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Zu Weihnachten und Neujahr sind in zwischenmenschlichen Beziehungen die Erwartungen besonders hoch. Freundschaften, die zur Tradition geworden sind, können jedoch für Enttäuschungen sorgen. Dabei geht leicht vergessen: Freundschaften verändern sich eben und laufen auch aus.

In den Tagen um Weihnachten und den Jahreswechsel macht man viel, weil es eine Art Tradition geworden ist. Ein Apéro mit den Müllers, ein Nachtessen mit den Meiers, ein Konzertbesuch mit den Hubers. Man hält sich daran, weil es sich so ergeben hat. Eine Abkehr davon würde für böses Blut sorgen, denkt man. Und so trifft man sich, obschon die Lust dazu kleiner ist als ein Jahr zuvor. Und damals kam schon Unlust auf, wieder einladen zu müssen und der Gegeneinladung zu folgen.

Die Annahme, dass Freundschaften eine statische Angelegenheit sind, ein Fixpunkt im Leben, erscheint verlockend, ist aber eine Illusion. Freundinnen fürs Leben oder Freunde durch dick und dünn sind Ideale, die gerne von der Filmindustrie verbreitet werden. Mit dem realen Leben haben sie aber wenig zu tun. Denn Freundschaften entstehen in Lebensabschnitten – in der Schule, im Sportverein, beim Militär, an der Arbeit, in der Nachbarschaft. Aber weil sich die Lebensabschnitte verändern, zum Beispiel durch einen Umzug, einen Stellenwechsel, durch eine Scheidung, eine Krankheit, gestaltet sich auch die Freundschaft aus dem damaligen Lebensabschnitt anders. Sie im neuen Lebensabschnitt zu erhalten, ist nämlich gar nicht so einfach. Oft wird die Freundschaft aus Tradition weitergeführt, dabei aber immer blutleerer. Muss man sich deshalb Vorwürfe machen? Nein. Es ist nicht negativ, sich einzugestehen, dass sich die einst enge Freundschaft aufgelöst hat, solange man auf eine Bewertung mit Schuldzuweisungen verzichtet.

Freundschaften verändern sich nun mal, weil sich die Menschen verändern. Einst eng Verbundene entwickeln sich über die Jahre in unterschiedliche Richtungen und pflegen neue Interessen. So ist das Leben und das ist gut so. Denn jeder Mensch ist ständig neuen Ereignissen ausgesetzt, die beeinflussen und auch verändern. Zentral ist, das zu akzeptieren und die Kraft zu generieren, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Das heisst: Wenn man eine Freundschaft nur noch aus Tradition pflegt und dabei keine guten Gefühle mehr aufkommen, dann ist es Zeit, darauf zu verzichten. Zur eigenen Veränderung zu stehen, hat viel mit Authentizität zu tun. Echte Freundschaften setzen diese Wahrhaftigkeit voraus.