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Im italienischen Lodi findet zum elften Mal das Festival für ethische Fotografie bis zum 26. Oktober statt. 80 Fotografen aus der ganzen Welt zeigen während eines Monats ihre Arbeiten. Gewählt wurden für die 22 Ausstellungen auch Aussenstandorte in Parks, Klöstern und Höfen.

von Lorenzo Ladner

Das Festival für ethische Fotografie wurde 2010 aus einer Idee der Fotogruppe Progetto Immagine geboren. Am Festival sollen Bilder zu sehen sein, die sich mit Inhalten von ethischer Bedeutung befassen. Die Fotografien wollen die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums auf vergessene, weit entfernte Realitäten lenken, die sonst unsichtbar bleiben. Ethisches Engagement also mit Bildern, die Bände sprechen. Bis zum 26. Oktober ist in Lodi aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu sehen, was das Leben bestimmt:

Aufnahmen von Waffenhandel, von den sozialen Probleme im Nordosten Englands aufgrund der Krise in der Kohleindustrie, von der übermüdeten Krankenschwester in einer Abteilung mit Corona-Patienten oder von der Bucht von Guanabara bei Rio de Janeiro, wo die industrielle Entwicklung das Gebiet auf Kosten der traditionellen Fischerei erobert. Spuren des Kampfs um die Existenz auf dieser Welt. Dabei geht es aber nicht um ein endgültiges Urteil über solche Ereignisse, die weltweit zu beobachten sind. Die Bilder werben um Verständnis für ihrer Komplexität. Sie stellen Meinungen und Gewissheiten infrage. Viele der ausgestellten Arbeiten fokussieren die Pandemie, die die Welt zu verändern scheint, auf die Proteste in Hongkong und den EU-Exit Grossbritanniens. Die einzelnen Ausstellungen haben thematische Titel, zum Beispiel «Stories of Courage» in der ehemaligen Engelskirche. Die amerikanische Fotografin Maggie Steber dokumentiert dort die erste Gesichtstransplantation in den Vereinigten Staaten an einer jungen Patientin. Bilder, die unter die Haut gehen und Diskussionen auslösen. Diesen Anspruch lösen viele der Fotografien ein, denn sie wollen die Betrachter zu der Frage führen, was ethisch ist. Zeitgleich mit dem Festival finden Fotoausstellungen in Geschäften, Bars, Restaurants, Galerien und Kulturkreisen von Lodi statt. Im Vorfeld gab es einige Diskussionen darüber, ob das Festival während einer Pandemie überhaupt stattfinden dürfe, ob das ethisch sei. Die Organisatoren schreiben dazu: «Gerade in den Monaten der Abriegelung, als wir voller Zweifel und Fragen in unseren Häusern eingeschlossen waren, hat uns die Kultur geholfen, zu verstehen und uns Momente des Atmens gegeben. Wir wollen nicht aufhören, der Kultur Raum, Zeit und Energie zu widmen, vor allem in dieser Zeit, in der sie zu kämpfen hat, weitergeführt zu werden.»

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World Report Award

Am Festival für ethische Fotografie wird jeweils der World Report Award für verschiedene Kategorien verliehen. Die Auszeichnung zielt auf eine neue Form des sozialen Engagements durch Fotografie. Der Preis soll Fotografen, die sich in diesem Bereich der Fotografie engagieren, wirtschaftlich unterstützen.

Hauptgewinner in diesem Jahr ist Nikita Teryoshin, der in Berlin lebt, in St. Petersburg aufgewachsen ist und in Dortmund einen Bachelor of Arts in Fotografie erworben hat. Seine Arbeit «Nichts Persönliches − das Backoffice des Krieges» zeigt die «saubere Welt», wo Waffen vorgeführt und bestellt werden.

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