Frei. Auf einer kleinen Insel im Norden Sibiriens graben Männer im tauenden Permafrost nach Mammutstosszähnen, die sie je nach Zustand für viel Geld verkaufen können. Dabei stossen zwei von ihnen auf ein halbes Mammutbaby, das vom Eis mumifiziert worden ist. Das Muskelfleisch stinkt zwar, ist aber immer noch rot, und wenn eine Blutbahn angestochen wird, läuft eine rotbraune Flüssigkeit heraus. Das ist ziemlich unheimlich anzusehen, weckt bei den Männern, die auch Mammutforscher sind, aber sogleich Begehrlichkeiten. Wenn es gelänge, im Kadaver eine lebende Zelle zu finden, wäre es dann auch möglich, das Mammut zu klonen und wieder zum Leben zu erwecken?

Nicht im Film drin, sondern drumherum sind Nachhaltigkeit und natürliche Ressourcen schlussendlich beim Film «Zauberer» von Sebastian Brauneis ein Thema. Es ist der erste österreichische Film, der mit dem Österreichischen Umweltzeichen «Green Producing» ausgezeichnet wurde. Das Label attestiert der Produktion, dass beim Transport, bei den Abfällen und beim Catering Ressourcen nachhaltig eingespart wurden und klimafreundlich gearbeitet wurde. Dass «Green Producing» in der Filmindustrie allmählich ein Thema wird, ist begrüssenswert. Schliesslich ist es eine Branche, die auch dann sehr CO2-intensiv ist, wenn sie Nachhaltigkeit thematisiert.