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Zeitgemässe Ideen und Visionen

Ist konservativ einfach gut, wie David Trachsel sein Statement titelt?

Ja, es gibt unschätzbare traditionelle Werte, ohne die eine Gesellschaft nur schlecht funktionieren kann und welche wir in unserer Zeit manchmal schmerzlich vermissen: Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, Offenheit und Verlässlichkeit, Wohlwollen und Solidarität, auch Sorgfalt, Rücksichtnahme und Höflichkeit. Von Politikerinnen und Politikern erwarte ich mehr: Sachkompetenz, Transparenz und Unabhängigkeit, Wille zur Kooperation und Engagement für Land und Volk statt für partikuläre Interessen, Gemeinsinn auch und Weitblick. Die Leserschaft möge selbst entscheiden, inwieweit die SVP in den letzten Jahren diesen Erwartungen nachgekommen ist.

Überall auf der Welt, wo marktwirtschaftliche Ordnung anzutreffen ist, sei extreme Armut fast inexistent – so David Trachsel. Die Realität: In den allermeisten Ländern dieser Welt herrscht genau diese hochgelobte Marktwirtschaft. Dieser Raubtierkapitalismus spaltet die Gesellschaften, schafft Armut, Elend, Hunger, Abhängigkeiten – und einige wenige Profiteure. Näherinnen in Bangladesch und anderswo nähen Klamotten für uns im Westen, zu Hungerlöhnen und unter prekären Bedingungen. Selbst in den reichen, radikal kapitalistischen USA sind zahlreiche Menschen auf die Nahrungsmittelpakete wohltätiger Organisationen angewiesen, um nicht zu verhungern. Papst Franziskus brachte es auf den Punkt: «Diese Wirtschaft tötet.»

Die sogenannte freie Marktwirtschaft ist ein gewaltiger Etikettenschwindel. Zwingend müsste sie Kostenwahrheit, Transparenz und Firmenverantwortung beinhalten. Europäische Länder verkaufen beispielsweise mit öffentlichen Geldern hochsubventionierte Landwirtschaftserzeugnisse nach Afrika – zu Preisen, bei welchen selbst die bescheidenen einheimischen Landwirte nicht mithalten können und verarmen.

Das Ideal der Paarfamilie als staatserhaltendes Kernziel: tönt gut. Stutzig macht, dass in unserem Land über ein Drittel der geschlossenen Ehen geschieden werden. Was aber zutiefst erschüttert, ist oftmals, mit anzusehen, wie sich einstige Liebende in Wut, Hass und perfiden Winkelzügen zerfleischen. Da kann etwas nicht stimmen. Die traditionelle Paarfamilie hat aber auch grundsätzlich patriarchalische Aspekte. Wie viele Jahre musste um die Gleichberechtigung der Frau gekämpft werden, gegen den erbitterten Widerstand konservativer Kräfte – wo doch die Frauen beispielsweise während des Zweiten Weltkriegs – viele Männer waren im Aktivdienst – zu Hause buchstäblich ihren Mann gestanden haben.

Nationale Identität, aber auch ethnische, sprachliche und kulturelle Heimat sind unbestrittene Werte. Aber Nationalstolz und Abschottung führen ins Leere.  Europa braucht Zusammenhalt, Solidarität und Kooperation, will es nicht zwischen den grossen Machtblöcken aufgerieben werden.

Ist also konservativ einfach gut? Aus meiner Sicht können wir mit konservativen Philosophien allein nur die wenigsten Probleme unserer Zeit lösen. Wir brauchen neue, zeitgemässe Ideen und Visionen.

 

Fritz Wassmann-Takigawa ist freischaffender Gartenplaner, Ökologe, Berater, Fachautor und Sachverständiger Energie.

Hier direkt zu David Trachsels Beitrag. 

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