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Die Corona-Pandemie hat uns eindrücklich gelehrt, dass wir uns von Wildtieren tunlichst fernhalten sollten. Anderen Tieren, Haustiere wie Hunden, Katzen und Hasen, kommen viele Menschen aber sehr nahe. Ist das gesund oder besteht dabei auch die Gefahr der Übertragung von Krankheiten? Antworten von Veterinär Robin Maksay.

von Christine Schnapp

 

Robin Maksay, von Wildtieren sollten wir uns fernhalten, das haben wir dank der Corona-Pandemie gelernt. Doch wie verhält es sich mit Haustieren?

In der Schweiz zählt man ungefähr 1,7 Millionen Katzen und mehr als 500 000 Hunde. Diese Heimtiere leben in engem Kontakt mit dem Menschen und nehmen im Allgemeinen einen grossen Platz in seiner Umwelt ein. Diese Nähe begünstigt die Übertragung infektiöser Krankheiten vom Tier auf den Menschen und umgekehrt. Diese Krankheiten werden «Zoonosen» genannt. Die meisten dieser Erkrankungen sind gutartig und verursachen keine schwerwiegenden Beschwerden. Hingegen können andere Zoonosen verschiedene Probleme verursachen und sogar lebensbedrohlich für den Menschen sein. Gewisse Punkte sind bei der Vermeidung der Übertragung solcher Krankheiten sehr wichtig, vor allem die Hygiene (das Händewaschen nach dem Kontakt mit einem Haustier zum Beispiel).

Welche Krankheitserreger können von Haustieren auf Menschen übertragen werden?

Alle Arte von Krankheitserregern (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten) können unter bestimmen Bedingungen von Haustieren auf Menschen übertragen werden. Es ist aber wichtig zu verstehen, dass nicht alle Erreger übertragen werden können, sondern nur einige wenige davon. Sie mussten sich dafür an ein Tier (z. B. Hund, Katze) und an den Menschen anpassen. Meistens ist das nicht der Fall, und wenn ein Mensch in Kontakt mit einem Erreger kommt, kann dieser keine Infektion auslösen.

Gibt es darunter auch gefährliche Fälle?

Ja, gewisse Krankheitserreger können schwerwiegende Erkrankungen beim Menschen hervorrufen. Die Leptospirose (eine durch Bakterien der Gattung Leptospira verursachte Krankheit) kann zum Beispiel in ihrer schlimmeren Form (die aber nur selten ist) zu Niereninsuffizienz, Lebersymptomatik und Blutungen führen. Zum Glück bleiben aber die meisten Infektionen mit Zoonoseerregern (da rede ich über Zoonosen, die von Hunden und Katzen auf den Menschen übertragen werden) unkompliziert und leicht zu therapieren.

Welche Haustiere lösen die meisten Zoonosen bei Menschen aus?

Die meisten Infektionen vom Haustier auf den Menschen bleiben unbemerkt oder lösen nur leichte Symptome (Magen-Darm-Symptome nach einer Erkrankung mit Salmonellen oder Campylobacter) und führen nicht zum Arztbesuch. Es gibt meines Wissens nach keine solche Zahlen über die Situation in der Schweiz.

Der BAG publiziert jedoch jedes Jahr eine Statistik über die Anzahl von Zoonosefällen in der Schweiz. Die häufigsten Zoonosen des Jahres 2019 sind die Campylobacteriose und die Salmonellose. Diese werden aber vor allem durch die Aufnahme kontaminierter Futtermittel ausgelöst und nicht durch einen Kontakt mit einem Haustier.

Wie kann man feststellen, dass der Grund eines Schnupfens im Hund begraben liegt?

Dies ist eine häufige Frage. Der Schnupfen an sich ist eine Reaktion des Körpers, um einen Erreger oder einen reizenden Stoff auszuscheiden. Es ist auch wichtig zu verstehen, dass verschiedene Bakterien und Viren eine solche Reaktion auslösen können. Die meisten davon sind spezifisch für den Menschen oder für eine Tierart und nicht für beide. Wenn ich das Beispiel von Katzenschnupfen nehme, wird diese Erkrankung durch Viren und Bakterien, die den Katzen spezifisch sind, ausgelöst. Der Mensch ist nicht allfällig für diese und eine Übertragung auf den Menschen ist (momentan) nicht möglich. Es ist unmöglich zu sagen, ob eine spätere Mutation des Genoms dieses Erregers zur Ermöglichung der Übertragung auf den Menschen führen könnte.

Warum kann man, trotz möglicher Zoonosen, Hunde zu Hause halten, aber keine Pangoline?

Der Hund ist ein domestiziertes Tier und wird in der Schweiz als Haustier betrachtet. Der Pangolin ist ein Wildtier, das ausserordentlich schwierig zu halten ist. Laut Artikel 40 der Tierschutzverordnung wird die kantonale Behörde eine Bewilligung für die Haltung solcher Tiere nur erteilen, wenn das Gutachten einer anerkannten Fachperson nachweist, dass die tiergerechte Haltung gesichert ist.

Von welchen Tieren, die zu halten erlaubt sind, raten Sie ab, sie zum Haustier zu nehmen?

