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Der Februar ist der fröhlichste Monat des Jahres – denn dann beginnen das närrische Treiben, das ausgelassene Feiern und die «drey scheenschte Dääg». Die Fasnachts-Fröhlichkeit wurde dieses Jahr Corona-bedingt verschoben, in Basel sogar bereits zum zweiten Mal in Folge. Grund genug für eine vertiefte Auseinandersetzung, was Fröhlichkeit überhaupt ausmacht. 

von Flavia Müller

Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König – so besingen wir seit dem 19. Jahrhundert die Fröhlichkeit im Kanon. Doch was ist Fröhlichkeit überhaupt? Und was macht uns fröhlich?

Wer nach dem Begriff forscht, landet schnell beim Thema Glück. Dock Glück und Fröhlichkeit − wenn auch eng miteinander verschlungen – sind zwei verschiedene Dinge. Glück, das kommt von innen, geht tiefer und ist eher etwas Langfristiges. Fröhlichkeit hingegen ist eher etwas Akutes, eine Stimmung, ein Gefühl. Wir sind fröhlich, gut gelaunt, ausgelassen, heiter oder haben Spass. Fröhlichkeit ist etwas, was man jemandem ansehen kann. Wir müssen nicht zwingend fröhlich sein, um glücklich zu sein. Umgekehrt sind wir aber viel eher und leichter fröhlich, wenn wir auch glücklich sind.

Wenn man die Menschen fragt «Bist du lieber glücklich oder lieber fröhlich?», entscheiden sich 90 Prozent für glücklich. Das langfristige Glück ist vielen wichtiger als die tendenziell kurzlebige Freude. Dabei ist gerade in der aktuellen Zeit die Fröhlichkeit wichtig. Wir müssen zugunsten der Eindämmung einer Pandemie auf vieles verzichten, das uns normalerweise froh macht. Freunde treffen, Tanzen gehen, das Kino, Museum oder den Zoo besuchen oder eben die Fasnacht. All das findet gerade nicht statt und drückt auf unser Gemüt. Fröhlichkeit finden wir überall um uns herum, wir müssen nur unsere Augen − und Herzen – öffnen. Wenn wir über einen Witz lachen müssen, wenn die Sonne scheint, wir etwas tun, was uns Spass macht, unsere Kinder in den Arm nehmen oder einfach, wenn wir unsere Haustiere streicheln – all das macht uns froh. Und Fröhlichkeit ist ansteckend. Wer musste nicht selbst schon mal lachen, weil er vom herzhaften Lachen eines Mitmenschen angesteckt wurde?

Aus der Psychologie
Fröhliche Momente gibt es täglich. Dies gilt es lediglich zu erkennen. Patienten mit einer Depression leiden u.a. unter der kognitiven Verzerrung, bei der Informationen automatisch und unbewusst eher negativ interpretiert werden. In der Psychotherapie werden die Patienten u.a. angeleitet, die täglichen fröhlichen Momente schriftlich festzuhalten, um ihre Aufmerksamkeit von der fast nur negativen Schlussfolgerung auf eine eher positive und realistische Sichtweise umzulenken. Die Summe der bewusst wahrgenommen Fröhlichkeitsmomente hat einen positiven Effekt auf den allgemeinen Gemütszustand.

Nadeem Kalak, Psychotherapeut und wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

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Zähne zeigen
Wir können uns Fröhlichkeit sogar selbst antrainieren. Die bekannteste und schnellste Methode dazu hat uns Managementtrainerin und Sachbuchautorin Vera F. Birkenbihl geschenkt: Lächeln. «Jedes Mal, wenn Sie sich 60 Sekunden lang zwingen, den Mund zum Grinsen zu verziehen, denkt Ihr Körper, es ginge Ihnen gut – und dann produziert Ihr Gehirn Freudehormone – aber man braucht 60 Sekunden am Stück – nicht zehnmal sechs Sekunden, das nützt nichts.»

