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Corona und Klima: Von Krisen und Chancen

Erinnern Sie sich noch an die Meldung des italienischen Arztes aus Bergamo, als die Fahlzahlen in Italien anstiegen? Es war ein verzweifelter Aufruf, das Problem ernst zu nehmen und aktiv zu werden, um die Ausbreitung von COVID-19 zu stoppen. Vor dem Hintergrund der realen Situation im Spital war es ein Appell, sich von denen, die sich nicht interessieren, die verharmlosen und Zweifel streuen, nicht ablenken zu lassen.

Wenn ich heute lese, dass in Sibirien schon wieder eine Rekordhitze tobt und Wälder brennen, dann ist das für mich genauso ein Weckruf. Leider einer unter vielen: von heissesten je gemessenen Monaten über Waldbrände in Australien bis hin zum Meeresspiegelanstieg: Fast schon wöchentlich wird ein Klima-Alarm geschlagen. Das ist die reale Situation auf unserem Planeten, die wir dringendst ernst nehmen sollten.

Das Gegenmittel ist bekannt. Doch trotz über 40 Jahren Klimadiskussionen ist der ökologische Umbau der Gesellschaft noch nicht in die Gänge gekommen. Wir sind immer noch schwer abhängig von der Schädigung des Klimas. Vieles, was wir für normal halten – Flugzeuge, tierische Produkte, Autos, Öl- und Gasheizungen sowie Abfallberge aus Plastik –, muss sich ändern. Und das meiste davon hält sich nur, weil es keine Kostenwahrheit gibt.

Mit Corona gab es kurzfristige Veränderungen: Luftverschmutzung und Klimaschädigung gingen zurück. Das wird aber nicht so bleiben, wenn wir uns nicht bewusst für einen ökologischen Wiederaufbau entscheiden. Eine Expertise im Auftrag von energie-wende-ja und Greenpeace Schweiz zeigt nun, wie ein ökologischer Wiederaufbau nach dem Corona-Lockdown gelingen kann.

Das vorgeschlagene Impulsprogramm für den gezielten ökologischen Umbau braucht Investitionen von 16 Milliarden Franken und schafft bis zu 50 000 Arbeitsplätze. Exemplarisch seien hier zwei wichtige Sektoren genannt:

Eine erhöhte Sanierung von Altbauten zur Senkung des Energieverbrauchs, ein Programm für den systematischen Ersatz von Hunderttausenden Öl- und Gasheizungen und ein Solar-Dächer-Programm stehen im Zentrum des Gebäude-Sektors. Mit diesen Ansätzen werden Arbeitsplätze in der Haustechnik, Energietechnik und Baubranche geschaffen.

Der Ausbau von e-Ladestationen, ein Digitalisierungsschub für eine erhöhte Verfügbarkeit beim ÖV, durchgehende und sichere Räume für den Fuss- und Veloverkehr sowie ein Mobility Pricing sind wichtige Massnahmen bei der Mobilität. Mit den Ansätzen werden Jobs in der Elektrotechnik, der IT, dem Tiefbau sowie der Planung geschaffen.

Mit einer Durchsetzung der Kostenwahrheit würde die Wirkung des Programms deutlich verstärkt. Zudem führen die Investitionen in zehn Jahren zu Einsparungen von mehreren Milliarden Franken pro Jahr, da damit lokale Umwelt- und Gesundheitsbelastungen, künftige Klimakosten und die Abhängigkeit von fossilen Energien reduziert werden. Wie viele Klima-Alarme braucht es noch, bis wir das Problem an der Wurzel packen?

Die Expertise mit Massnahmen zu allen relevanten Sektoren kann hier geladen werden: www.greenpeace.ch/covid-expertise.

 

Georg Klingler ist Leiter Klima bei Greenpeace Schweiz.

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