Ich möchte mich da vor allem zu Hunden und Katzen äussern, da dies meine Spezialität ist, jedoch gilt dies für alle Haustiere. Es ist wahr, dass das Halten von Haustieren gewisse gesundheitliche Risiken haben kann. Jedoch haben bisher multiple Studien gezeigt, dass unsere Haustiere positive Effekte auf Menschen haben. Sie reduzieren den Stress und erhöhen das Wohlbefinden ihrer Besitzer. Bestimmte gesundheitliche Aspekte (unter anderem Blutdruck, Cholesterol) sind durch das Halten von Hunden und Katzen auch verbessert. Dazu sind Haustiere auch Tiere, die über eine lange Zeit domestiziert worden sind und sich an den Menschen angepasst haben, was bei Wildtieren (wie dem Pangolin) nicht der Fall ist.

Manche Menschen, oft auch Kinder, kommen ihren Haustieren sehr nahe, lassen sie etwa im selben Bett schlafen. Eine gute Idee?

Bezüglich der Zoonose-Frage ist so ein Verhalten natürlich nicht ideal. Da das Fell unserer vierbeinigen Freunde auch Erreger tragen kann, werden diese in ihrer unmittelbaren Umgebung verteilt. Dazu lässt man meistens zu, dass der Hund uns im Gesicht leckt und so kann ein Speichelkontakt erfolgen. Durch engen Kontakt ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung höher, jedoch bleibt so eine Infektion eher selten. Gewisse Massnahmen können aber das Risiko einer Infektion durch unsere Hunde und Katzen reduzieren. Eine regelmässige Pflege sowie die Vorbeugung dieser Krankheiten (Impfung, Entwurmung) gehören dazu.

Nimmt die Anfälligkeit, aufgrund eines Erregers zu erkranken, den Hund oder Katze in sich trägt, bei Menschen ab, die jahrelang Haustiere halten?

Die Exposition an einen Erreger (egal ob zoonotisch oder nicht) löst eine Immunantwort aus. Diese Immunantwort dient (wenn möglich) der schnellstmöglichen Beseitigung des Erregers, ermöglicht es aber auch, eine «Erreger-Datenbank» aufzubauen. Bei einem neuen Kontakt mit demselben Erreger wird der Körper den Angreifer erkennen und daher schneller und präziser reagieren können. Der regelmässige Kontakt mit einem Erreger könnte daher einen gewissen Schutz bilden, jedoch habe ich bis jetzt keine spezifischen Studien darüber gelesen. Nicht alle Erreger führen zu einer gleich starken Immunantwort, und das Erkennen bei einer späteren Infektion ist auch unterschiedlich. Der Erreger kann auch mutieren und sich unter einer etwas anderen Form vorstellen, sodass der Körper ihn nicht mehr erkennt. Das ist zum Beispiel der Fall bei der humanen Grippe, die durch Influenzaviren verursacht wird. Diese Viren weisen ein grosses Mutationspotenzial auf. Dies erklärt, warum die Impfung jedes Jahr angepasst werden muss und warum man regelmässig an der Grippe erkranken kann.

Sie sind als Tierarzt auf Hunde und Katzen spezialisiert. Was raten Sie Hunde- und Katzenhaltern im Umgang mit ihren Tieren in puncto Zoonosen?

Das Wichtigste für mich ist eine gründliche Hygiene, und vor allem eine gute Handhygiene. Man sollte sich die Hände waschen nach einem Kontakt mit einem Hund oder einer Katze. Ein gutes Waschen mit Seife genügt dafür. Eine Übertragung wird meistens beobachtet durch den Kontakt zwischen infizierten Händen und dem Mund, zum Beispiel beim Essen. Weitere Massnahmen wie eine regelmässige Entwurmung sowie eine antiparasitäre Behandlung (Flohbekämpfung) der vierbeinigen Freunde, eine gute Tierbetthygiene/ Katzenkistenhygiene, eine korrekte Impfung (gegen die Leptospirose z. B.) sowie das Vermeiden des Speichel-Blut-Kontakts zwischen dem Menschen und seinem Tier sind sehr wichtig. Die Leute aus der YOPI-Gruppe (jung, alt, schwanger und immunsupprimiert, kommt aus dem Englischen von young, old, pregnant und immunodeficient) sollten diese Massnahmen unbedingt befolgen, da ihr Immunsystem weniger kräftig ist und daher Infektionen wahrscheinlicher sind. Falls Sie zu dieser Kategorie gehören und gleichzeitig ein Tier besitzen, empfehle ich einen ärztlichen Termin, um die Vorbeugemassnahmen zu besprechen.

Die sogenannte «disease awareness», d. h. das Bewusstsein, dass diese Krankheiten existieren, spielt auch eine zentrale Rolle. Durch dieses Wissen werden die Barriere-Gesten auch logisch und einfach durchzuführen. Den meisten Hunde- und Katzenbesitzern ist es nicht bewusst, dass es überhaupt solche Krankheiten gibt. Jedoch bringen die Tiere eine Menge Gutes in unser tägliches Leben, und die Tatsache, dass sie bestimmte Krankheiten auf uns übertragen können, sollte uns nicht von der Möglichkeit eines solchen Austauschs abhalten.

Gibt es eigentlich auch den anderen Fall: Tiere, die Sie behandeln, die an menschlichen Krankheitserregern leiden?

Es ist meistens unklar, wie und wann ein Patient sich mit einem Erreger infiziert hat, daher ist es nicht möglich zu sagen, ob der ursprüngliche Wirt der Besitzer oder die Besitzerin gewesen ist. Prinzipiell ist es möglich, dass sich ein Hund oder eine Katze infizieren kann, zum Beispiel durch die Aufnahme von menschlichem Kot. Eine solche Situation ist jedoch nicht oft gegeben, sodass Infektionen wahrscheinlich nicht zahlreich sind.

 

 

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