Und so denkt unser Körper, wir seien fröhlich, bis wir es dann auch tatsächlich sind. Einen Schritt weiter gehen Übungen aus der Achtsamkeitslehre. Wenn wir jeden Abend vor dem Schlafen drei Dinge aufschreiben, die gut waren an diesem Tag, wird sich das nachhaltig positiv auf unsere Weltanschauung auswirken. Drei Dinge − das klingt nach wenig, ist aber am Anfang gar nicht so einfach. Je länger die Übung weitergeführt wird, desto mehr fällt uns ein und auf, desto mehr schärfen wir unseren Blick für die Details, die effektiv zu unserem Glück und unserer Fröhlichkeit beitragen.

Fröhlichkeit ist aber nicht einfach das Gegenteil von Traurigkeit. Fröhlichkeit, das ist Leichtigkeit, beschwingt und frei sein. Wer fröhlich ist, dem fällt vieles im Leben leichter. Nicht, weil derjenige mehr Glück hätte, sondern ganz einfach, weil man grundsätzlich positiver eingestellt ist. Fröhlichkeit wird oft mit Optimismus gleichgesetzt. Obwohl viele Parallelen bestehen, ist es nicht ganz das Gleiche. Man kann grundsätzlich Schwarzseher sein und trotzdem fröhliche Momente erleben.

Warum aber reden wir kaum darüber, dass oder wenn wir fröhlich sind? Auf die übliche Frage «Wie geht es dir» sagt kaum jemand, dass er richtig fröhlich sei. Vermutlich würde man denjenigen dann auch ziemlich schief ansehen. Grundsätzlich will auch niemand wirklich eine tiefergehende Antwort auf diese Frage, es ist eben einfach eine Floskel, an die man sich gewöhnt hat. Und alles, was nicht der Norm entspricht bei der Antwort, ist irgendwie unbequem. Eigentlich schade, denn wir toll wäre es, wenn wir uns mehr erzählen würden, was uns fröhlich macht, und damit die Fröhlichkeit verbreiten. Warum fragen wir nicht öfter «Was macht dich froh?» oder «Warum bist du fröhlich?»

Wer letzteres bei Google eingibt, landet bei einem kurzen Artikel des Tagesanzeiger. «Sie haben die Frage ‹Warum bin ich so fröhlich?› vermutlich nicht bei Google eingetippt, weil Sie dem Grund für Ihren Glücksrausch nachgehen wollen, sondern weil Sie das gleichnamige Lied suchen, dieses penetrant fidele Mitpfeif-Lied aus der – sehr traurigen – Zeichentrickserie mit dem tapferen Waisenentchen Alfred J. Kwak, das von einem Maulwurf adoptiert wird», liest man dort. Und wer sich das Lied anhört, wird dies kaum ohne ein Lächeln im Gesicht schaffen, so ansteckend fröhlich ist es.

Wo Musik ist, lass dich nieder
Generell ist Musik etwas, was uns froh macht, was einen sehr grossen Einfluss auf unsere Stimmung hat. Lieder sind auch eng mit unseren Erinnerungen verknüpft. So kann uns ein bestimmtes Lied die Tränen in die Augen treiben oder das Herz höherschlagen lassen. Oder es bringt uns einfach nur zum Lachen.

Während die Fröhlichkeit ziemlich einfach erfassbar ist, ist es mit dem Glücklichsein anders – Glück ist vielseitiger. Zum Beispiel gibt es einen Unterschied zwischen Glück haben und Glück empfinden. Glück zu haben, also zum Beispiel im Lotto zu gewinnen, ist ungefähr auf der gleichen Ebene anzusiedeln wie die Fröhlichkeit. Glück empfinden, das muss jeder und jede selber für sich, nach seiner eigenen Definition von Glück.

Ein Werk geht aber einen anderen Weg. Der österreichische Psychologe Paul Watzlawick hat 1983 seine «Anleitung zum Unglücklichsein» veröffentlicht. Über eine Million Mal hat sich der «Anti-Ratgeber» bereits verkauft. Auf ironische Art vermittelt Watzlawick, wie man ganz sicher unglücklich wird. Wer sich diese Tipps einverleibt, aber das Gegenteil befolgt, der hat tatsächlich eine gute Chance, glücklich und froh zu werden.

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