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Die wieder verschärften Massnahmen gegen die COVID-19-Pandemie können für starke Emotionen sorgen – vor allem für Enttäuschungen. Eine Emotionskontrolle hat in diesem Fall viel mit einer guten Selbstfürsorge zu tun.

von Anton Ladner

1995 erschien das Buch «Emotionale Intelligenz» von Daniel Goleman, das ein internationaler Bestseller wurde. Der Psychologe unterrichtete an der Harvard-Universität und arbeitete auch als Wissenschaftsjournalist, was ihn befähigt, komplexe Zusammenhänge einfach und spannend zu vermitteln. Das dürfte auch ein wesentlicher Faktor für den Erfolg seines Buches gewesen sein. Goleman ist davon überzeugt, dass Gefühle eine heilende Wirkung haben können. Er schreibt aber nicht Emotionen generell eine gute Wirkung zu, deshalb propagiert er auch eine Emotionskontrolle. Es geht dabei nicht um ein Abblocken von Empfindungen oder um Verdrängung, sondern um ein Steuern, um eine Schadensbegrenzung.

Derzeit geraten wieder aufgrund der Massnahmen gegen Corona-Infektionen viele kleine und grosse Pläne durcheinander. Nach langen Überlegungen wird die geplante Reise nach Thessaloniki gestrichen, Christine will nicht mehr mit auf die Wanderung im Aostatal. Und den wöchentlichen Besuch des Thermalbades hat Yvonne «bis auf Weiteres» abgesagt, ihr erscheint das einfach zu riskant. Das macht keine Freude und kann schlechte Gefühle auslösen, was eine normale Reaktion ist. Entscheidend ist jedoch, wie stark das Leben von solchen Ereignissen überschattet wird. Ob eine Absage oder ein Verzicht so viel Lebensfreude absaugt, dass man die Qualität des aktuellen Lebens gar nicht mehr zur Kenntnis nimmt. Dann ist eine Emotionskontrolle überfällig, ganz im Dienste einer Selbstfürsorge.

Konkret geht es darum, sich nicht in einem emotionalen Loch tief zu graben, sondern möglichst rasch wieder herauszukommen. Denn in einem negativen emotionalen Zustand kommt es auch zu kognitiven Einschränkungen. Man kann nicht mehr klar denken, hat Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwächen oder vermindertes Denkvermögen. In Situationen von starken Emotionen leidet auch die Urteils- und Entscheidungsfähigkeit. Ein Gespräch über die Enttäuschung, Gartenarbeit, den Schrank aufräumen, lesen, ein guter Film oder ein Spaziergang kann helfen, negative Emotionen zum Abklingen zu bringen. Sie gehören zum Leben, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht kanalisiert werden sollen. «Achtsamkeit im Hinblick auf die Emotionen ist die grundlegende emotionale Kompetenz», schreibt Goleman. Er meint damit die Kompetenz, sich Gedanken über seine Emotionen machen zu können, und die Möglichkeit, sie zu kontrollieren und sich nicht von den eigenen Gefühlen mitreissen zu lassen.

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