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Hängebrücken über tiefen Abgründen erweisen sich in der Schweiz als neue Besuchermagnete. Sie vermitteln die Bergwelt in einer starken Intensität – ohne invasiven Eingriff in die Natur. Ein Rezept für den Bergtourismus der Zukunft.

von Frank Burg
Die Topografie der Schweiz machte aus ihr ein Land der Brücken. Im Schienennetz und bei den Nationalstrassen entstanden über 11 000 Brücken, darunter befinden sich reinste Kunstwerke. So gehört das Landwasserviadukt, die 65 Meter hohe und 136 Meter lange Eisenbahnbrücke der Rhätischen Bahn bei Filisur, seit elf Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe.
Die Überwindung von Abgründen im Zeichen der Mobilität hat die Menschen seit jeher fasziniert. An diesem Ur-Gefühl knüpft eine neue Attraktion in den Alpen an – die Hängebrücke. Sie setzt den Menschen in atemberaubender und schwindelerregender Weise der Natur aus und ermöglicht dabei eine Sicht, die zum grossen Erlebnis wird. Hängebrücken bringen auf diese Weise auch die Veränderungen der Umwelt näher. Den Blick auf den Triftgletscher bei Gadmen im Berner Oberland wird man sich einprägen. Noch vor wenigen Jahren war der Gletscher «die Brücke», um das Tal zu überqueren. Doch sein massiver Rückzug machte 2004 eine Hängebrücke notwendig, die sich schnell zu einem Besuchermagnet entwickelte, was 2009 einen Ausbau mit einer robusteren Konstruktion notwendig machte.
Dieser Erfolg inspirierte zur längsten Fussgänger-Hängebrücke der Welt bei Randa im Wallis. 2017 wurde die 494 Meter lange Konstruktion als Teil des Europaweges, der Zermatt mit Grächen verbindet, eröffnet. Wer sich nur dem Brückenerlebnis stellen will: Die Hängebrücke ist in zweieinhalb Stunden Aufstieg ab Randa erreichbar. Wer sich aber auf weniger anstrengende Weise dem schwindelerregenden Abenteuer aussetzen will, findet auf dem Titlis mit dem «Cliff Walk» ein solches Angebot. Der Weg beginnt auf der Bergstation nach der Gletschergrotte und führt über eine Tiefe von 500 Metern. Gleiches gilt seit 2014 für den «Peak Walk» in der Gebirgsgruppe Les Diablerets, der auf 107 Meter den Gipfeln des Scex Rouge (2971 Meter über Meer) mit dem Aussichtspunkt «View Point» verbindet. Es handelt sich um die erste Hängebrücke zwischen zwei Berggipfeln, was natürlich spektakulär ist.
Der Hängebrücken-Effekt soll auch in tieferen Lagen Wirkung entfalten. Beispiel dafür ist die Panoramabrücke Sigriswil bei Interlaken. Die Überquerung der 340 Meter langen Hängebrücke zwischen Sigriswil und Aeschlen eröffnet eine grossartige Sicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau sowie auf den Thunersee. Sie führt über die Gummischlucht, die bis 182 Meter tief unter der Brücke verläuft. Sie ist Teil eines Panoramarundwegs um den Thunersee, der dereinst über sechs Hängebrücken führen soll. Die erste Brücke in Leissigen über den Spissibach wurde 2011 eröffnet. Nach der Panoramabrücke Sigriswil, eröffnet 2012, folgte vor zwei Jahren die 79 Meter lange Panoramabrücke Beatenberg, die über den Sundbach führt. In der Viamala-Schlucht in Graubünden ist derweil mit dem Traversinersteg II eine weitere Hängebrücke der Superlative zu erleben. Sie ist eine Art schwebende Treppe, weil auf ihrer Länge von 56 Metern 22 Höhenmeter überwunden werden müssen.