Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Dauerhaft sauberes Wasser für kommende Generationen

Eigentlich begann die Trinkwasserinitiative im Herbst 2011. Auf einem Spaziergang sah ich eine junge Mutterkuh, die nach ihrem Kälbchen schrie. Man hatte es ihr weggenommen, damit sie mehr Milch produziert. Ich werde die leidvollen Augen dieser Mutterkuh nie vergessen.

Ich begann zu recherchieren und wollte wissen, ob alle Milch so produziert wird. In den folgenden Monaten erschloss ich mir so Schicht um Schicht die Realitäten der Lebensmittelproduktion in der Schweiz. Gestossen bin ich auf eklatante Wasserverschmutzung und Umweltzerstörung, ausgelöst durch eine von Pestiziden, Importfutter und Antibiotika abhängige Landwirtschaft.

Bis dahin war ich mir sicher, gut informiert zu sein über die Lebensmittelproduktion in der Schweiz. Denn meine Mutter erzog mich und meine Schwestern sehr ökologisch. Sie kaufte schon vor 42 Jahren unsere Lebensmittel beim Biobauern.

Doch bei meinen Recherchen und beim Aufbau der Initiative wurde mir klar, dass ich überhaupt nicht gut informiert war. Und es auch nicht sein konnte, da wir Konsumentinnen und Konsumenten nicht ehrlich und transparent über die Lebensmittelproduktion in der Schweiz informiert werden, ja gezielt im Unklaren gelassen werden.

Heute weiss ich, dass mehr als eine Million Schweizerinnen und Schweizer pestizidbelastetes Trinkwasser konsumieren; dass Seen jahrzehntelang künstlich belüftet werden müssen, um nicht an der Last überschüssiger Nährstoffe zu ersticken; dass zahllose gefährdete Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz vor dem Aussterben stehen und die im Tonnenmassstab verabreichten Antibiotika die Entwicklung von antibiotikaresistenten Bakterien fördern.

Und ich habe die Ursachen dafür erfahren: den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft; die enormen Gülleüberschüsse, die aufgrund des Imports von über einer Million Tonnen Futtermitteln entstehen; der vorbeugende Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung. Kurz: die immer weiter fortschreitende Intensivierung und Industrialisierung unserer Lebensmittelproduktion.

Seit über 20 Jahren hat die Schweiz ein Direktzahlungssystem für die Landwirtschaft, das Umweltleistungen mit Milliarden an Steuergeldern unterstützt – ohne durchschlagenden Umwelteffekt. Im Gegenteil: Die anhaltende Wasserverschmutzung durch die Landwirtschaft wird durch unsere Steuern mitfinanziert. Es ist zudem eine verkehrte Welt, wenn wir für umweltschonend produzierte Lebensmittel mehr bezahlen müssen als für solche, die die Umwelt zerstören.

Heute ist mir klar: Mit dem Kauf von Bioprodukten allein können wir die dringend nötige Ökologisierung der Landwirtschaft nicht erreichen. Es braucht die Umlenkung unserer Steuermittel, sodass Subventionen, Investitionshilfen und Forschungsgelder nur noch in eine pestizidfreie Landwirtschaft fliessen, die aus eigenem Boden produziert. So wie wir es mit der Trinkwasserinitiative fordern.

Wasser ist das Lebensmittel Nr. 1. Die Schweiz trägt eine besondere Verantwortung dafür, versorgen unsere Flüsse doch halb Europa mit Trinkwasser. Wir haben die Möglichkeit, mit Volksinitiativen gesellschaftliche Veränderungen einzufordern – auch an allen Lobbys vorbei. Diese Möglichkeit haben wir genutzt, um für kommende Generationen dauerhaft sauberes Wasser zu gewährleisten – im In- und Ausland. Dafür braucht es eine achtsamere Lebensmittelproduktion, so wie es die Trinkwasserinitiative fordert.

 

Franziska Herren ist Präsidentin des Vereins «Sauberes Wasser für alle» und Mitinitiatorin der Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz».