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Wahres Glück

Vermeintliches Glück rückt schleichend in den Vordergrund und verdeckt die Aussicht auf wahres Glück. Begonnen hat dies mit der Industrialisierung. Sie liess die kapitalorientierte Marktökonomie gedeihen, die zuvor nur ein bescheidenes Pflänzchen war. Zunehmend wurde dies zu einer Erfolgsgeschichte und bildete die Basis unseres heutigen Wohlstands. Seit Ende der 1950er-Jahre werden durch die Marktwirtschaft praktisch alle unsere Grundbedürfnisse befriedigt; in rund 150 Jahren hat sie die Subsistenzwirtschaft weitestgehend abgelöst.

Wir erfreuten uns erst etwa am Sonntagsbraten. Bald darauf konnten wir uns Fernseher und Auto leisten. Und wir gönnten uns immer mehr. Denn Glück empfinden wir dann, wenn unsere Bedürfnisse – wie versorgt, informiert oder frei zu sein – befriedigt werden.

Die Marktwirtschaft ist zum Wachstum gezwungen. Sie hat den Planeten nun nahezu erobert. So gelingt heute Wachstum nur mehr, indem laufend neue Bedürfnisse geschaffen werden. Dazu existiert eine gigantische Marketing-Industrie, die mit psychologischen Mitteln Bedürfnisse suggeriert. Aber auch die Nutzungsdauer wird dem Wachstumszwang geopfert: Deshalb lassen Qualität und Lebensdauer der meisten Produkte zunehmend zu wünschen übrig.

Wir wollen unserem Umfeld ebenbürtig sein. So shoppen wir, um unseren Status anzupassen, und trachten nach Glücksmomenten. Die Glücksgefühlsernte funktioniert anfänglich, lässt aber immer mehr nach. Um diesen scheinbaren Verlust zu kompensieren, kaufen wir immer mehr. Dabei kostet uns das nicht nur Zeit, sondern auch eine Stange Geld, welches erst hart erarbeitet werden muss. Erwerbsarbeit raubt ebenfalls Zeit – und Zeit ist das Kostbarste, was wir haben.

Unser ganzes Leben lang wurden wir – statt auf wahres Glück – auf vermeintlich glücklich machende Waren konditioniert. Daher sollte man sich bei jeder Anschaffung fragen: Brauche ich das wirklich? Dient es nur meinem Status? Oder lechze ich wieder mal nach einem Glücksmoment? Und nutze ich es längerfristig? Oder kann ich mir dies auch ausleihen?

Wahres Glück ist vergänglich. Doch wir können es etwa bei jeder Mahlzeit neu erfahren. Das geht aber nur, wenn wir nicht im Stehen, im Gehen oder beim Fahren essen. Etwas Feines zubereiten oder sich bekochen lassen, sich hinsetzen und geniessen, daraufhin genährt und satt sein – so etwas ist wahres Glück! Wir steigern es noch, wenn wir zusammen mit Freunden oder Familienmitgliedern essen. Denn Gespräche und Humor sind weitere Glücksbringer.

Ernährung, Anerkennung und Austausch gehören zu unseren Grundbedürfnissen, wie auch Geborgenheit und Wärme sowie das Erarbeiten existenzieller Sicherheit und die Entfaltung unserer Talente. Überall da ist wahres Glück zu finden! Wir müssen nur genau hinsehen und uns dafür Zeit nehmen.

Wenn wir uns künftig die Zeit schenken, in der wir nicht mehr Ramsch shoppen, um vermeintliche Glücksmomente zu induzieren, schonen wir die planetaren Ressourcen. Da wir dabei Geld sparen, können wir möglicherweise unsere Arbeitspensen reduzieren. Wäre das nicht ein wahrhaftes Glück?

Fred Frohofer ist Fazilitator für neue Lebensformen und Suffizienz.

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